Remaraweng Boarisch

Wortschatz

Salz in der alltäglich faden Sprachsuppe

Alternativwörter zu norddeutschen und überstrapazierten Ausdrücken

 

Die süddeutsche Hochsprache und vor allem die bairischen Mundarten bieten eine oft unterschätzte Vielzahl an Ausdrucksweisen und Wortschatz im Vergleich zu dem häufig einfallslosen und monotonen Nordhochdeutschen. Geprägt mit seinen Färbungsnuancen, Zwischentönen und Wortbildungsmöglichkeiten, seinem Satzbau und nicht zuletzt tiefreichenden Wurzeln, die bis in die Antike zurückreichen – verschafft Bairisch einen hochwertigen Sprachreichtum.
Zu bedauern sind diejenigen, die nur über eine simple, phantasielose und gefühlslose vernorddeutschte Einheitsbreisprache verfügen.

Dehmen wir als prägnantes Beispiel das allgegenwärtige, überstrapazierte norddeutsche Wort 'toll'
das Süddeutsche/Bairische bietet im Gegensatz dazu (siehe unten) eine umfangreiche Palette, die dem Sprecher als Wortschatz und Ausdrucksformen zur Verfügung stehen.

Und außer 'super' hat das Bairische auch etliches zu bieten!

 

anstatt

(violett = allgemeines Hochdeutsch)

(rot = Nordhochdeutsch oder Niederdeutsch)

Alternative auf Südhochdeutsch oder Bairisch

wia waar’s mid?
(wie wäre es statt dessen mit)

anfassen, berühren

anlangen

von lang Adj. für räumliche u. zeitliche Erstreckung bezeichnend;
ahd. lang = langgestreckt, lange dauernd, ausführlich;
mhd.  lanc = lang, langsam

 

angreifen

mhd. grîfen, ahd. anagrîfan
(von greifen = ‘nehmen, fassen’. Das gemeingermanische Verb ahd. grīfan, mhd. grīfen,  gotisch greipan hat neben sich ein schwaches Iterativum
 ahd. greifōn, mhd. greifen, ‘tasten, mit der Hand berühren’).
Quelle:
  Das Projekt Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS)

 

"Ich möchte nichts angreifen und etwas versehentlich kaputtmachen."

"Er hat den weichen, empfindlichen Stoff ganz vorsichtig angegriffen, damit nichts passiert."

"Greift an! Macht, daß ein Ende wird." (Schiller 337)

Angeber, Prahler, Aufschneider

Ånduscha, Schatzer (Schatza) (mehr),

Broatnhoaza (mehr),

Dåmpfblodahefn,

 honaggisch (mehr),
Krenreißa ("Krenreißer") (von
Kren),
 Plauscha ("Plauscher")

(Brot-) Anschnitt,

großes Stück

crusta panis

der Scherz  [scheads] / das Scherzerl [scheadsal]
1. Brotanschnitt, An-/Endstück des Brotlaibs oder Ober-/Endstück von Rindfleischteilen
2. sehr dickes Stück Brot

(mehr)


Ramft, Ranft
(m.)  [raamfd] / [raamfd] - Mehrzahl: die Rämfte, Ränfte

Ramfftl / Ranftel / Ranfterl / Ranftl / Ramftl (n.) [raamfdal] / [raamfdl]
das Randerl
[raandal] - als Diminutiv daher "ein kleines Stück, ein kleiner Ramft"

[ahd. rampht, ramft, mhd. rampft neben ranft  = Rand, Rinde] - ablautendes Substantiv zum Verb rimpfan, rimpfen = schrumpfen

1. kleine Brotschnitte (wie Scherzl), Rinde von einem Gebäck, Brot oder Kuchen , Kanten (mehr)

2. Saum am Kleid, Einfassung

"anramftln" (orampftln, oranftln)" [ã-ramftln], [ã-ranftln] -
1. den Rand abrufen;
2. etwas (an-)streifen, berühren, touchieren, z.B. "das Auto anramftln" sfiorare, toccare appena, rasentare

Ranggal [raŋgal] / Ragge [ragge]  

(mehr)

Reankn / Rankerl

(mehr)


Buckel
[buggal]
(mehr)

 

(siehe auch "ein bißchen" oder "ein wenig")

ansehen, anmerken

ankennen

ahd. kennen (bikennen, irkennen, bekennen, erkennen), mhd. kennen = wissen, gehört oder gesehen haben; deutlich sehen, wahrnehmen, unterscheiden

 

z.B. jemandem etwas ansehen/anmerken (d.h. an jemandem/einer Sache etwas feststellen, spüren)

"Er lässt sich seinen Ärger nicht ankennen"

"Man darf mir nicht ankennen, wie aufgeregt ich bin!"

"Man hot eahm ned gleich okennt, daß ea a gscheita Mõ is."

Anwohner

Anrainer

(von rain (Vb.) = angrenzen; mhd. reinen;

Rain (m.) = unbebauter Grasstreifen als Ackergrenze, begrenzende Bodenerhöhung,
ahd. rein, mhd. rein (Vgl. reinkurni ‘Korn’, reinifano ‘Rainfarn, Heilkraut’)

Verb. intransitiv, mit den rainen an einander stoßen, bezüglich der Felder und Grundstücke, grenzen)

Appetit machen, locken

anweigen [ooweiη] (mehr)

ärgern, Ärger machen

feigeln, fuchsen, hunzen, magerln,

rollen, schwanzen, sekkieren, tratzen, zwiefeln

camurria - bih, che camurria! - scocciatura

ausflippen, ausrasten, durchdrehen, überschnappen

in d Froas foin (mehr)

sich ausruhen

sich ausrasten

mhd. rast(e) = Ruhe, Rast
Vermutlich abgeleitet von einem Wegmaß, daher Zeitraum, Meile

ahd. und gotisch rasta

Auszubildende(r)

Azubi, Azubin

Stift

Lehrling, Lehrbub [leabua], Lehrbursch [leabuasch], Lehrdirndl [leadeandl]

(Lehre - (f.) ‘Belehrung, Unterweisung, Lehrmeinung, wissenschaftliches System, Ausbildungszeit’. [Etymologie aus westgermanischem Substantiv, ahd. lēra, mhd. lēre]

Geselle [gsell, gseij] (nach der  Lehrabschlussprüfung)

[Geselle (m.) ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’,
ahd. gisello, kasello, ‘Saal-, Hausgenosse, Freund’, mhd. geselle;
auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’ (mehr)]

Baby

Båschz, Buzerl, Butzerl (und ein Butzlwar ist ein liebevoller Ausdruck für eine Gruppe von Kindern),
das Bamberl / Pamperl, der Bambs, die Bambsen,
(mehr),
 Datl, d Kloa, Poppei, Putzei, Wuzei
(Kleinkinder), Zwergerl, Zwutschkerl

(siehe auch Kinder)

babysitten

kindsn, die Kinder hüten [Kina hiatn]

(die) Backe

die Wange, der Backen

[Wange, ahd. wange (Herkunft unklar)]

[ahd. pacho,  späterbacko  kinnibahho = Kinnbacken; mhd. backe]
[vgl. lat. bucca = 1. Anatomie (klassisch lateinisch): der Backen, die Wange
2. Anatomie (mittellateinisch, Ital. la bocca): der Mund, das Maul]

 

Vgl. die Backe (f.) = Gesäßhälfte, nur noch in Hinter-, Sitz-, Arschbacke; z.B. Arschbacke [oarschbackn]
Ahd. bah (‘Rücken’) als abgeleitet von ahd. bahho (m.) ‘Rücken, Schinken, Speckseite’,
mhd. bache (m.)

bekleben

affichieren (mehr), ankleben,

anschlagen (ahd. abaslahan ‘abhauen, abschneiden’ (10. Jh.), mhd. abeslahen - etwas befestigen, z.B. eine Holzleiste oder ein Brett wird 'angeschlagen'),

kleben (ahd. klebēn, anaklebēn), mhd. kleben ‘kleben, heften, festsitzen’)

kleiben (‘kleben, kleistern, mit Lehm ausfüllen’, ahd. mhd. kleiben ‘anhaften, befestigen’,
eigentl. ‘anhaften, kleben machen’),

plakatieren (Vgl. Plakat: mit Ausstoßung des aus franz. 'r' entlehnten placard, das vom nd. plakken (anheften, aufkleben) gebildet ist),

bappen [babbm], pappen [pabbm] (kleistern, kleben’ aus lat. pappāre ‘essen’),

pechen, pecken, picken, verpichen (mit Pech befestigen;ahd. pëh, pëch, bëh, mhd. bëch und pëch - aus der Fichte und andern Nadelhölzern gewonnene, dick eingesottene und geläuterte Harz)

Das Pickerl, wie das Autopickerl (Vignette) ist ein Aufkleber, der gepickt, aufpickt oder onipickt wird auf die Fensterscheibe.

Andere Worte für Pickerl sind Babberl bzw. Papperl (von babben) oder Wappler bzw. Wapperl.

Und der schiache Pickel im Gesicht, also die Hautpustel oder der Mitesser (Acne vulgaris), heißt auf Bairich Wimmerl, Aißlein oder Seurlein  (mehr).

bekleckern, besudeln, beschmutzen, klecksen, sabbern, schlabbern

obatzen, odredern, påtzn

ogschdriaggln (oogschdriaggld), oschledan,

anzetten / åzetten  [ɔzettan] - antrenzen

bsaligen [bsaaligan] aus Ahd. sal, salwes = Schmutz

drenzn (trenzen, antrenzen, otrenzn) (mehr)

schlöttern [schledan, schläidan]

schlutten [schluattn]

tritscheln [dritschln] (mehr)

triedern [driadan, dräidan, drädan, dredan],

(Z.B. schimpft die Mutter den Buben, weil er den ganzen Teppich „derdredert“, d. h. verunreinigt, besudelt hat.)

trieln [drialn],

bequem, angenehm

grübig [griabig] (mehr)

 gschmoh [gschmoch], [gschmɔ] (mehr)

zünftig [zinfti] (mehr)

kommod (im 18. Jh. entlehnt aus französisch commode, das wiederum auf lateinisch commodus ‘entsprechend, zweckmäßig, bequem’ - eigentlich ‘mit, nach Maß’, zu lat. modus ‘Maß’ - zurückgeht.

bereden, besprechen, diskutieren

(vgl. sprechen)

(siehe plaudern)

bescheuert, blöde (mehr)

blöd [bled], antritschgert [auntritschgat], deppert [deppat]

(Steigerungen: brunzbled, saubled, mordsdeppert etc.)

betrügen, beschwindeln

ausschmieren
bedageln / betaggln, betackön / betackeln
bscheißn
blitzn
einlegen
jemanden übers Ohr hauen
mankln
pratzln (bratzln)
prellen
schlengen
ummèhé(b) / umihebm
überluxln
vaschaukln

(Vergleich tricksen)

bißchen, wenig

(tanticchia, anticcia, pochino, un po, da picca, un tantino)

bisserl [bissal] bissai [bissai]  - ein Bißlein (kleiner Biß)

Bröckl, Bröckerl [breggbal] - ein kleiner Brocken

euzerl [eudsal]  - ein Stückchen, eine kleine Menge von etwas, ein (klein-) wenig, ein bißchen

"’I bleibat no an wengerl sitzn, trinkat no a Schluckerl Wein und essat woascheinlich no a Trumm Schnitzl mit an Euzerl Erdäpfelsalat."

Scheibl, Scheiberl [scheibal] - eine kleine Scheibe

Stückl, Stückerl [stickal] - ein kleines Stück

weng [weη] wengerl [weηal] wengai [weηai] - ein klein wenig

(siehe auch "ein großes Stück") und
(siehe auch "Eichterl, Boisei, Randl, stürmerl " (kurze Weile, kurze Zeitspanne))

bitter, scharf

hantig [hanti]
rass / raß

bloß, nur

gnetta / netta (mehr)

"Des kost netta fuchzg Cent" = "Das kostet nur fünfzig Cent"

Heirat´ netta nia an Jaga -
hat ihr d´Muatta friahra gsagt,
weil der Kunt grad seine Gwehra
durin Wald ins Wirtshaus tragt!
Aus dem Gedicht "Heirat´ netta nia an Jaga!" von Pöllmann Renate

 

lai, lei (mehr)

bitte schön

sengs Gott [gsengsgod]

(als Antwort auf vagelts Gott)

Bottich

(großes rundes Holzgefäß’, ahd. botega ‘großes Faß für Wein, Bier, Gemüse’,
mhd. botech(e)
)

Boding,

Eimer (Kübel mit nur einem Tragegriff. Entlehnung aus lateinisch amphora, dies aus griechisch amphi-phoreús, (Griech. „phórein“ = ‚tragen‘ ) womit ein an beiden Seiten („amphi-“) zu tragender Krug bezeichnet wurde),

Faß (ahd. faʒ (8. Jh.), mhd. vaʒ ‘Gefäß, Behältnis, Schrein, Gerät’),

, Kübel (Kiwi), Pitschn,

Schaffel / Schaffl (Demintiv zu schaff - rundes, hölzernes Gefäß, Kübel),

Söchta, Strutzn,

Zuber (Zuwi)  (Kübel mit zwei Henkel. Ahd. zwipar, zwibar, zubar mhd. zūber, zuber, zuober, zwuber “. Kompositionsglied „-ber, -bar“ gehört zu ahd. „beran“ = ‚tragen, hervorbringen)

Bündel, Pack

Binkl / Binkal (mehr),

Riedel (auch Hügel)

danke schön

vagelts Gott [vàgäidsgod]/[vagöitsgod] oder [gäidsgod]

dann, nachher, also

åft [ɔft], [ɔftad] (mehr)

vom mhd. aft(en); ahd. aftan = hernach

denken, nachdenken, sinnieren

roatn (mehr), spekulieren (mehr)

doof blöde

(‘mitteldeutsch, berlinerisch 'geistig beschränkt, dumm, langweilig, uninteressant, aus Mnd. dōf, nd.  doof  Entsprechung von hd. taub)

 

blöd (ohne Schluss-e), (bairisch: bleed) (mehr)
 (‘dumm, schwachsinnig’, ahd. blōdi ‘träge, furchtsam, körperlich schwach’,
mhd. blœde ‘gebrechlich, zart, zaghaft’)
z.B. „a bleeda Mensch“
,
„a bleede Idee“, „a saubleede Lage“, „dua ned so bleed daherreden“

einen Deal machen

ausschnopsen
 (etwas vereinbaren, abmachen; von „Schnapsen“ einem Kartenspiel)
„Wos hobst denn ausgschnopst?“

Dummkopf

Depp (auch Tepp) (m.) - (ein schwerfälliger, ungeschickter, einfältiger Mensch, Tölpel, einer der deppert ist. Aus tappen - 'plump auftreten oder gehen, ungeschickt, unbeholfen, tastend gehen und umherfühlen’, abgeleitet von Tappe  ‘Pfote, Tatze, deren Spur im Boden’)

Dotsch [doodsch] (eine unbehilfliche, ungeschickte Person; ein fetter Mensch, laut Schmeller auch Totsch ein dummer, plumper Kerl. Siehe  datschen)
Halawachl, Happadidl
(Happal - schwache Person, unbeholfenes Kind),
Heamp
(Dummkopf, derber Kerl)

pfloatschad (unbeholfen)

Durcheinander, Chaos, Wirrwar, Gewürge, Drunter und drüben

Ballawatsch / Pallawatsch

Charivari

Drahdiwaberl

Gfrett

Gwirks

Hudriwudri

ois durianona

Ramasuri / Remasuri

Tritschtratsch

eilig / sich eilen

dråwig / tråwig (mehr)
gneadig
bzw. gnedig (mehr)
schleinig
(mehr)
schlauna
husig / husi
(mehr)
tummeln/tummön

etliche, einige

etla, etli, etlani, epanad  (vgl. ella und erla),
netla, a netla
Vgl. gnetta / netta (mehr)

õã (z.B. õã Leid = einige Leute)

erschrocken

dakemma (von derkommen)

fest

fix

flirten

spenzln

frech, vorlaut

gschnappig [gschnabbig], gfotzert [gfoddsad],
 goschert 
[goschsad]

Freund

(siehe Seite "Freund auf Bairisch")

Friedhof

Freithof (mhd. frîthof = "gefreiter Platz",
von ahd. frtten = einhegen, umfrieden, schonen),
d.h.  ein eingefriedeter Vorhof einer Kirche

Gottesacker

geil sein, lüstern

amerig, angradig, anhabig oder anlassig sein,
Blang, boazig
(von 'beizen'), glangrig sein,

dampfig sein, gamarig,

gamsig sein (wie eine Gams), glimmig,

behrat / berad, ranzig

Gesundheit!

helf Gott! [häifgod] helf Dir Gott! [häifdagod]
(wenn einer geniest hat)

Antwort darauf „Sengs God!”

Gewitter, Unwetter, Sturm; (gutes oder schlechtes) Wetter

ein Wetter (mehr)

glitschig / spiegelglatt

hai (hei, häu, häul, heiö) (mehr)

geizig; Geizhals

ruachig, an Ruach haben; ruachln,

Siach / Siachleng(t) (Geizhals, Ausbeuter, ein besitz-, hab- u. geldgieriger Mensch) z.B. siachische, so a Siach

geworfen

(sich werfen)

draat (dràhn), gworfa (weafan), gstraaht (straan),
 baut
(bauan), gschlenzt (schlenzen),
highaut
(hĩhauen), zrissn (zerreißen),
körbet (körbeln), gschleidert (schleidern),
gschmissen
(schmeißen), gstrullert (strullern),
gstaangelt
(gstàngelt), gschlenzt (schlenzen), einen Stern reißen
- (siehe auch Kolumne „Maßgeschneidert” vom Herbert Schneider zum Thema im Münchner Merkur)

Göre

(ungezogenes Kind)

Frazn / Frozn, Flenntaschn (häufig weinendes Kind),
Fanggerl, Fankerl
(lebhaftes Kind; Teufelchen, Poltergeist;
auch Funke; Schneeflocke)

Gankel (kleiner Teufel, Lausbub) - (mehr)

Grast (derb)
 Gschropp
(kleines Kind, verächtlich)

Heenalempan (weinerliches Kind)

(siehe auch Kind und Kinder)

Griesgram, Miesepeter, Sauertopf, Nieselpriem

Gachgiftiger (mehr)

Granthauer, der Grantler / die Grantlerin, der Grantscherben (mehr)

Raunzer (mehr)

Suderant; jemand, der gern sudert (mehr)

Surm  (mehr)

Zwiderwurzn

Hagel

 

(siehe auch Wetter)

Hagel / Hageln [hɔɔgln]

baißeln [boassln]

prealn [prealn] (Kainachtal)

schauern [schauan]

schäuern [schaian]

riseln [riisln]

schlossen [schlossn

stoandeln [schdoandln] "steindeln"

 

Graupeln [graubben]

aprilen [ɔɔbrεin

riseln [riisln]

schneebaißeln [schnεεboassln]

schneiberl [schneibal] - leichter Schneefall

Heimweh

hoamalantn, Zeitlang haben

Hemd

Pfoad (mehr)
Hemad
(mehr)

hör mal zu
(mehr über das Unwort "mal")

zuhören, hinhören, horchen

losen, lusen (mehr)

loos amal zua ("loos du amoi zua!")

loost’s amoi zua ("loost ös amoi zua!")

huckepack tragen

buckelkraxen

Rückengestell vgl. buckelkraxen (huckepack)

Als Buckelkraxe bezeichnet man im Alpenraum einen "Rückentrage". Es handelt sich um eine Zusammensetzung aus Buckel (Rücken) und Kraxe (Traggestell).

Eine Kraxe oder Kraxn ist auch ein altersschwaches Auto, Schrotthaufen auf Rädern, wird verächtlich auch allgemein auf Autos angewandt. "Mit dera Kraxn kummst nie nach Minga"

Hügel

 

(‘Bodenerhebung, aufgeschütteter Erdhaufen’,
frühnhd.
Hugel , zu ahd. houg, mhd. houc ‘Hügel’ und ist verwandt mit hoch,

'Hügel' erlangt erst durch Luther gegen obd. Bühel literatursprachliche Geltung.)

Bichel, Bichl (mehr),

Buckl, Bugl,

Heach (mehr), Hechtl (mehr),

Mugl (mehr)

Imbiss, Snack, Happen, Pausenbrot, Zwischenmahlzeit

 

 Imbiss, etymologisch aus dem Althochdeutschen imbizan = „entbeißen“ bzw. „essen“

Brotzeit  - ‘kleinere Zwischenmahlzeit

Elefe - ‘11-Uhr-Jause' (vor allem im Salzkammergut’
(aus 'elf' - ahd. einlif, mhd. einlif, einlef, eilif, eilef, eilf)

Imbiss - ‘kleinere Mahlzeit außerhalb der üblichen Essenszeiten’,
ahd. inbīӡ , imbīӡ, impīӡ  (9. Jh.), mhd. imbīӡ , inbīӡ = ‘Speise, Essen, Mahlzeit, Stärkung’

Jause -  'kleine Zwischenmahlzeit', aus dem Slowenischen južina (Mittagessen) bzw.
mala južina
(Zwischenmahlzeit). Verb jausnen oder jausen

Neuner (z'Nüni) - ‘zweites Frühstück, Vormittagsjause’,
in Vorarlberg (sowie in Südwestdeutschland und der Schweiz) neben  = "zu neune", d.h. um 9 Uhr

Zvieri - ‘Nachmittagsjause’, in Vorarlberg (sowie in Südwestdeutschland und der Schweiz) neben 
= "zu viere", d.h. um 16 Uhr

Marend, Marende -  aus mittellateinisch merenda (ital. merenda)
= nachmittägliche Zwischenmahlzeit. Jause/Brotzeit (vor allem in Südtirol)

Vesper - ‘kleinere Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder frühen Abend’
(
ursprünglich auf den frühen Abend fallendes, später bereits für den Nachmittag vorgeschriebenes kanonisches Gebetsopfer.
 Ahd. vespera, mhd. vesper = ‘vorletzte kanonische Stunde’
)

I-Tüpfelchen, Tüpfelchen auf dem i; Sahnehäubchen

(im Sinne von "Krönung einer Leistung",
"das letzte was fehlt")

I-Tipferl

Schlagobersgupf, Schlagrahmgupf

irgendwo

anouschd oder anort (an einem Ort, irgendwo)

Jauche oder Gülle

Hüling, Hilling (mhd. hüll(we) = Pfütze, Lache) - [Hiileŋ]

Mistsühling - [Missiŋ] oder [Missliŋ]

Odel / Adel (mhd. atel = Morast, schlammiges Wasser) - [oodl], [åådl]

Sühling - [Sii-iŋ] oder [Siileŋ]

Suling / Suling - [Sui-iŋ] oder [Suuleŋ]

Seu (mhd. sûr) - [Suur] / [Suar], [Sui], [Surm]

Suppn  - [Subbm]

Zogga  - [Zogga] - (Südtirol)

(sehr) kalt

zahnig, zapfig, huschi-kalt, sau kalt

brenn kalt (vgl. brenn heiß oder brenn rot)

die bummerische Kältn (klirrend halt)

griesgramen, gritzgramen (ahd. grisgramôn = mit den Zähnen knirschen)

friasn, fräisn, froisn, fruisan (ahd. friosan, friusan = frieren)

kapieren
[aus lateinisch
capere -begreifen, fassen, ergreifen]

schnallen, fressen

gneißn, kneißen

schnoizn, spannen
übernosern / übanosan
[iwanosan]

überreißen [iwareissn]

überringeln [iwaringaln]
 
„Iaz hab i's gneißt / gschnoitz / übernosert!”

Zehnerl foin låssn

Kind

und

Kinder (und nicht Kids)

[picciriddu, picciliddu, picciridda, piccilidda, picciottu, picciotta]

der Bambs / Bams / Baums (Pl. d Bamsen)
das Bamberl
der Bamperletzsch / Baumpalädsch / Bamperletsch
(Pl. d Bamperletsche)

Bauxerl, Buzerl,

Buam (Pl. Buam oder Buama) und
Madln (
nicht "Mädels"!)

Datl

der Gschråpp [da gschrɔpp]; Pl. die Gschråppm [d gschrɔppm]  - Kind; kleiner Mensch, kleiner Kerl

das Haschal [das haschal]; die Haschaln [d haschaln]

  - armer, bemitleidenswerter Mensch, besonders ein Kind oder ein unselbstständiges Mädchen

(von hatschn/hatschen - ursp. gleiten, rutschen, streicheln, schlendern, lässig gehen; hinken; einen weiten, mühseligen Fußmarsch machen) Quelle: Maritschnik

Kinna [g kinna] / Kinner [g kinna]

d Kloan ("die  Kleinen") [g glõãn] [g klõãn] [g kchlõãn]

Lappperl [labbal] - Kleines Kind

Wuzerl / Wuzei (Kleinkinder) (Pl. Wuzerln),

Schlitta oder Gschlitta,

Voika, Zwergl,

Zwutschkerl / Zwutschkerl

Kiste

Steige (mehr) - z.B. für Obst,

Tragl - Z.B. für Bier (Verkleinerung von von 'Trage')

Kissen

Polster (mehr)

klar (beim Wetter)

schbiaglhoada (spiegel-heiter)

klauen, etwas mitgehen lassen, fledern,
mopsen
(von niederländisch moppen = murren, mürrisch sein),
striezen

(im Sinnen von etwas mitgehen lassen bzw. stehlen:
stehlen: seit 8. Jahrhundert belegt, ahd. stelan)
abstauben, hinunter-, abhinbiegen
[owibiang], [nunterbiang],
dààchln/dààchen
[daachln], [daachan] (von Daachl = Dohle)
 dàmisch hauen
[damisch haun]
datschen, dàtschen
[dadschn], ditschen [didschn]

druckn [druckn]
fladern
[fladan] (wie fledern geht zurück auf rotwelsche "fleddern"; ursprüngliche Bedeutung: waschen = auf die im Wind flatternde Wäsche bezogen; dann verhüllend für: herrenlose Sache stehlen)
klatzn [kladsn], [khladsn] - stibitzen, stehlen. Jemand, dem "leicht etwas an den Fingern hängen bleibt", ist ein Klatzer oder eine Klatzerin

kràmpfeln [krampfeln]m [grampfeln]

stibitzen [stibidsan] (aus mhd. stiezen = stoßen)
zwickn
[dswickn]

 

(in der Bedeutung ,Kleinigkeiten wie Platzl auf listige Weise an sich bringen):
 gripsen, mausen, stibitzen

einen Knall haben
oder

bescheuert sein

statt „Der hat einen Knall”:

„Dea (oda die) håt..”

...an Depscha (=Delle)

...an Hib (=Hieb)

...an Huscha (Huscher) (verhuscht sein) [Ableitung aus huschen (Vb.) ‘sich schnell und lautlos fortbewegen, flüchtig dahingleiten’]

...an Pecka (Stoß, Schlag)

...an Poscha (Klatschender Laut)

...an Klopfn oda an Duscha (lauter Schall, Knall)

kritisieren, bemängeln

 meutan (schimpfen), motschkan, zahnan, ochötzen, greanggln,

greinen [greina] (mehr)

Kurve, Kehre

(lateinisch curva līnea = ‘gekrümmte Linie’;

von Adj. lat. curvus ‘krumm, gebogen, gewölbt’)

der Rank (m.), Mehrzahl die Renk (Pl.)

(Laut Grimm war das Wort im ahd. nicht nachgewiesen und erst im späteren mhd. erscheinend)
(Wendung, Krümmung
; z.B. eines Weges, einer Gasse, eines Flusses)

 

Reibe [reim] (von Verb 'reiben', ahd. rīban, mhd. rīben = 'drehen, hin und her bewegen’) -

Drehung, Wendung; die Abweichung eines Weges, einer Gasse, eines Flusses, Berges von der geraden Richtung, Wendung im Fahren

Scheibe [scheim] (mehr)

Landhausmode

Gamshuaberlgschnas
(Touristenkonfektion bzw. Tracht von der Stange - siehe auch Gwand)

langweilig

 fâd, lätschert, lob / låb, trietschert, o'gschmooch ('abgeschmeckt')

Lärm, Krach

Gflöda (Gezeter), Gsteam, Gstama

lecker

(mehr)

deliziös, köstlich, fein, gustiös, naschhaft, genäschig,

gut [guad], geschmackig [gschmackig], gnaschi [gnaschi],
lukullisch
(‘üppig, schwelgerisch und erlesen’),
sukkulent
 (ital. succulento = köstlich, aus succo = Saft (di frutta);
Anatomie: Saft, Sekret, Flüssigkeit; bildlich: Kern, Gehalt)

Leckerbissen

 Gustostück, Gustostückl / Gustostückerl
1. ein besonders gutes, feines Stück;
2. etwas Besonderes, ein Höhepunkt;

von [ital. gusto, gustare (Geschmack, schmecken),
diese zu lat. gustus, gustare = Geschmack, kosten

 

Vgl. gustieren, (Verb) - 'kosten, an etwas Geschmack finden' und Guster (m.) - 'der Geschmack'

ledig

oaspânni, oarschichtig / oaschichtig

leeres Gerede, „Vielredner

brachten (viel reden, schätzen, auch das Brabbeln eines Kleinkinds)

Brezetta (Vielredner), brezettan (viel reden),
Dampfbladera,
Blefdarach resp. Blefdarer
(von „blefdan“ = viel reden),
Geschwaflad, Gesudarat, Gwascht,
schwofeln,
Laaschatzer / Laaschatza
(Laasschatzer, Laarschatzer, Leerschatzer) [laaschaddsa] -
(mehr unter Schatzen),
Modlat / Gmodlat

links

deng / denk, teng / tenk (mhd. tenk ggf. aus germanisch pankuz)

linkshändig oder ungeschickt heißt deshalb tengasch / tenkisch

Liebhaber

Geselle [gsell, gsäij] (mehr)

Gspusi (mehr)

Kunt (mhd. kund = befreundet, bekannt), Kunterling (mehr)

Tschamstara/Gschamstara (mehr)

Matschakerl

loben, preisen

geina / geuna (mehr)

etwas locker schaffen
 (im Sinne von mühelos)

dant (mehr)

Mädels, Mädchen

Mädl/Mädel, Madl/Madel, Madei (Mehrzahl: die Mädeln, Madeln)

Dearndl, Dirndl, Dirndei; (Mehrzahl: die Dearndln, Dirndln)

Mötz (Pinzgau, Pongau; Mehrzahl: die Mötzn)

manches

adiam (diam), adiam oa

manchmal

adiamoi (adiam amåi), a diam;
iawarmoi, iawö, iawön,
himmram
ål

Maulwurf

Scher (mehr)

eine Menge, ein Haufen

Batzen, Batzl, Batzerl (mehr)

Binkl (mehr)

Hudl (mehr)

Trumm (mehr)

die meisten

mehran ("die Mehreren")

meckern, jammern, brummeln, nörgeln,

stänkern, maulen

bemsen

benzn (benzen, penzen) [benddsn]

grantln

greanggln

jeian (jeiern)

knaungatzn

megatzn

mentern

mosern

quengeln

quigizzn

 raunzen

sempern

sudern 

sumsn (dahinjammern, oft ohne rechten Grund, auch Betteln oder Bitten)

 tschentschen

Meerrettich

Kren

mickrig
(schmächtig, mager, unansehnlich)

wieslharig [wieslhaarig] (wie das Haar von dem Wiesel)

sperbradig [speabraadig]
(vgl. sper + bradig)
dürrlochert
(mit knochigem Loch = Gesäß)
hoalous
(heillos oder haarlos ausgestattet)

Pàmperl-, Bemperl- (klein, minderwertig, verachtenswert, kläglich, ärmlich)

zofichtig [dsofichtig]

möglicherweise

aménd

nett

bagschierlich, butzig

danschig, gschafti

goldig [goidig]

 gschmoh, gschtiascht, gspezig

liab ('lieb')

kremp (lungauerisch) - "nett, angenehm"

zeam

Neunmalklug, Besserwisser

siebengescheit [siemgscheid]

gscheitmeierisch, Gscheiterl, Gescheitling Gscheiderl, Gscheidling, Gscheithaferl

Ohrfeige,

Maulschellen, Backpfeifen, Backenstreiche, Backs, Faunz, jemanden schlagen

einem ...
eine schmieren,
(he)runterhauen
[obahaun], (hi)nei(n)hauen [einihaun], [neihaun],

ihm eine(n) Dachtel, Flåschn, Fotze(n), Klescher, Schelle(n), Tschinelle, Watsche(n)
geben

timbulata, timpulata, cazzotto, schiaffo

Über einen einzigen Schlag hinaus geht:

 abfotzen, herfotzen, wàssern, durchlassen
„’s Looch herghaut“, Scheitelknien
[scheidlgnia]

 

Die Schläge [Schleg], Driesch [driisch], Arschprügel [oarschprigl], Strixen [schrixn] oder Wichs [wixs] wird meist nicht mit der blanken Hand verabreicht, sondern empfindlicher gemacht durch Einsatz von Stock, Kochlöffel oder einem Pracker (Teppichklopfer)

Petze

Britschn, Britschhaferl, Verklaghaferl

pflücken, ernten

brocken (brockn / brouckn) (obrocka = gepflückt) (mehr)

Pflückobst wird gebrockt, Fallobst hingegen wird geklaubt (mehr)

praktisch

gfiahrig, bagschierli, gwandd

Pfütze

Latschn, Lachen/Lacha (Wåssalacha), Lackei

Pulle

Flasche, Flaschl, Flascherl

quasseln, redselig sein, blubbern, klatschen, klatschen, plaudern, schwätzen, sabbeln, klönen

blefdan viel reden, meist sinnloses Zeug

blodern haltlos viel reden, wie ein murmelnder, geschwätziger Bach vom rauschenden Gewässer (sieh Blodan und blodern)
brachtn / prachtn
(von mhd. brachten: lärmen) tratschen, schwätzen, unsinniges reden, prahlen (mehr)
('ins Brachtln kommen' = ins Plaudern kommen)

dischkriern diskutieren

fasln daherreden; auch 'herumhupfen'

foafln Unsinn schwätzen (sprachlich verwandt mit den Foafln, eingetropften Mehlklumpen in der Farfelsuppe)

gschatzig sein (Geschatzad / Gschatzad = Gerede, Plauderei)
 vgl. schatzn

ein Gschwaflad/Gsudarat/Gwascht reden

gschmatzig

hoagaschdn (gemütlich plaudern, vom Gespräch im Heimgarten, wo in früheren Zeiten der neueste Ratsch ausgetauscht wurde)

keppeln tratschn, ratschn

lari fari leeres Zeug, Schmäh, Gerede

Ein Modlat reden dummes Gerede
plauschen (sich gemütlich unterhalten über Allerei; schwatzen, Unsinn reden; milder Ausdruck für lügen )

prefln / prezedan / pretzln (schwafeln, schätzen)

quargln/gwargln (Quargel = Käse, Quarglsturz=Käseglocke, Quargltreda=Schweißfüße)

ratschn/ratschen (schnell reden / viel reden; harmloser Plausch, Klatsch) [mhd. ratzen = rasseln, klappern; mhd. retschen = die Ratsche drehen]

Schmäh führen [schmää fian] - reden, plaudern‘

schmatzen [schmadsn] - reden, plaudern‘ (Substantiv „der Schmaz[schmads] (Geschwätz, leeres Gerede).

(schmatzen mit hellem „à“, nicht zu verwechseln mit schmåtzen [schmɔdsn] (‚küssen‘ oder ‚geräuschvoll essen‘) mit  dunklem „å“)

 

schwådan, schwåfln/schwofeln, schwanan faseln, leeres Zeug reden, einen Rede- oder Wasserschwall loslassen

Ein Schwodara  [schwɔdara] gibt unaufhörlich Schwodaweach [schwɔdaweach] (unnützes Gerede) von sich.

Tant [tant], [tant] - (mhd. tant = leeres Geschwätz) leeres Geschwätz, Possen, wertloses Zeug

tratschn / tratschen

treafln [dreafln], triefeln, driefeln  -  "trefeln", "trifin", "drifin" = plaudern, schwatzen (mehr)
('ins Trifin kommen' = ins Plaudern kommen)  

Trüfler [drifla] ein gepflegter Tratsch. Man trifft sich z.B. mit Freunden untern am See "auf einen Trüfler" (beim trüfön). Ein "Trüfülant" ist eine gesprächige, mitteilungsbedürfige weibliche Person.  (mehr)

Rasen

Wasen (mehr)

rauh, spitzig, stechend

wax / wass / wachs

(Substantiv)

der Regen

(da Reng)

[(h)rεεn] oder [reeŋ)]

 

 

 

(Verb)

zu regnen

(z renga)

[(h)rεŋa]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe auch Lerngang - Sturm-Regen-Wetter auf Bairisch

 

Nicht nur das Wetter allgemein sondern auch das Gewitter wird mundartlich Wetter ([weeda] oder [wεεda]) genannt.

Es wird durch Wetterleuchten [weedalaichdn], auch himmezen [himmedsn] oder himmelkühlen [himmekia-en] bzw. 'Himmel abkühlen' [himme okian]) oder Wedableggitzn angekündigt. Das Blitzen [bliddsn] heißt Himmezen (oder Himmelitzen), das Donnern wird als [doachdn] bezeichnet.

Für die feinen Abstufen von Regen gibt's einen ausgeprägten Wortschatz:

leichter, sanfter Regen

drepfeln, drippeln (tröpfeln) (ganz leichter, sanfter Regen)

fisln, fiseln (kleinweise regnen oder schneien)

griasln (tröpfeln, leicht regnen oder schneien) - mhd. riselen, abgeleitet von risen = steigen, fallen

nassln (Nässe absondern, ganz leicht regnen, Niedergehen von Nebeltröpfeln)

(siehe auch „netzn“)

nieseln oder neiseln (ganz leicht regnen, nächste Stufe v. nassln)

nebeln [nεεwen] oder nebelreißen [nεεweraissn] (ganz feiner Regen)

trealn (zu tröpfeln, fein zu regnen beginnen)

 

mittelstarker Regen

prasseln (ausdauernder, nicht allzu heftiger Regen)

es gießt wie mit Schaffeln (in Strömen)

 

heftiger Regen

Blesch(er) [blescha-a]  (plötzlich heftiger Regenguß)

brezln (prasseln bzw. tropfen, in Strömen regnen)

brunzen (vgl. pinkeln)  „es bruntz wie die Sau“

drintawerfen (gleichzeitig regnen und schneien)

dratschn, platschn. Vgl. bleschen, bletschen, platzen)

duschn (stark regnen) „a Duschara“

fetzen ('in Fetzen reißen', d.h. sehr stark regnen oder in großen Flocken schneien) - siehe Fetzen

flatschn - (flatschen: stark regnen, platschen, plätschen, fletschern)

flessln (stark regnen) „heut flesslts owa“

gießen [giassn], [gäissn], [goissn], [guissn]    (starker Regenfall, wie aus einer Gießkanne)

kibeln / kübeln (sehr heftiger Regen, bei dem bildlich Kübel geleert werden)

Kittlwascher / Kittlwascha (plötzlich heftiger Regenguß)

pladdern, pledan (wie herunterprasseln, 'es regnet, daß es pladdert!')  - pleddern: plätschern, platschen

plaschln, pleschn (pleschen: etwas bleschen, d.h. schlagen)

platscheln, plätschern (gleichmäßiges Glucksen des fließendes Wassers - intransitiv zu platschen)

sedan (stark regnen)

a Sedara  (ist ein Regenguß)

schledan (Salzkammergut) - (schledern: im Wasser hin und herschwenken, z.B. die Wäsche. Nebenform zu schlottern, schlodern, schludern)

schüttn, schittn, einen Schütterer [schiidara]  (plötzlich heftiger Regenguß)

schledan (stark regnen, verschütten)

schwådan (einen Rede- oder Wasserschwall loslassen)

Spradara (kurzer heftiger Regen)

sudln / sudeln (heftig rinnen, in Strömen regnen)

obaspratzln, obaschwoam (stark regnen, verschütten)

daschln, tatschln „heut tatschlts oba“ (taschen: sich berührend mit tatschen und tasten, klatschend auffallen oder treffen, schlagen, betasten, auch klatschen, schwatzen)

totschn (vielleicht von totschn)

tschapln (heftig regnen)

tschottern (heftig regnen)

Übergangl (kräftiger Regen, der rasch vorübergeht)

waschln (ziemlich heftiger Regen, auch im Wasser plätschern)

Dauerregen

pritschln (ausdauernder nicht allzu heftiger Regen)

soacha (kraftvoller Dauerregen)

seihern (vgl. soacha - endlos dahin regnen)

 

Siehe auch Lerngang - Sturm-Regen-Wetter auf Bairisch

rückwärts, nach rückwärts schreitend

arschlan, arschling

(zu Arsch, mhd. u. ahd. ars = ursprünglich in Bedeutung von Erhebung)

Schmeichler

Siaßhoizraspla (Süßholzraspler)

Siaßling (Süßling)

jemandem das Goder kratzen (siehe Goder / Goderl)

Schnee [schnεε]

 

(der Schnee: (Sust.)
ahd.
snēo, Gen. snēwes, mhd. mnd. snē)

 

zu schneien (Verb) [schnaim]

(ahd. snîwan, mhd snî(w)en)

 

(2 Partizipformen):

1. stark - schnieb, hat geschnieben [gschniim]

2. schwach: schneibte, hat geschneibt [gschnaibbd]

Verb schneiben - Das >b< geht auf althochdeutschen (ahd.) >w< zurück

(snîwen, schneiwen, schnaiwen (daher geschneiwet → [gschnaibbd]) geht auf älteres snûwen für sniuwen zurück)

 

schneiberln - ganz leicht schneien.

 

Partizip Perfekt (statt geschneit): hat geschnieben (stark gebeugt) oder hat schneibt (schwach)

 

 

Siehe auch:

Siehe auch Lerngang - Sturm-Regen-Wetter auf Bairisch

Regen (mehr)

Hagel (mehr)

schaukeln, Schaukel

hutschen bzw. Hutsche

schick, dufte, schnieke

fesch (mehr)

sauber

schnell

fruatig, fruatlings, gach, hurtig,

husig, gschwind, schleinig

schuften, hart arbeiten

 barabern [baraban], buddln, buckeln

hackln (im übertragenen Sinne "hart arbeiten mit einer Hacke" - mehr),

 schöpfen, schintn ("a Schintarei" ist eine mühsame Arbeit),

schinackeln / tschinageln / tschinallen

schnuppe sein ,egal sein gleich sein

(Schnuppe bezeichnet das verkohlte, glühend abstehende Dochtende einer brennenden Kerze, das üblicherweise abgeschnitten wird, damit die Kerze nicht rußt.

 

Die Redewendung „das ist mir schnuppe“  ist entstanden, um etwas als wertlos und gleichgültig (wie ein solches Dochtende) abzutun).

wurst/wurscht sein [wuascht sẽĩ]  ("des is ma wuascht")

Blunzen sein   ("des is ma blunzn", Blunzn = Blutwurst)

am Arsch [oasch] vorbei gehen

buttn sein ( "des is ma buttn" = "das ist mir egal", "einerlei")

ghupft wia ghatscht (gefüpft/gehupft wie gehatscht - "gehopst wie gesprungen")

  auf etwas scheißen (vulgär)  ("i scheiß drauf" - "ich pfeife darauf")

kein Schinierer haben ("i håb koa Scheniera" - "ich schäme mich für nichts, mir ist es egal")

oading sein ( "des is ma oadling" = "das ist mir egal", "einerlei")

mini futto / minni futtu = me ne frego

Schrank [mhd. schranc m. ‘das Schrägsetzen, was einschränkt, Gitter, Einfriedung, Umschließung, Verschränkung, Gestell aus Gitterwerk’]

Schank

[r -lose Nebenform von Schrank]

Spind

[entlehnt aus mlat. spinde, spenda, spenta - ‘Almosengabe an die Armen in den Klöstern, Ausgabe, Gabe’]

 

Kåsten [kɔstn], der, -s; Kästen; Verkleinerung Kastl [kastal]

ahd. chasto, kasto = Behälter, Kasten, mhd. kaste - auch ‘Kornspeicher, Nebengebäude’

 

1. höheres, kastenartiges, mit Türen versehenes Möbelstück, hauptsächlich im Hauswesen, z.B. zur Aufbewahrung von Hausrat (Norddeutsch: 'Schrank')

2. großes, kastenförmiges Gebäude

3. große, stämmige Frau (Umgangssprache, wenig schmeichelhaft)

4. Fernseher, Fernsehapparat - 'Flimmerkasten'

 

Vgl. Bauernkasten (Bauernkåsten) vs. Bauernschrank

Briefkasten (Briefkåsten) / Briefkastl oder Postkasten (Postkåsten) / Postkastl

Hirnkasten (Hiankåsten) / Hirnkastl (Gehirn)

Kleiderkasten (Kleiderkåsten) vs. Kleiderschrank

Nachtkasten (Nåchtkåsten) / Nåchtkastl vs. Nachttisch

Eiskasten (Eiskåsten) vs. Kühlschrank, Eisschrank

Pappkasten, Eisenkasten (für Geld), Steinkasten, Glaskasten etc.

sehr

(siehe Kap. 13 von Bairisch gredt) oder Kapitel "Adverb" von Bairische Grammatik) und Merkle

arg, brenn, enz, ereg,  fürchtig, ganz

grimmig, haftig, hübsch (hibbsch)

machtig [machti] (mächtig)

 mentschan / mentschern / menddisch  / mentrisch

narrisch nutz, recht, örig

sakrisch / saggarisch / sàggrisch

sauber [sauwa]

selten, unbandig

sodl

upoasch/ uboasch/ubascht

woita/woidan

seltsam, besonders

gleng (mehr)

hras, ra, rar (mehr)

Single (engl.)

Oarschichtiger/Oaschichtiga

 Oaspânniga

oniweib / onimo

spalten

klieben (mehr), kletzen, spreißln

Spaß, (aus ital. spasso, deshalb mit kurzem a [spass])
Ablenkung, Belustigung, Kurzweil, Vergnügen, Zeitvertreib, Zerstreuung

Gaudi (mehr), Gspass, Hetz (mehr)

spicken, spähen

(z.B., Unterschleif bei Prüfungen)

luren, spechten, spitzen
 abbleuen ('oblain)
- Veraltet für abschauen, abschreiben, kopieren -

vgl. hochsprachlich abkupfern, womit ursprünglich ’einen Kupferstich vervielfältigen‘ gemeint war

spotten, bespötteln, veräppeln, verspotten

brocken, dableckn, pflanzn, feanzln/feanzn, häkln, heanzn, obleamen, lappetzen

sprechen

 

(vgl. bereden)

reden
(Abweichend von der Hochsprache sind reden und sprechen im Bairischen keine Synonyme. Laut Schmeller gilt: „Sprechen hat im Munde des Volkes fast durchgängig den Nebensinn des Großsprechens, affektierten Sprechens, indem für gewöhnlich das Verb reden vorgezogen wird.“ Für ‚sich mündlich äußern‘ verwendet man fast ausschließlich reden.)

sam godika, sam guadika, sam goka
(mehr)

süß

(lieb)

(das Gegenteil von süß ist sauer - und süß ist aménd eine Zuckerwatte, niemals aber ein Kind, ein Madl oder eine Sache)

butzig, danschig, goldig [goidig]

gschmoh, gschtiascht,  liab, zeam

stehlen, entwenden

fladan / fleddern / fladern

grabsn, krampfln

stassn, sabralisirn

stochern

stieren, herumstieren, stierln

Stufe

ahd. stuofa, mhd. stuofe, germ. *stōpō  - ‘Stufe, Schritt, Grad’,

‘waagerechte Trittfläche’ (und Teil einer Treppe)

Staffel (f. und m.) (bair. Staffe)

ahd. staffal  'Fußgestell, Sockel’;
mhd. stapfel, staffel ‘Stufe, Grad’ - Stufe, Leitersprosse, Treppe, Treppenabsatz’

 

Vgl. Staffelei (f.) ‘hölzernes Arbeitsgestell mit verstellbarem Stufenbrett’ für Maler zum Aufstellen der Leinwand

Türstaffel (m. und f.) - Türschwelle

 

siehe auch 'Treppen' vgl 'Stiegen'

stur, widerstandsfähig, unflexibel;

handfest, grob, unerhört, aberwitzig

hoabuachan [hoãbuachan], hoabüha [hoãbiaha], hagelbuchern, hagelbuachern, hoglbuachan

von Hainbuchen-(holz) auch Hagebuche oder Hagebüchen

(Carpinus betulus)

(mittelhochdeutsch: hagenbüechin, hagenbuoche)

In Anlehnung auf dieses knorrige, widerstandsfähige, zähe Holz, bezeichnet 'hoabuachan' einen eher sturen, unflexiblen, manchmal groben Menschen oder eine derbe, schlichte aber unverwüstliche und grundsolide Sache, beispielsweise bezogen auf Gewand, Werkzeug oder Haushaltsgegenstände

super, toll

 

toll [von gotisch: dwals - „töricht“,
altsächsisch oder angelsächsisch:
dol - „einfältig“, „anmaßend“; althochdeutsch (ahd.), mittelhochdeutsch (mhd.):
tol - „einfältig“, „anmaßend“]

bärig

bfundig/pfundig

fern

gwanddt (qwant)

grübig [griawi]

 lusti, großartig

klasse [klass]

lei(n)wand

zeam

zünftig [zimfti]

Tante Emma Laden, Krämer

Greißler, Kramer, Fragner

toasten, aufbacken, rösten, erwärmen

bähen, aufbähen

ahd. bâen, pâhan (mit verlängertem Vokal, wie in fâhan), mhd. bæn,
verwandt mit bächeln und bächern

= erwärmen, wärmen und trocknen

z.B. Brot, Semmeln (vor allem nicht mehr ganz frischen Gebäck) wird kurz aufgebäht (d.h. kurz erhitzt, damit es wieder resch ist.

Auch kranke Glieder kann man bähen, auch eine Geschwulst kann gebäht werden.

Topf

Biadra, Budschn/Butschn

Eimer, Gazl, Kanne

Hafen, Hâferl

Kübel [kiwi]

Pfanne, Reindl, Schaff

Schnadelfäflein, Schüssel [schissal]

Degerl / Tiegel (Tegel (flaches Gefäß mit Deckel, mhd. tёgel, tigel, lat. tegula = Dachziegel)

Weidling [woadliŋ], Zuber [zuaba]

tolpatschig / tollpatschig

Tolpatsch / Tollpatsch

Tölpel

 

Tolpatsch (nach neuer Rechtschreibung "Tollpatsch") geht zurück auf das ungarische Wort talpas (17. Jahrhundert) mit der Bedeutung „Infanterist, Fußsoldat“, in einigen Dialekten auch „breitfüßig“. Abgeleitet ist talpas von talp „Sohle“.

dolgat (dôiggat, tolkert), deppert,

botschat, batschert, potschat / patschert,

Gispel / Gischpl / Gischbe / Gaschpl / Hascplel / Hispel (ungeschikte, dalkerte, tollpatschige Person, ein Kasperl oder geistig minderwertiger Mensch - meistens aber nicht beleidigend gemeint) (mehr)

heampat, hoppertatschert / hoppertatschig/hoppatatschig, unbetamt

Happadidl (Happal - schwache Person, unbeholfenes Kind)

 Heamp (Dummkopf, derber Kerl)

Pompaletsch (von ital. bamboleggiare: sich kindisch benehmen)

Tschappel (m.), diminutiv Tschapperl (n). (einfältiger Mensch, dumme Person; auch nette Person oder Sache, vor allem als Dimin. tschapperl, 'einfältige aber gutmütige Weibsperson', 'gutmütiger Mensch', 'einfältiges Kind')

Treppe

 

 mhd. trappe, treppe   - ‘aus Stufen gebildeter Aufgang’

 

Treppen (-haus)

Treppchen (im Sinne von Siegesehrung am Podest)

Stiege (mehr)

'treppe, leiter, stufe'; ahd. stiega; mhd. stiege

zu Verb steigen

 

vgl. Stiegenhaus

 

siehe auch 'Stufe' vgl 'Staffel'

 

 

Stocklplatz, Stockerlplatz (auf dem Siegerpodest bzw. am Siegerpodest)

 

 

tricksen
 (barare, barriari, truffare, imbrogliare, sistemare)

(hin-) deixn

[Hochdeutsch deichseln = zurechthauen, bewerkstelligen, geschickt durchführen, bewirken, durchboxen], mankeln

(Vergleich betrügen)

Tüte

Sackerl, Packerl, Beutel,
Stanitzl, Stranizn, Stranitzl, Stramitzl, Stamitzl, Scharmitzl, Scharnitzl, Schamitzl
(Ein aus festerem Papier bestehendes, meist trichterförmige hergestelltes Verpackungsmittel, in das etw. hineingetan werden kann

[aus ital. scarnuzzo = Innenseite eines Tierfells von lat. excarnare = das Fleisch von der Tierhaut entfernen]
 Rogel
(Oberpfalz/Nbay), Guckern (Tirschenreuth), Gstatl (Friedberg), Zöger  (Handkorb oder sackähnliche Tasche aus Stroh oder Bast, oft mit zwei Trageringen aus Holz oder Eisen;
Schreibweise
[Zeger(er)], [Zöger], [Zecker], [Zeckerer], [Zegerer] / [Segerer], [Seger])

verpfuschen, verdatteln, verquasen (=vergeuden),

versemmeln

vertun [vadua]

vergraden [vagrodn], [vagrɔdn], (mißlungen/mißraten)
verhauen
[vahauen]

verhunzen [vahunzn]

verküwedln [vakuawedeln] (etwas verschlampen)
versauen [vasaun]

verschustern [vaschustan]

verjankern [vajankan]

vernudeln [vanudeln]

vermurxen [vamurksn]

vermasseln [vamasseln]

verschwunden

åbkemma [ohkeema], d.h. "abgekommen" (mehr)

abgängig

Fiass griang ('Füsse kriegen')

viel

ella, erla („erla Gäid/Göd“ = viel Geld)

häufti (viel, oft)

unaschtig (sehr viel, sehr groß, usw. – „unaschtig viel Obst“, „unaschtig viele Fremde“)

uglaxnt (außerordentlich, auffällig, übertrieben, extrem – „uglaxnt viel Geld haben“, Ein uglaxnt extremes Wetter“)

Wanderstock / Bergstock

Birigstecken oder Bergstecken: Bergsteiger-Stecken

Almstecken: für die Almleut

Stahelstecken: für die Schützen u. Jäger („Stahel“ ist die Bezeichnung für die Armbrust)

Alpenstange, starker Stecken

Ein Hoamtreiber ist ein Stecken aus Haselnuß, um das Vieh von der Weiden heimzutrieben.

Warmduscher, Weichei, Sitzendpinkler, Tölpel, Pantoffelheld
(Schwächling, Feigling)

Breznsoizer, Hemadpiesler, Hennaling (von "Henne), Hosndrädrä, Hosnpiesler, Hosnsoacha, Laberl, Lackel, Lahmlack, Loamlack, Laddiel / Lattierl, Lahmarsch, Lalli, Laffe, Lapp, Wappler

Weilchen

Randl / Randel (kleiner Zeitraum, kurze Dauer)
z.B. "Bleima no a Rantl, hiaz weards erscht lusti!" = "Bleib noch ein Weilchen, jetzt wird's erst lustig"

 

boadn / beidn

z.B. "Beid / boad a weng" = "Warte ein wenig")

 

Eichterl, Neichtl

weinen

hrean / rean / rehrn / reahrn (laut weinen)

flennen (weinen, mhd. vfêhen, vlên =dringlich bitten)

dreatschn, trenzen/trentschen - weinen, schluchzen, flennen; den Speichel aus dem Mund fließen lassen

grein/greinen (greascht = geweint) (mehr)

blazzn (heftig weinen)

keachn (heulen, von keuchen)

 plärrn (brüllen, heulen)

 platzn (heulen), rotzn (von Rotz)

trenzen (Trenzbeutel)

Wichtigtuer

Gscheithaferl, Gschaftlhuber / Gschaftlhuba, Gscheitmeier / Gscheitmeia, Gscheitwaschl, Wichtigmacher

ziemlich, wirklich

woiddan (auch „woidan“, „woitan“, „woita“ oder „woata“)
(aus dem Mittelhochdeutschen (mhd.) „wolgetan“ = gut beschaffen), ongla

 

Tabelle 1- Miniglossar (Hoch-/Norddeutschà Bairisch) von alternativen Wörtern und Wendungen – es muß nicht immer „sehr“ und „toll“ heißen! – Worte zum täglichen Gebrauch

 

     

wiâ waar’s mid?

Allgemeines Hochdeutsch

(rot = Nord-Hochdeutsch)

zum Beispiel

abech, abechig, awechi abich, awich, avich

aim, aimd, aims, aim(er)isch, naimisch, awech, awich, awicha, aweacha, aiweach, gawisch, gewisch, iwisch, gaichad, maichad, mächad, echad, naiwicht

[ahd. abich = verkehrt]

 

Siehe auch Zehetner
(Baßt scho! Band 1-3)

verkehrt (links statt rechts);
Innenseite eines Stoffes; mit der verkehrten Hand

 

(Vgl. letz)

 

awich sein = zwider bzw./ grantig sein, ungutes Verhalten

 

haislawich = besonders ekelhaft

de awichane Seitn (die verkehrte oder rückwärtige Seite)"

avich und hrecht"

„ois duat ea awechi" (er fängt er verkehrt an)

„aimische Hent“(‚Handrücken‘)

„af de mächad Seitn" (‚auf der falschen Seite‘)

awechene Sachen"  (im Kopf haben)

„Du bist an den Aweachan kemma“? ( ‚Du bist an den Unrechten gekommen‘)

„Dees is da aweche Weg“?  (‚Das ist der falsche Weg‘)

Dem Ross an Eisen awech aufschlagen"

Do treiben sie's alles zu bund, so wird eahm ganz aufrichti an awichi (Ohrfeige) vagunnt"

adiam (diam) adiam amoi;
a diam, an diam, diam,
(a) diamol/diamoi, diamoln/diamoin, diemalen
(mittelbairisch, südbairisch);

 

äiamol (nordbairisch)

 

a diam, an diam, diam, (a) diamol/diamoi, diamoln/diamoin, diemalen

 

[lat. ad diem]

manches, manchmal, gelegentlich, ab und zu, immer wieder einmal

 

„adiam is“ = „heute ist“;
 „als ob“

(siehe auch iawaramoi)

Na, Heißin. Glück han i wohl a diam g'habt, aba da Verstand hat ma no öfter helfen müass'n. (Der Jagerloisl, L. Thoma)

A diam is, als kam aus da Höh’, vo hoamlinga Musi a Klang, a diam is, als kam übern Schnee, vo z’weitest a hoamlinga G’sang (Heilige Nacht, L. Thoma)

„Mei, derfst dir ja grad oane außasuacha, die wo a so is“, meint sie; „waar oft a diam oane froh, bals in an scheen' Hof eine kaam“ (Madam Bäuerin, L. Christ)

Adiam amåi (hie und da, manchmal)

Adiam oâ (manche) meng an Schnee gar nêd.

Bal’s wahr is, was an diem oa verzählt ham (Franz von Kobell, 19. Jahrhundert)

Gipfikreiz (Gedichte von Kurt Pikl)
Da Anstieg wor adiam steil und weit,
woit adiam aufgebn – hobs owa nit tu und des wor gscheit!
Ma vagisst ja zwischendrinn adiam des Züh,
geht oafoch so dahi, gedankenlos - wonn ma so wüh.

 „Äiamol hamma Erpfl ghod, äiamol niad aa“ (d.h. 'manchmal hatte man (genug) Erdäpfel, manchmal aber auch nicht.')
(„Steinpfalz-Hymne“)

affichieren

(von gleichbedeutend französisch afficher ; zu ficher = „einrammen, festmachen“;
dieses aus lateinisch figere = „anheften, heften, fixieren“)

anpappen, anpicken, ankleben, anhaften, anschlagen, aushängen (auch im bildlichen Sinn), festkleben, befestigen, fixieren

Das zweite Kleid war affichirt mit zweien Gürteln.

Es ist sonderbar, daß diese Verhältnisse in keinem Lande der Erde schamloser öffentlich affichirt werden, als in dem religiösen und decenten England.

Ab heute sind diese Plakate in Bus und Bim affichiert.

NÖ Versicherung affichiert ihre Mitarbeiter.

adiam anouschd

wieder irgendwo

Anouschd songs „d Sach is gritzt“ und „adiam anouschd“ (wieder einmal) head ma „da Kââs is bissn.“

Alz  [oiz] , Alzal / Alzerl [oizal]

Äuzerl / Aitzerl

Aichtel

  Euzal / Eizerl,

Oizerl

 

Alz = Lederauflage auf den Schuhleisten,

von ital. alzo = Aufsatz, Stück Leder, das den Schuh ausfüllt (aus Verb alzare = erhöhen, abheben, aufstellen)

ein kleines Stück, ein "Tick", ein klein Weniges, ein (ganz klein) wenig, ein breckl / breckerl (ein 'Bröcklein')

 

(Gegenteil von Trumm
z.B.  'ein Mordstrumm' )

 

Vgl.

Trumm (das) ‘großer, schwerer Brocken; ein großes Stück’, ahd. thrum, mhd. drum, trum

(mehr)

ein Äuzerl zu viel/weiter rechts?

ein Alzerl Käs, ein Stückl Fisch.

Damals drückte man sich noch ein Alzerl umständlicher aus, aber gut.

Ein Äuzerl fehlt noch.

 

aménd, amend

möglicherweise, vielleicht

vgl. eppa

Woaßt aménd, wea as Spiej heid gwonna håt?

Moanst aménd, dass a Weda kimmt heit?

anlassig (adj.)

[mhd. an(e)lâs = Punkt, von dem das Rennen ausgeht, daher auch in der Bedeutung 'sexuelles Interesse auf zudringlicher Weise zeigen']

anbandeln, aufreißen, anmachen, anbaggern, anbaggern, zudringlich sein

 

vgl. geil sein, lüstern

 

I Ilse Walter hat sie in der Anthologie Liebe! gesammelt, die, äh, Ergüsse zum Thema, querbeet durch die Weltliteratur: mal poetisch, mal prosaisch, mal "Silben aus Sammet" und "Sätze aus Plüsch" (Emily Dickinson), mal anzüglich und anlassig, mal keck kolumniös, mal kalt kalkuliert - aber hinter allem lauert das Ringelnatzsche "Ja - - ja! - - ja!! - - ja!!!
(Die Presse, 9.2.2002)

amerig / ameri

gemeri / gamerig (adj.)

amarn / ameren (verb)

gelüsten nach, lüstern, begierig, naschhaft, besondere Lust nach etwas Gutem (Essbarem) haben

ahd. âmar, jâmar:
mhd. âmer, jâmer = heftiges, schmerzliches Verlangen

laut Schmeller: Verlangen, Herzeleid 

A amerige Mötz.

I bi gånz amerig af an gschmackign Schweinsbroon.

anoat / anort - Östl. Oberbayern

anoats - Südliches Obb.

anoacht - Südostliches Obb.

ärchadswuu - Nordöstliche Oberpfaltz

anouschd - Altbayern, Tirol

åndaschtwo

an einem unbestimmten Ort, irgendwo

 

Das Gegenteil heißt ninascht, niendert, nienert

Anouschd songs „Irda“ fiar Dienstag und „adiam anouschd“ (wieder wo anders) head ma „Deanschda oda Éschtôg.“

der Ballawatsch  
[bal |la| watsch]

der Pallawatsch

 [pal |la| watsch]

der Drallawatsch

 [dral |la| watsch]

 

von italienisch balordaggine = Tölpelei, Blödsinn, Unsinn, Dummheit

großes Durcheinander, Chaos, Tumult, Trubel, Verrücktsein,  Wirbel

 

(Vgl. Charivari, Ramasuri)

.

der Bamperletsch / Baumpalädsch / Bamperletzsch / Baumpalädsch /
 

(Pl. Bamperletsche),

 

[aus ital. Bambino, Bambina = Kind: vgl. bamboccia = dickes Kind; bambinesco = kindlich, kindisch]

kleines Kind

Ein Pamperletsch ist entweder ein liebenswürdiges, entzückendes Kind oder ein lästiges, ungezogenes Kind

 

Vgl. der Bambs / Bams / Baums (Pl. d Bamsen),
das Bamberl

.

bagschierlich, bagschierli, badschirli, packschierig

1. gefällig, praktisch, handsam

2. herzig, nett anzusehen, fein aussehend, adrett

"Adele gibt es gleich doppelt, vor allem im 2. Akt, wenn die bagschierlichen Zwillinge Theresa Grabner und Elisabeth Schwarz, beide waschechte Soubretten mit Zukunft, als Adele und Ida den 'Herrn Marquis' mit Urtönen vom Wiener Grund abwechselnd umgirren." So lobte Gottfried Franz Kasparek in der DrehPunktKultur-Kritik unlängst die aus Salzburg stammenden Zwillingsschwestern.

bäri(g)

toll

 

pfundi(g), griawi(g),
zimfti(g), zeam, lusti(g)

Des is a bärige Sach – find i ganz guat, grad bärig iss! Heid in da Stum hockma recht zimftig beinand – recht griawig iss!

Batzen, Baterl, Batzl m.

[frühnhd. Batz(e), Batzen - Ableitung von dem heute veralteten Verb batzen ‘zusammenkleben’, das, älteres back(e)zen vorausgesetzt (als Intensivum zu backen) im Sinne von ‘kleben’ gelten kann]

1. Klumpen

2. Dreck, Gatsch, Letten (Lehmerde)

2. große Menge (auch z.B. als Bezeichnung für ein Geldstück)

 

zerbatzen (Vb.) -  quetschen, zerdrücken;
herumbatzen
,
in etwas schmierigem herum greifen.

Der reiche Mãnn hat ein Batzn Geld auf sein Konto -
i winsch, i hätt a sovü!
!

beitln,  beiteln / beidln

 

[mhd. biuteln = durch ein zu einem Beutel gefaltetes Tuch sieben, schütteln und dadurch reinigen]

1. schütteln (im Mühlenbetrieb), Beutel-Sieb aus Seidenstoff,

2. Beutelkasten, Beutelgabel

3. an den Ohren ziehen,  züchtigen

Obeitln (abbeuteln) = abschütteln; vor Kälte schütteln, zittern

(mehr)

 

Lehrbua beitln = Wasser lassen

Die Bettwäsch soi man aufm Balkon aussibeitln in da Friah.

bedageln / betaggln, betackön / betackeln

[mhd. biuteln = Mehl im Beutel sieben]

teigeln, beteigeln = jemanden mit Teig beschmieren

beschwindeln, jemanden betrügen, hintergehen, übervorteilt, übers Ohr hauen, bescheißen, ausschmieren

Schießlich wü ih mi ned betackln låssn!

bemsen

insistieren, nachdrücklich einfordern
 

(an jemanden „hindriefeln“)

„Mei Olte und b Kinna bemsn schõõ wieda zwengs am Urlaub, i mechat awa ned fortfahrn“.

 

„G Kinna bemsan oiwei nåch an neichn Radl“.

benzn / benzen

raunzen, heftig begehren, beharrlich mahnen, inständig, beharrlich bitten, quengeln;  tadeln,
traktieren
 

mhd. benzen = quälen

„‚Das hast du ja lang genug verhindert‘, benzte er hinterhältig und spielte den Empörten“ (Oskar Maria Graf).

 „Die hört net auf mit dem Gebenz,
 sie muaß nach Rom und nach Florenz.“ (Eugen Roth)

Biadara

kleines hölzernes flaches Transport-Trinkwasserfaß (obb.)

 

Biadra

Trinkzapfen, wurde viel bei Heuarbeit u. Getreideschnitt verwendet, weil das Wasser kühl bleibt (tirolisch)

 

Binkl, Pinkel (m.)

 

Diminutiv (n.)

Binkerl, Binkel,

Bingl, Bingal,
Pinkerl

1. Bündel, Pack;
Bildlich: die Last, die Bürde, die jemand zu tragen hat ('Sorgenbinkel')

2. liebes Kind ('Herzbinkerl')

3. Bezeichnung für einen feinen Mann ("feiner Pinkl), im abwertenden Sinn: ein dicker Mensch

4. hochnäsiger Schnösel oder  verzogener Bursch; jmd., der sich sehr toll vorkommt, ein unsympathischer Mann, wie Norddeutsch 'Pinkel'

5. Beule (z.B. am Kopf)

6. große Menge

1. A jeder hat sei Binkl zu tragn = jeder Mensch muß mit seinem speziellen Schwierigkeiten fertig werden

2. Mei ist das Butzerl a liabs Herzbinkerl!

3. Dea is a feiner Binkl.

4. Ein Zornbinkel oder Zornbinkel ist ein jähzorniger Mensch, der an Gachn (einen Gachen) kriegt, wenn ihm etwas nicht paßt.

5. Paß auf dein Schädl auf, wannst durch d Tür gehst, d Plafond ist recht nieder, sonst boußt ihn an und kriegst an mordst Binkl an dei Belle!

I håb me oghaut, daßma glei a mords Binkl aufgschossn is

Blang / blangig

Verlangen, begehren

I ho an Blang.

i bin blangi (ich habe ein starkes Verlangen).

Bladern, Blodan, Blodern / blodern

[mhd. beiten, ahd. pitan,
gotisch beidan]

1. Blase (Harnblase, Wåsserblodan: Wasserblase, Bluadblodan: Blutblase, Brandbodan: Brandblasen)

2. Blattern: infektionskrankheit Pocken (lateinisch Variola); blattennarbig: pockennarbig

3. labern, plaudern, schwatzen, schwafeln (blaterare). Eine geschwätzige Person bezeichnet man als ein "Blodern" / "Blodan")

4. anschwellen (turgere), bauschen (follere). Ein Hose, die zu groß ist, "blodert". 

5. rauschen, blubbern, köcheln, gurgeln wie ein murmelnder Bach vom rauschenden Gewässer), strömen, fließen (fluere)

6. schlottern (laxum esse)

7.  flattern  

"Heunt hab i wieder d'Werktagsbladern eighängt" (Georg Queri in seinem 1912 erschienenen Skandalbuch Kraftbayrisch)

("Die schwätzige schwalb
macht alle toll,
sie plodert hin und her,
früh hat sie kist und kasten voll,
spat ist es le le ler.
(Vogelgesang)

boadn / boatn / beidn

[mhd. beiten, ahd. pitan,
gotisch beidan]

1. warten, harren

2. stunden, etwas zuwarten (z.B. mit einer Forderung)

 

Vgl. åbboatn, åoboatn - abwarten, abpassen,
heaboatn - abwarten,

daboatn, dabeidn - erwarten
 

Geh nit so schnell, boad a weng af mi!

Gipfikreiz (Gedichte von Kurt Pikl)
Host hinta dir an Haufn Leit,
die zuaschaugn, wia’s da geht, wos geit,
boidst an Reim host, moanands d’Mehran guat, boatn’d drauf, wo sie auf die letzten Meter tuat.

boussn / boßen / bosseln / boastn /beistn / passn

[ahd. bōʒen,

 mhd. bozen bzw. boen= stoßen, schlagen, klopfen]

stoßen, klopfen, schlagen, anrempeln, hauen, poltern, stampfen, lärmen, Lärm machen

oboussn (abbossen) = Früchte von den Bäumen stierln (schlagen)

bzw.

Obst boussn = Obst vom Baum schütteln (beitln).

 

A Boussera ist ein Knall

 

Bousse = gefertigten Holzschuhe (vor allem im Bayerischen Wald)

 

Auch das Werkzeug, der Amboß (bairisch "da Ambouß" kommt von „an“ + „boussn“= schlagen, klopfen)

Bousst nid aso mit deine schwaare Schuach - du weckst as gonze Haus!

Der is so deppat, dea daat aar am Droadbôn (Heibôn) boussn - Der ist so blöd, er würde auch auf dem Getreideboden (Heuboden) Lärm machen. (Am Getreideboden oder Heuboden werden Stroh und Heu eingelagert, so daß es eigentlich gar nicht möglich ist, laut aufzustampfen.)

'Do schaugn oo, an Lousnboussa!'
(Lousnboussa - ein Eber, der die 'Lous' oder 'Loas' (weibliches Schwein - mehr) 'bousst' (auch genannt 'ducken'
[dugga] oder bücken [bugga]), d.h. begattet. Hier: ein etwas weniger schmeichelhaft Ausdruck für einen Weiberer, Schürzenjäger oder Casanova)

brocken / brouckn , abbrocken

[mhd. brocken = brechen,
ahd. brocchôn, procchôn]

pflücken, ernten von Bäumen, Sträuchern etc. (z.B. Äpfel, Beeren, Blumen, Pilze, Schwammerl usw.;

abbrechen; jemanden pflanzen, reinlegen

 

Pflückobst wird gebrockt, Fallobst hingegen wird geklaubt (mehr)

Schau ned in d Staudn eini, dua in koane Lecha kriacha, koane Bleame brocka, koane Beerl zupfa, koane Schwammerl obrupfa, vor allem aba hear auf neamd, dea wo dia sagat, du soist da ned higeh!“ (Der Froschkönig)

Nockerl soll i kocha.
Wir i wül in Gårtn gehn,
wül a Bleamel brocka,
steht das buglad Manderl då,
mit da goldan Docka.
(Das bucklige Manderl)

Budelhupfer / Budlhupfer [budlhupfa]

 

(Die Budel zu mhd. budeln = wälzen, rollen: Verkaufstisch, Ladentisch)

 

(Der Hupfer zu mhd. hupfen, hüpfen = mit kleinen Schritten springen)

Ein Helfer, der "über die Budel" eilig hin- und her "hupft" (hüpft).

Der Begriff Budelhupfer kommt aus der "guten alten Zeit", wo es noch Greißlerein und Kramerläden statt Supermärkten gegeben hat. Damals wurde oft ein Helfer eingesetzt, oft französisch  commis genannt, was "Handlungsgehilfe" bedeutet.

Warum nicht gar, wir schleichen uns ganz in der Still ins G'wölb, und duseln ein bißl auf der Budel; in 2 Stund wird's ohnedem Zeit zum Aufsperrn sein. Ich hab' den G'wölbschlüssel bei mir (Nestroy, Johann Einen Jux will er sich machen, 2. Akt ).

daläxld,

derlext, dalext, z’lexnd, zlexelt

 

Siehe auch Zehetner
(Baßt scho! Band 1-3)

leck, undicht

(aus lateinisch laxus = schlaf, lose, locker, schlottrig)

 

zlechslt (und alternative Schreibweisen) bedeutet "undicht", beispielsweise in Bezug auf ein Fass.

Da Zuwa (Zuber) is daläxld, dea gheard wieda eidelsld (dechtln: dicht gemacht durch Wässern).

 Charivari

[spätlateinisch carivaria, aus griechisch karebáreia (καρηβάρεια) mit der Bedeutung ‚Kopfweh, Katzenjammer, Franz. charivari]

1.das/der Charivari Durcheinander, Chaos, Tumult, Trubel, Verrücktsein

2. die Charivari Schmuckgehänge an der Uhrkette oder an einer Kette, die am Hosentürl der Lederhose getragen wird, bestehend aus Silbertalern und Jagdtrophäen. Je reicher das Gehänge und je länger die Kette ist, desto mehr ist sie der Stolz des Trägers

 
"Le Charivari" (Übersetzung: eigentlich „lärmende Veranstaltung“, gelegentlich übersetzt mit „Das Spektakel“) war der Titel einer satirischen Zeitschrift, die von 1832 bis 1937 in Paris erschien.
 

(Vgl. Ramasuri, Ballawatsch)

Nach dem Sturm herrschte ein echtes Charivari in der Stadt, Trümmer waren auf den Straßen - ein richtige Ramasuri!

 

Der reiche Bauer trägt  eine protzige Charivari um den Hals.

Dåchtel / Dachtel (f.) [dɔɔchdl]

Tetsche [detsche] / Tachtel [dachtal]

[mhd. daht = Gedanke
(hier: 'Denkzettel')]

Ohrfeige

auch Hausdätsche(n)

 

Dotschen ist laut Maritschnik weitergebildet von mhd. tetschen = Berührung mit der Hand.
Tatschen
ist eine Nebenform zu tätschen, Weiterbildung von tätscheln zu Tatze.
'Klatschend schlagen; schwerfällig gehen; liebevoll, leicht schlagen'

 

Siehe auch: Datschi / datschen und

tätsch

Der Ausdruck `dachteln` (dachteln), (dåchteln),   bedeutet:
`jemanden eine Ohrfeige geben, auch leicht auf den Kopf.

dant

mit links, mühelos

Nixdå, den schicki dant (helles a).

Des baggma dant!

dåsig [dɔɔsig]

(Adj.)

dåsig = hiesig, einheimisch, ortsansässig, hier beheimatet

 

Ein Dåsiger ist ein Hiesiger, Einheimischer, einer von da


(von da bzw. von då
[dɔ])

(mehr)

 

Laut Grimm ist das s in dåsig, wie auch in hiesig euphonisch (d.h. ein Lauteinschub) eingeschoben worden.

 

nicht zu verwechseln mit "dasig" [dasig]

Ein Dåsiger ist einer von då und daher dåsig.

Ein Dåsiger ist aber nur auch ein dasiger, wenn er auch dammisch ist.

 

Ein dåsiger Bürger, dåsige Leute, ein dåsiges Weib.

Ein dåsiges Bier, ein dåsiger Wein.

Die dåsigen Gelder oder Finanzen.

dasig, daselig, diesig, dausig, dasi, dasti

(Adj.)

 

[mhd. dæsig = still, in sich gekehrt, dumm, albern, träumerisch; nhd. dösig]

verwirrt, schüchtern, benommen, schlaftrunken, düsig, dus(elig)

dammisch verirrt

Er war ganz dasig.  (er war ganz verwirrt)

Er hat ganz dasig drein geschaut. (Er hat ganz verdattert hergeschaut)

Den kannst du leicht dasig machen. (Er ist leicht einzuschüchtern).

Rumpolt, der dasige Knecht

dantschig

artig, niedlich, gschmo, liebreizend, knuddelig, putzig, „pfundig“

Der kleiner Bub ist echt dantschig. (helles a)

Dantschig aufgemaschelte Damen und propere Herren zogen im Festsaal des Schlosses zur Musik ihre Kreise.

Senta sei noch dantschig, sie, Nore, nicht. (aus Trappentreu, Roman einer Familie, Laura Doermer)

Depscha, Depscher, Detscher

 

 

 

 

 

 

 

depschen, eindepschen

Delle, Einbuchtung
Ein Depscha ist eine leichte Delle (Duin) z.B. im Auto.

 

Wenn jemanden "einen Depschen hat", hat er einen "Klopfer" oder ist "beklopft" (leichte geistige Behinderung)

 

drücken, eindrücken

Bain Oabeka schbün oiwai zwoa Laid génganãn. Oi zwoa neman a hoat kochds Osdaoa und dãn haud ma mid'n Schbiz fum õan Oa, aufn Schbiz fum ãndan Oa. Õa oa håd danåch fåst oiwai an Depscha.

dreatschn  [trẽatschn]

 trenzen / trentschen [trenzn]

(mhd. trahenen, trehenen = weinen, zu tran, trenne = Träne)

weinen, schluchzen, flennen; den Speichel aus dem Mund fließen lassen

 

ebba, eppan

öpper, öppes, öppa,

öbber, öbbis, öbbe 

ebba = jemand (etwer), etwas

ebban = wen in Sinn von jemanden

Da is ebba kemma (Da ist jemand gekommen).

Hast du ebba an Hunger? (Hast du vielleicht Hunger?)

Suchst du ebban? (Suchst du jemanden?)

äbbs, äbbas, eppa, ebba, epper;
 epad, ebbert, eppert, epand:
goar eppa, eppa goar

[ahd. eddes = irgend; mhd. etwaz, etewar = irgendwas]

 

(vgl. epanad = einige, ein paar, viele siehe erla )

vielleicht, etwa, gar vielleicht, vielleicht etwa gar, womöglich

vg. amend

„Hoddaebba ebba ebbs dã“
(bei dem das erste„ebba“ „etwa“, das zweite „ebba“„jemand“ und „ebbs“ „etwas“ bedeute.)

Ebbert is går a so, dass si' wer denkt
i wa' koan Dåsiger nit.
(Vielleicht ist es sogar so, daß einer meinen könnte, ich wäre kein Hiesiger).

Epand hots es gor scho ghom.

Und die Alte meint: »Da müaßat do inseroane aa epps wissen, wenns a so waar! Mir müaßatns überhaupts ehanda wissen, wia der Bua selm. Und mir wissen vo koana Hochzeiterin gar nix. Überhaupts gar nix aa! Ham mir no net amal an Gedanka drauf ghabt!«  (Madam Bäuerin, Lena Christ)

dolgat / dalkert / tolkert

1. ungeschickt, einfältig, töricht, tollpatschig, dumm, blöd, damisch

 

2. teigig, nicht fertig ausgebacken

"Stell di ned so so dalkert o!"

eps, ebbs, ebs

„etwas“ im Sinne einer
 „geringfügigen Menge“,
 am besten übersetzbar also mit
 „ein Weniges“

Das Wort entstand vermutlich durch Konsonantenassimulation als
mhd. ëtes-waz (etwas, in wenig).

Vg. eppa

Dös is ebbs, was i guat braucha kannt.

D mehran Leit daan gern iwa d Politik sudern, awa ebbs dageng zon unternehma waar zvii valangt

 

erla, etla, etli, etlani,
an eddla; netla, a netla

 

[ahd. eddeslīh, eddelīh;
mhd. etelih, et(e)lich, eteslich
= etliche]

 

 

etliche, einige, ein paar

vgl. epanad

Etla Leit san kemma, kennt hon i awa koa.

An eddla Leid han kema (Einige Lute sind gekommen).

feã(n)zln, feanzln, fenzeln, fienzeln

 

[mhd. vanz = Spötter]

zum Narren halten, höhnisch sein, zynisch herausfordern, pflanzen

 

feigelt  [feigat]  
gefeigelt
[g´feiglt]  
Gfeiglat
 [gfeiglat]

(von feigeln = ursprünglich "eine Feige machen", d.h. obszöne Geste, mehr)

jemanden ärgern, etwas schwer zustandebringen, sich schwer tun (z.B. mit der Arbeit)

 

Vgl. hunzen

de Gshicht feiglt mi" = ich habe Schwierigkeiten mit dieser Sache

er feigelt mich" = ich habe Probleme mit ihm

Wonns enk beim lesn a weng feiglt, miasts enk hoit aweng zeit nehma dafia!"

fert / ferten

 

[mhd. vërt, värt, vertic]

feadd, feachd, fęascht, ferd, fead, fean, fearin  [mhd. „vërt” = "im vorigen Jahr", vgl. Firnschnee (der alte Schnee u. Ferner (Gletscher)], voriges Jåhr

 

FERTEN, eine bairische und ostfränkische Nebenform von fert, bei SCHMELLER 1, 567. 568 ferten voriges jahr, vorferten vor zwei jahren;

ja es sind unser ferten vier
gen Bamberg zum bier gangn spacirn.
         AYRER fastn. 58a

häit denkt, du wüszt von fertn no
wos in kalender steiht.
         GRÜBEL 1, 194

bin i nit fertn gstorbn droh,
so glab is heuer niet.
         2, 85. daselbst 1, 50. 2, 180

fesch

Feschheit

Feschak

1. "hübsch, flott, sportlich aussehend" in Bezug auf Personen. Vgl. sauber

2. "schick, hübsch, gut passend, modisch" in Bezug auf Sachen, vor allem Kleider und Gewand.

3. "nett, freundlich"

 

Feschheit = gutes Benehmen oder Aussehen

 

Feschak = ein gut aussehender, selbstgefälliger Mann.

 

Das Wort fesch ist wahrscheinlich eine um ca. 1800 in Wien entstandene Kurzform vom englisch fashionable.

1. "Sie ist eine fesche Frau." "Das is a fesches Madl."

2. "Der Rock ist in Kombination mit dem Halstusch besonders fesch."

3. "Sei halt fesch und komm mit."

 fix

[lat. tixus = angeheftet, befestigt;
Partizip 2 von figere = anheften]

1. ständig, dauernd, z.B. "fix angestellt sein"

 

2. fest, verlässlich, definitiv, z.B. "Ich kann im Moment nicht fix zusagen."

Fixangestellter

Fix angestellt

fest angestellt

fix besoldet

fest besoldet

Fixabsteiger

Mannschaft, deren Abstieg feststellt

Fixbetrag

fester Betrag

Fixeinkommen

Festeinkommen

Fixpreis

Festpreis

Fixplatz

Stammplatz, sicherer Platz (in einer Mannschaft)

(Übertragen wird das Fixleiberl überall dort angewendet, wo

jemand aufgrund von z.B. Qualität bei einer quantitativen Auswahl ohne Vorbehalt dabei ist)

Gegenteil: „kein Leiberl haben“ oder „kein Leiberl reißen.

Fixleiberl

Fixmandat

vorderer Listenplatz bei einer Wahl, womit der Einzug ins z.B. Parlament, Abgeordneter Haus etc. so gut wie sicher ist

Gegenteil: Kampfmandat

Fixstunde

Festgelegte Zeit zu einer Bestimmten Zeit, z.B. „Eine Fixstunde für Saisonkartenbesitzer, „eine Fixstunde pro Woche“

Fixstarter

Sportler, der bei einem Wettkampf definitiv startberechtigt ist

Fixzeit

Festzeit, während der auch bei gleitender Arbeitszeit alle Arbeitnehmer anwesend sein müssen

Fixzins

Festzins

Flasche(n), Flosche(n) (f.) [flɔschn],
Flaudern [flaudan]

Ohrfeige

 

Fotz (m.) [foods]

Fotze(n) (f) [foddsn]

1. Mund, Gesicht (mehr)

2. starke Ohrfeige (Ziel des Schlags, d.h. das Gesicht)

Verb fotzen, fotzn - ohrfeigen

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm "mit derbem pfälzischen worte die Maintenon nicht anders als die alte zott, was also = fotz ist und das schamhaar vermittelt diese bedeutung, man dürfte auch an fetze faser, lump, it. pezza denken. fotz, fotze für das maul von thieren (Tieren) und (immer verächtlich) für den mund von menschen (Schmeller 1, 581. Lexer 100. Schöpf 148)"

 

Siehe auch: Kraftbayrisch: Ein Wörterbuch der erotischen und skatologischen Redensarten,  Georg Queri
 

 

abfotzen [ɔbfoddsn] / fotzen [foddsn] / herfotzen [heafoddsn- kräftig ohrfeigen

Bockfotzen [boogfoddsn] -
besonderes heftige Ohrfeige

 

Fötzerl - Mädchen, Madel

 

Fotzhobel - Mundharmonika

Fotzenspangler - Zahnarzt

an Fotz hängen / machen - ein langes Gesicht machen, "das Maul hängen lassen"

den Fotz hoitn (halten)

- den Mund halten, schweigen

sich an Fotz verbrenna  (verbrennen)  - den Mund verbrennen (auch figürlich)

hinterfotzig - heimtückisch, hinterhältig, hinterlistig, unaufrichtig

Geh, leih mar a Busserlm

du Föterl, du säaßs!
»Heunt is ma nöt gustali,
Moring, Matthias!«


Denn allmol is öbbas;
is's dös net, is's das,
und as macht ma das Fötzerl
mein Fotz hald nie naß.
(Franz Stelzhamer, "Lieder in obderenns'scher Mundart", 1841)

 

Obocht gö, i moa i wia du wiast da glei a saubas Drum Bockfotzn austaucha!

 froisen, froisn

 

[alte oi-Form für friasn (frissen) = frieren;
ahd.
friosan;
mhd vriesen, vriusen]

 

Nicht zu verwechseln mit Fråasn (Kinderkrankheit)

frieren

„Mia froist" heißt: "mir ist kalt, mich friert.

Froas, froasen, Fråasn

Fraisen / Frasn / Fraasn

Krämpfe, Kinderkrankheit

in d Froas gfalln [gfoin]  - einen epileptischen Anfall zu erleiden

an Froas fôin - in Ohnmacht fallen, erschrecken

froasn - zittern

Froasen haben Kinder, wenn sie Krampfanfälle bekommen und zittern, dieser Zustand geht schon fast in die Richtung von epileptischen Anfällen:

Fahr bin in alle Ewigkeit! Im Namen der Dreieinigkeit! Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist. Schütz mi auf der Roas, Mei Familie vor Schreck, dö Kinder vor Froas!

 fratschln / ausfratschln

fratscheln - neugierig ausfragen, indiskrete Fragen stellen

ausfratscheln - aushorchen

 

Intensivbildung zu fragen

 

 „Da Nachbarin, da Ratschn, vasuch i oiwei ausm Weg zon geng, sie duat mi jedes moi a so ausfratschln, daß' nimma woaß, wo's bist.“

frimmen / frimma / frümmen

anfrümmen

 

[ahd. frumjan;

mhd. frumen, frümen, vrumen, vrümen]

1. bringen, vorausbestellen, bestellen, machen lassen

2. sich einreden lassen

 

 

„Weil wir die Speisen schon angefriemt (bestellt) hatten, so ließen wir solche in die Pfleg bringen, aßen dort, schwätzten bis 10 Uhr, wurden all da mit einem schönen Zimmer und gutem Bethe (Bett) bedient.“ Zitat aus Brief von Leopold Mozart, unterwegs nach Italien mit Sohn Wolfgang, an seine Frau und Tochter, 13.12.1769 beim Abendessen in Lofer

 

Einen Messe, einen Gottesdienst frümmen, ein Recht frümmen (beten lassen); ein werk frumen = ein werk tun

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm

 

Siehe Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch (Vol 1, 1872) Seite 819-810

Fragner, Pfragner  (der)

 

[ahd. phragenari = Marktmeister, mhd. pfragener, vragener; umgelautet, pfregener, pfegner, - Kleinhändlier mit Lebensmittel, lat. phragina = zurückgehend auf Schranke]

Gemischtwarenhändler, Krämer, Greißler

 

„Beim Fragner hat man ehnter allerlei Waren kaufen können, jetzt muß man leider meisten nur zum Supermarkt".

die Funzel / Funsel / Funsen / Funzen

Pfunzn, Pfunze

[frühmhd. voncksel = Zündstoff, Zunder]

schwach brennende Lampe oder Kerze, Grubenlicht

„Die Funzl ist aber auch ein "etwas dümmliches, nicht ernstzunehmendes Weibsbild"

 

"Holz, Salz, Schmaltz, zimes, Kraut und Fleisch,
wann sies bedarf, lauft sie erst hin
und gibt dem Pfragner den Gewinn"
.
(H. Sachs 4, 377, 22 )

fürchtig / fiarchti

sehr viel, sehr gut, sehr schlecht usw.

„as Madl is fei fürcht schee!“ „Da Berg is fürchti groß, da Mõ fürchti reich.“

gach (ga), gaach

 

[mhd. gæhe, gâhe, gæh]

schnell, jäh, plötzlich;

steil;
extrem (z.B. gach hoaß, gachblond = hell-/ strohblond); 
bald

die Gachn = Eile, Schnelligkeit

 

ein 'Gachgiftiger' ist ein Jähzorniger, der 'an Gachn kriegt'

 

siehe husig

 

Vgl. vagachen

"Moan schier, es müaßt am selbigen Platzl sein", flüsterte Mickei, "wissn S', Herr, wo mer so gach ummagfahrn san. Kon leicht Gambs oder a Stuck Wild einigfallen sein, dös übern See hätt umma mögn." (Ludwig Ganghofer, Künstlerfahrt an den Königssee)

Sie no net glei so gach. Mi sagt ja grad, weil 's a guat's Werk waar, wann mi an arma Menschen was gab. (Ludwig Thoma, Der Wittiber)

A bißl jung sei nacha volla Muat, wia san de Tag und wias is d'Liab so guat!

Und nacha Summerarbat, hoaß und gach, da lass'n d'Sorgn und d'Müahsal gar net nach, bis d'mirkst: der Summa is ja scho am Ziaghn und d'Jahr kriang a G'wicht, je mehr daß fliagn (Josef Maria Lutz, Dees bissl Lebn)

(die) Gaudi, Gaudee

(Lat. gaudium)

Vergnügung, Unterhaltung

 

vgl. Hetz

Mein Gott, a bissl Gaudi und a bissl Gschäft soll man de Leit bei de schlechten Zeitn vagunna!

Mit eahm is oiwei a richtige Gaudi, da kannst lacha!

Gazl

(falsche Schreibweise Katzel, Kazl)

Kelle, Schöpflöffel

Die Italiener wurden einst abwertend als Katzelmacher (Gazlmacher) bezeichnet.

geina / geuna

[mhd. giuden]

loben, preisen

Fia dös muaß i di a weng geina!

gent (ge, gee, geh)

gę(n) 1

gleich, direkt, demnächst, bald

(siehe auch ge)

(es handelt sich hier um einen 'erstarrten Infinitiv', welche die nahe Zukunft anzeigt)

i geh gent zum Dokta!
(siehe Ringeis: Neues Bayerisches Wörterbuch)

Gfrett

fretten, frettn, freitn

[mhd. vreten, vraten = wundreiben, quälen, plagen)]

kümmerlich wirtschaften, alles nur provisorisch erledigen, Mühe, Plage, Schinderei

Ein Gfrett war ursprünglich eine wundes Stelle, mit der man fertig werden mußte.

Sprichwort - "fretten hülft hausn, zuvü fretten mocht Flausen".

(mehr)

 gfotzert [gfoddsad]

frech, vorlaut, schnippisch

 

Gispel / Gispel / Gischpl / Gischbe / Gaschpl / Hascplel / Hispel

ungeschikte, dalkerte, tollpatschige Person, ein Kasperl oder geistig minderwertiger Mensch - meistens aber nicht beleidigend gemeint  

 Laut Grimm auch 'Kind, das mit Füßen und Händen nie ruhig ist', 'unruhiger Mensch mit fast fieberhaft lebhaften Bewegungen'

 

 

Geh, sei ned so a botschata Gischpe - du håst d gånze Milli gschledat!

gleng

komisch, seltsam

vgl. rar

A glenga Kunt ist ein eigenartiger Kerl, Kauz.

glangrig

gelüsten nach

Mit´m Vadda eifrig Kripperl baun,
ganz hoamlich in de Schublodn schaun.
Und in der Speis recht
glangrig suacha,
nach süaße Platzerl, braune Kucha.

glimmig

gierig sein, Verlangen habend

 

gneißn / gneissn / gnaisn

kneißen (kneißen)

[mhd. (ge)neusen = erproben, versuchen, spüren, wittern]

 

Verwandt mit neusen und niesen (Vgl. Nase) und übernasern)

etwas erahnen, bemerken, verstehen, kapieren, vorausahnen, wahrnehmen

 

In Tirol gesprochen kneißn statt gneißen

Iaz föits Zehnerl - iazat hon i's gneißt!

 

Er hat (es) geneißt (oder genissen).

 

Ein Gneißer oder Bleitzgneißer ist ein Mann von schneller Auffassungsgabe (oft ironisch verwendet)

 

I håbs glai gnaist, gleich weggehabt.

I ha schon lang so eppes (etwas) gneißt.

Es wird, so viel i gneiß, schon kalt.
Kaum håt's da kloane Hansl gneist, macht er an sprung daß' kracht.

godika,
guadika, goka,
godika, gotikeit, gottikeit, gottwolkeit, guadekeit

 

(Ahd. quedan = reden, sprechen)

sozusagen, als ob man sagen wollte; gleichsam; das heißt; zum Beispiel‘

 

„sam godika,
sam guadika,
sam goka"

 

(Mhd. sam = als ob, wie)

(sam godika = so als ob Gott spricht")

Oach lang sans oft woardn, döi Hutza-Oumbmd. Dou hout d Hausfrau scho äiamol samgocka soogn möin: Leit, göihts hamm, d Hutzaleit wölln se niedalegn.
(Barbara Heinrich)

Übersetzung aus Nordbairischem: ‚Arg lang sind sie oft geworden, die Hutzenabende. Da hat die Hausfrau schon manchmal beispielsweise sagen müssen: Leute, geht heim, die Gastgeber wollen sich niederlegen.‘)

 

So gotikeit:
'was für ein wahnsinnig klasses Messer!'“

gouschat, goschert  [goschsad]

 

(von Goschen = Mund;
Ahd. quedan = reden, sprechen)

frech, vorlaut

Jemand, der eine freche Gosche (Mund bzw. Mundwerk - mehr) hat, wird aus goschert bezeichnet.

grantln (granteln)

[mhd. gransen]

jammern (mehr)

herumnörgeln, murren, zanken, brummeln, raunzen, gachgiften, sudern

Einer, der ständig grantelt, grantig ist oder einen Grant hat, ist ein Raunzer, ein Semperer, ein Suderant, d.h. ein Jammerer (wobei der Grant auch geradezu eine typische bayrisch-österreichische Laune ist)
 

greinen [greina]

(ahd. grînan, mhd. grînen - den mund verziehen: lachend, knurrend, winselnd, weinend; winseln, heulen, lachen)

den Mund verziehen: lachend, knurrend, winselnd, weinend; winseln, heulen, lachen; widerlich weinen, flennen (vor allem von Kindern)

"Wenn den hunden die beüch kurren,
vil gras essen, greinen und murren"
(Reynmann wetterbüchlein, in der bauernregel )


 

Greißler

[Ableitung aus mhd. grûsz, gruӡ = Getreidekorn; Nebenform von Gräußler]

Kramer, Krämer, Tante Emma Laden, kleiner Lebensmittelhändler

Greißlerei = Kramerladen, Krämerei, Lebensmittelgeschäft

Greißlermentalität = eng begrenzter Horizont; Bestreben sich abzukapseln.

Im Suden kauft man beim Greißler oder beim Kramer „an Kas, a Birn oder a Brot", im Norden beim Tante-Emma-Laden „nen Käse, ne Birne oder n Brot”.

groatig

Eingebildet, selbstgefällig

 

Vgl. roatn

 

D Lina is a hibsche Groatige.

griawig, griabig, griawi(g)

[mhd. gerueric, gerüewec = gelassen, rühig her, rührig, munter]

gediegen, gelungen, angenehm, gemütlich, lieb

Nach an hoaßn Dog im Birig is a kühle Maß Bia in a griabign Hittn ebbs scheens.

gschafti, geschäftig

niedlich, herzig, lieblich; lebhaft; wichtigtuend

 

Gschloda / Gschloder / Gschlader / Gschlåda / Gschlådrach (das)

 

Ein schlechtes, minderwertiges Getränk, dünne Suppe, geschmacksarme Flüssigkeit, vor allem schlechter oder dünner Kaffee (Norddeutsch: "Blümchenkaffee")
(abwertend)

Vergleich Glutschn
"Die Glutschen kannst da ghalten" (hier: warmes Bier)

 

(Etymologie - vielleicht von Geschlotter: der von dem ausgekochten Salz übrig bleibende Schlamm)

 

'Ein bachelwarmes Gschloder ist eher ungenießbar".

gschlaxt / gschlaxt

 

geschlacht  

(mit Frikativierung von /r/ durch /x/ oder /ch) in der Stellung vor /t/)

 

1. (die Geschlacht) mhd. slahte, slaht, schlacht = Geschlecht, Art, Rasse

2. (die oder das Geschlacht)Wasserdamm, Uferbefestigung aus eingeschlagenen pfählen gebaut,  hölzerne einfassung

 

= handsam [handsam], schönwüchsig, geradewüchsig, lind 

'In gschlaxdn' (im Geschlachten) ist ein Bad Ischler Revier."

gschmoh, gschmoch 

[gschmɔ], [gschmoch]

gemütlich, griabig, graziös, gut zu leiden, sympathisch, kommod, lieb, nett, sauber, nett, anschmiegsam, „danschig“;

sich leicht anpassend, handsam;

 geschmackvoll, handsam
quicklebendig, agil;
 

(mehr)

»Du bist scho aa so wos G'schmochs aa! Geh weita, Marie!.. Ös woaß's und siehcht's ja koa Mensch it und i bin stad - stad wia'r a Grob!« (Oskar Maria Graf)

»I hob koan Appatit und koan Gschmoch (Geschmack)« (Oskar Maria Graf) .

gschnappi, gschnappig [gschnabbig]

[mhd. schnappen = schnappen, schwatzen]

frech, vorlaut, schnippisch

 

Gschnas (älter: Gschneise)

[mhd. sneise]

1. (der/das) Reihe gleichartiger Dinge, wertloses Zeug (Graffl, Gerümpel, Tand, Gfrast Glumpert, Grafflwerk, Klump)

2. (das) Maskenfest, Faschingsfest

Billige, nachgemachte Touristentracht hat einst der Mautner Conrad als Gamshuaberlgschnas bezeichnet

Das Wildergschnas ist ein bekannter Faschingsball.

gspezig

herzlich, lieblich, vor allem ein Kind

Mei is as Wuzl ned gpezig, schaug wiar ea schaugt!

Gsturi

(fast) aussichtslose schwierigkeiten, Aufsehen, Getue, Mühe, Umstände, Gedränge

Wann a Arwat (Arbeit) hint und vorn feiglt und bärt, dann hat ma a Gsturi beinand.

Mach keine Gsturi = Mach keine Geschichten

Gundl / Gunngl

große Kuhglocke oder ähnlicher Hohlkörper, bauchige Fläche (tirolisch)

 

gwand

[gwaand], [gwaund]

recht, praktisch, günstig

(Vgl. husig)

Das waar scho gwand, wenn Sie’s gleich machen kanntn! BrauchenS a Tragl (keine "Tüte"!)?

Ja, das waar ganz gwand, wanns ma häifa kannst!

Putzt si d'Schuach und nocha hauta sich ins Gwaund
Dann beuteln sie den Ferdinand ausm Gwand.

Gwand, Gwånd  / Gwaund

[gwɔnd], [gwaund]

 

[mhd. gewant, ahd. giwant, urspr. "das Gewendete", d.h. das in Falten gelegte Tuch]

Kleidung; festliches, liturgisches Kleidungsstück (Meßgewand), Tracht

 

Das Wort Tracht kommt von "tragen", vergleich "eine Tracht Holz (so viel man tragen kann), eine Tracht Tiere, der Ertrag (eines Ackers) etc.

Der Begriff "Tracht" stand ursprünglich (und sollte auch so bleiben) ganz einfach für Kleidung und keinesfalls in jedem Gegensatz zur Mode, wie das heute fälschlicherweise oft gemeint wird.

 

(auch Onglegat)

Heid håst a schneens Gwand o, gehst aménd auf a Feia?

Fia d Kirch leg i oiwei mei Suntagsgwand (Sonntagsanzug) o, awa unda da Woch mei Weritagsgwand (Werktagsbekleidung).

das, Gewirkst / Gwirks / Gewirks / Gwiaks / Gwirx

Zwickmühle,
schwierige Lage,
Durcheinander

 

hafti (haftig)

heftig, sehr, besonders, arg, ungeheuer, extrem

Bei uns daham wird mühvirdlarisch gred, des is oba ned so hafti wirs in Tiroi untn redn (Bei uns zuhause wird mühlviertlerisch gesprochen, das ist aber nicht so arg als in Tirol gesprochen wird.)

(Und mühviertlarisch miassat scho vasteh weu des is ned so hafti wir schwizadütsch)

Es is uboasch haftig, owa wia hom ins hiatz schon extrem long neama gseha - a wüde Gschicht. I hoff, mia sehan ins beim Oidausseer Kiritog - Montog war gschmoh. Tat mi narrisch gfrei.

hai / hei [hai]

 

hae, haö, häu, häul, hal, hail, håö 

Nordbairisch
haal

[ahd. hâle, hâli;
mhd. hæle, hael, hâle, hêle = glatt, "hæle als ein glas"]

glitschig, spiegelglatt, schlüpfrig, rutschig (bairisch: rutschert [rutschat], seifig [soafig], glatt

Varianten:

'glitßlhal' - Tirol
'glidshåö' - Mühlviertel
'schbritßhåö' - Steiermark
'schpieaglhåö' - Kärnten, OÖ, NÖ
'grohimöhåö' - Innviertel
'glåshåö' - Linz, Obersteiermark
'rotßhåö' - Innviertel, Salzkammergut, Weststeiermark

 

Vgl. kasn, hasn, hasnan

 

siehe auch „auf dem Eis gleiten“ auf Bairisch

etwas verheimlichen, geheim halten, Verheimlichung

Paß fei auf – nachm Schnee is da Weg hibsch hai! Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

 

Gâwân sich hal des tougen,
daz sîniu liehten ougen
weinen muosen lernen.
zeiner zisternen

Wolfram von Eschenbach
1170/75 - nach 1220, Parzival (um 1200/1210) Buch XIII (627 - 678)

 

Nach den vielen sonnigen Tagen ist der Kiesweg ausgetrocknet und daher recht sunnhei [sunnhai] ("Sonne-hei").

 

Das Glück hat an häul(en) Schwoaf. (Das Glück läßt sich nicht am Schweif packen und festhalten.)

heben

halten

daheben

aufheben (mit Mühe), "damanzn"

staadheben

still halten

iheben

anhalten

ghebt

gehalten

ghoben

davongehoben

handdi (hantig)

[mhd. handec = bitter, scharf, schneidend, stechend]

bitter (bidda), scharf, unfreundlich, barsch

Ganze ohne Heng (Honig) is dâ Tää fei scho handdi!

 heanzen, heanzn

verspotten, höhnen

der Hean`z - ursprünglich deutscher Bauer in ungarischem Burgenland

1. Südburgenländer, auch als Spottname

2. Ein zynischer, Spötter oder unerträglicher Mensch ist in Heanza

Du soist mi ned a so heanzn - i dua di hoit aa ned dableckn!

(die) Hetz [heds]

hetzig

Spaß

aus Hetz, hetzhalber = zum Spaß,

spaßig, lustig

vgl Gaudi

Das war eine Hetz!

Da Franz ist immer bei einer Hetz dabei.

Maradona kickt nur nur, sonder forderte nun hetzhalber Exchampion Laciar.

hiatn (hüten)

[mhd. hüeten, ahd. huotan = auf jemanden oder etwas aufpassen, damit ihm kein Schaden zugefügt wird]

babysitten,

schützend bewachen (Tiere, Haus, Weidetiere)

Heit geh i nit ins Wirtshaus, i muaß d Kinda hiatn.

honaggisch

schneidig, angeberisch, keck, herausfordernd

Dea is a rechta Kreereißa - dea duat so honaggisch ogeem, daß du eahm daschlong kannst.

hoamalantn

durch einen Gegenstand oder Umstand an die Heimat erinnert werden

Da duat’s ma hoamalantn, ois is iaz anders dahoam, da hoamlants ma ned mehr recht.

Hudl

[spätmhd. hudel, mhd. huder = Fetzen, eigentlich 'zerfetzen', Lappen, Lumpen’]

1. Stoffdecke, alte

2. Decke, Tuch (siehe auch Hadern)
 

3. Haufen ('a Hudl Schnee')

(siehe Menge)

Ein Hudl Schnee ist ein Haufen Schnee.

Ein Wischhudl ist ein Putzlappen.

hudln (Vb.)

[spätmhd. hudel, mhd. huder = Fetzen, eigentlich 'zerfetzen', Lappen, Lumpen’]

etwas hastig machen, hektisch sein;

es eilig haben, etwas schnell schnell machen, kommt meistens nix gschteits dabei raus

Hudelei, Hudlerei f. ‘Stümperei, Pfuscherei’ (d.h. 'dauerndes Hudeln')

lobhudeln Vb. bzw. Lobhudelei f. ‘übertrieben loben, schmeicheln’

Hudler m. jemanden, der dauernd hudelt

hudriwudri, hudriwusch (adj.), 
Hudriwudri, Hudriwusch  m. - überhastet, oberflächlich, zerfahren, wirr; ein unkonzentrierter, schussseliger (botschat) Mensch, der alles zu schnell macht und 'ruascht".

 

Vgl. jaggn = eilig gehen, hastig arbeiten (pong.)

Nur ned hudln!

Vom hudln kemma den kinna. (von hastiger "Erledigung" kommen Kinder)

hunzen

ärgern, nicht gelingen wollen, nicht reibungslos klappen, Vgl. feigeln oder fuchsen

Diese Arbeit hunzt mich! = „Diese Arbeit quält mich, ärgert mich, mach mir mannigfaltige Schwierigkeiten und Probleme, sodaß ich mit ihr nicht so rasch, wie ich es dachte, fertig werden kann."

verhunzen" bedeutet ein wenig etwas anderes. „Ich verhunze die Arbeit." heißt, daß es meine Unfähigkeit ist, die die ordnungsgemäße Vollendung der Arbeit verhindert, also die Arbeit verpfuscht habe.

husig, husi, huseg, hussig

 

[mhd. hiuze = munter, frech, frisch]

1. eilig, geschwind, rasch, lustig, lebhaft, schnell, hurtig, eilig, gach;
2. praktisch, brauchbar, handlich, fleißig, hilfsbereit, tüchtig

(Vgl. gwand)
3. sehr gut, brav
4. wiff, clever, gescheid
(mehr)

 

Das Gegenteil von husig ist "uhusig" (u.a. "unpraktisch")

(Vergleich auch hussen / hussn)

Wichtiges Wort, vor allem im Wirtshaus: „Bittschea no a husigs Seitl“ (Oder der Sperrstunde zum Trotz: „Geh, oa husigs geht no !“)

Dann ging's wieder husig aufwärts und sogar auswärts unter Leimegger, dann mit dem Kößl-Wastl.

 

iawaramoi („übereinmal”)

iawö, iawön, iawand,
iawan moi, iawan a moi,

iawat = je(mals)

ab und zu, gelegentlich, manches, manchmal, manches Mal,
 immer wieder einmal,  vereinzelt

 

Vgl. a diam

iawaramoi do fragt mi dann mei Bua: he Vata sog ma nur wer san de bled’n wer die gscheit’n?

('Hey, Vater, sage mir nur, wer sind die blöden, wer die Gescheiten')

Klampfe(n) (m.) [klambfm]

(mhd. klampfer = Klammer, Hacken;
klimpfen
= zusammendrücken, zusammenziehen, drücken, einengen, klammern)

1. Bauklammer, Mauerklammer

2. Gitarre

Hei, wie die Klampfen klingen.
In dem frischen Morgenwind,
Wenn wir unsre Lieder singen.
Wenn der Tag beginnt

klauben / klaubm / klaubn, aufklauben, klaubern, klaupern

[ahd. klubon, mhd. kluben - pflücken, stückweise auflesen, stehlen;
Worte allzu genau auslegen (Wortklauberei)]

sammeln, etwas vom Boden aufheben, (auf)lesen, (Obst klauben)

 

Klaubbirne - gedörrte Birne, 'Klôbirn', Kletzen (mehr

Klaubholz - im Wald frei am Boden liegendes Holz, das gesammelt, z.B. als Brennholz verwenden zu können

 

Pflückobst wird gebrockt, Fallobst hingegen wird geklaubt

Vgl. brocken

Gedicht um Maria Lichtmeß
(Überliefert von Franz Xaver von Schönwerth, 1810-1886)

„Heint is da Läichtmess-Dog,
dou bin i frei und frisch,
klaab meina Kloidla zam
und setz mi hintarn Disch.
Bäurin, drog an Beidl rei,
Bauer, mach, zol mi aas,
gimma, wos d‘ schuldi bist,
nou scher i mi aas dein Haus.“

Klescher (m.) [klescha]

kleschen [kleschn]

 

der Klescher

1 Ohrfeige

2. Knallendes Geräusch, Schlag

3. geistiger Defekt ("er hat einen richtigen Klescher" - bei ihm tickt's nicht richtig)

4. Autounfall

kleschen (Verb) - (hat)

1. knallen, krachen

2. ohrfeigen

3. klatschen, ein schallendes Geräusch hervorrufen

4. mit lauten, trampelnden Schritten gehen

"Bald wird es einen Klescher machen, und es sind dann die Jungen, die das bezahlen müssen..."

 

kletzen [kledsn]

[mhd. kloezen =
'
spalten’]

spalten

Vgl. klieben

 

Siehe auch: Kletzenbrot, Klotznbrot, Kloatznbrot, Hutzenbrot

Da das Dörrobst gespalten wird, mancherorts auch 'Speitel' genannt, ebenfalls Hutzeln (wegen der hutzeligen, d.h. 'runzeligen' Erscheinung"

 

"Kletz, Kletz, Klopf ma an,

hama z'rissne Hosn an,

geht der Wind aus und ein,

Bäurin, schütt ma an Kübl voll Kletzen ein."

(Anklöckeln- oder Kletzein-Spruch aus Salzburg)

klieben

[mhd. klieben,
ahd. chliuban klioban
= '
aushöhlen, in Stein, Erz, Holz eingraben, gravieren’]

spalten, sprageln, zersprageln


z.B. Holz klieben

Vgl. kletzen, spreißln

 

(unregelmäßiges Verb: kliebte/klob,
hat gekliebt / gekloben» 

 

Aussprache (klieben):

mittelbairisch: [gliam] [kliam]

nordbairisch: [gläim],
vordderer Bayerischer Wald: [gluim], [gloim]

(standardsprachlich, teile veraltet, aber noch landschaftlich für [sich] spalten);

Beugung:

du klobst u. kliebtest;

du klöbest u. kliebtest;

gekloben u. gekliebt;

klieb[e]

Kramer

[ahd. kramâri = urpr. jemand, der in einer Marktbude Waren verkauft,
lat. comparare, spätlat. cromprare = kaufen, handeln]

Greißler,

Kleinwarenhändler

Im Süden kauft man beim Kramer oder Greißler „an Kaas, a Birn oder a Brod", im Norden beim Tante-Emma-Laden „nen Käse, ne Birne oder n Brot”.

Kren (Krea)

[grẽẽ], [gree]

Meerrettich

(mehr)

Vom Topfen über die Marillen bis hin zum Schlagobers, den Paradeisern, Erdäpfeln und Kren wurde um den Ausdruck österreichisch-bairisch alpenländischer Identität gekämpft

Krusch / Grusch

[mhd. krusch = das Geringste abgeleitet]

 

 

Krempel (älter: grempel, wohl zu mhd. grempeln = Kleinhandel treiben; spätmhd. grempen aus ital. comprare ‘kaufen’, vlat. comperāre, lat. comparāre ‘beschaffen, bereiten, erwerben’),
Kleinkram
,  Krimskrams,
Graffe
(mehr),
Ramsch, 
Kramuri
(aus Kram und der rumänischen Pluralendung -uri)
Glump / Klump, Glumpat, Klumpert

(mnd. klump(e) - Klumpen, Haufen, Häufchen, Handvoll)
 

 

 

So a Krusch - dies kannst gleich wegwerfa!

 

Kunt, Kuntaling

[mhd. kund = befreundet, bekannt]

 

(mehr)

Kerl, Bursche, Liebhaber

Hier besteht ein Zusammenhang mit dem Verbum "kennen". Zur gleichen Wortfamilie gehören auch die Wörter kund, Kunde / Kundin, Kundschaft.
Sinngemäß nach J.A. Schmeller (Bayerisches Wörterbuch): Der Kunde (Kunt), die Kundin (Kuntin) - der / die mit jemand Bekanntschaft, Umgang, Verkehr hat, besonders in Bezug auf das Geschlechtsverhältnis: Der Geliebte, Liebhaber, die Geliebte.

A glenga Kunt ist ein eigenartiger Kerl, Kauz.

A riesiga Kunt ist ein großes Mannsbild.

A gspassiga Kunt ist ein lustiger Bursch (der durchaus ein erwaschener Mensch sein kann).

Laddiel, Lattirl

Tolpatsch

Lattiel - aus der Verschmelzung von zwei annähernd gleichbedeutenden abfälligen Bezeichnungen hervorgegangen: „Lapp-didel“ wird zu „Latti’l“. Dass heute der Zwielaut „ia“ gesprochen wird, könnte in Anlehnung des undurchschaubaren Worts an „türl“ („Tür“) erfolgt sein. Deswegen kommt neben „der Lattirl“ auch das sächliche Geschlecht vor: „das Lattirl“. (mehr)

A Laddiel loss si ois gfoin!

lai, lei

[mhd. līch, gelīch = gleich]

bloß, nur

Vgl. gnetta / netta (mehr)

 

Verbreitung vor allem in Kärnten und Tirol

vor allem als Faschingsruf der Vilacher als "lei-lei"

Des is des Weatabuach (Wörterbuch) fia ålle, de wås die Keantna (Käntner) a bissale schwea vastehn tuan. Siha wean a poa von de Weata nit lei in Keantn vuakuman. Kånn schon sein, dos die Weana (Wiener), die Beian (Bayern) und woswasi wea no ålles den söbn Kas zomredn.
(Keantna Weatabuach zum Sölbamachn)

 

Karntn is lei ans - Kärnten gibt's nur einmal

 

lei mannder = nur (bloß) Männer
 

Tirol isch lei oans:
Tirol isch lei oans,
Isch a Landl a kloans,
Isch a schians, isch a feins,
Und dås Landl isch meins.
(Text:Sebastian Rieger, 1867-1953 / Melodie - Vinzenz Goller, 1872-1953)

leinwand, leiwand

[mhd. lînwât = Leinengewebe]

bärig, klass, super, großartig, außergewöhnlich, vortrefflich

(mehr)

Leiwand ist, wenn es dir taugt. Leiwand ist; in Wien zu sein

letz, letzet, leitz, lötz, lez

letzig, letzich = schadhaft; im Gebrauch seiner Glieder behindert

[ahd. lezze, mhd. letze, lez (verwandt mit laß, lass, ahd. u. mhd. laz, urspr. = gehemmt) - schwach, kraftlos, müde, träge ]

 

 adj. und adv.

1.  verkehrt, link, unrecht; verkehrt, unrichtig, unrecht, schlecht

(Vgl. abich)
2.  schlapp, müde, kraftlos, weich, klebrig

 

A letzas Lötterl - ein schwacher, kränklicher Mann

Wegen an Nebel is des a letze Sicht da unten!

Meine Hand hängt ganz letz (laß) oba, da ich so schwach bin!

 

losen, lousn, lusn

[ahd. hlosen, hlosên, hlosôn, losên, mhd. losen, lusen]

hören, lauschen, zuhören, horchen, lauern

auflosen (ålosn - [ɔlosn]) - auflauschen, auflaustern, belaustern

loos amal zua (loos du amoi zua)

loost’s amoi zua (loost ös amoi zua)

Bei enk håben mia uns 'an Guster ghoit', åglost hinter eich nåchi då.

 

Mascherl (Subst.) (n.)

 

Verkleinerung (Diminutiv) zu Masche

[ahd. masca, masga, mhd. masche = Geknüpftes, Garnschlinge, lockeres Gewebe]

gebundene Schleife, Schlaufe, Schlinge

1. im Haar, z.B. ein Haarzopf wird durch ein Mascherl zusammengebunden

 

2. am Schuh, z.B. mit einem Schuhband ein Mascherl machen

 

3. am Hemdkragen, eine Fliege (Mascherl) binden

 

4. auf einem Geschenkpaket ('Packerl') mit einem Mascherl (Schleiferl) schmücken

 

5. In der Jägersprache gilt Masche ursprünglich für die Fangschlinge oder das Fangnetz oder Schlinge zum Vogelfang

»Mit 'etwas hat kein Mascherl' meint man, daß gleichwertige, vermischbare Dinge (Geld, Getreide, Massenware, etc.) nicht individuell zugeordnet werden kann.

 

z.B. Sprichwort: 'Das Geld hat kein Mascherl' = Wo gewisses Geld herkommt, ist nicht genau nachvollziehbar) 

 

 

mentern (Verb)

mentrisch / mentisch (Adj.)

mentern - heftig schimpfen, wütend herumschreien, lauthals fluchen,
vgl. 'belfern' [baifan]
(‚keifend schimpfen')

(mehr)

 

mentrisch - abgeleitet von 'sakramentisch', d.h. arg sehr, gewaltig, sakrisch

(mehr)

 

 

Modlat, Gmodlat

dummes Gerede, Bezeichnung für einen Film, ein Stück mit seichten Inhalt

 

Mugl (der), Mugel (der),

Mugerl (das)

 

spätmhd. mugel = Klumpen

1. kleiner Hügel, Bodenwelle, z.B. eine Skipiste mit vielen 'Mugeln'

2. großes Stück, groß (siehe Beispiel rechts)

 

Adj. mugelig = hügelig, wellig

Verb mugeln = sich anhäufen, einen Mugel bilden

Mugelpiste = wellige, unebene Piste

(Mugerl heißt auch ein "kleines, rundes Brot")

1. Wanns iwa a Mugelpistn mit de Schibrettl fahrst, brauchst stramme Wadl!

 

2.  „Ochd Dog schbeda hot si da Jesus mi n Petrus und mi n Johannes auf a Bakl zaumghaud (mit jdm. eine Gruppe bilden) und hod si mit eana fazoong, auf an mugl Beag aufe, in d Aaschichd (Einöde, Einsamkeit)″

(aus 'Da Jesus und seine Hawara', S. 121,
'Wie da Jesus zan Leichdn und Glaunzen aufaungd')

naggln, någgln

någgitzn

hin und her bewegen,

leicht hin und herwackeln

 

Ein Någgla ist ein älterer oder betrunkener, etwas tattriger Mann, auch einer, der die Fahne nach dem Wind hängt

Bei eam kimmd des net vom sauf'n,
a so duat er sogn,
er kon einfach im Bus drin
des auf und nieder und des naggln ned vadrong.

 

Ea nagglt imma wida an den Zahnd bis ea aussa kimmt!

ninascht, niendert, nienert, nirngs

mhd. ni[e]rgend[t]
ahd. ni io wergin

nirgend(s), an keinem Ort, nirgendwo

 

Das Gegenteil heißt
anoat,  anort, anoats, anoacht, ärchadswuu, anouschd, åndaschtwo

Die sä sand obnbei, und wia mi ziemt, fahln s eh ninascht in an greßan Gebirg.

 

Das neichi is ninascht zum auftreim, fa wo kauma sie deis besorgn??? Das easchti is recht guid won, owa das zweiti hob nau ninascht gsegn bzw. keat!

Oarschichtiger

(„Einschichtiger“)

oaspânni (einspannig)

Ledig, Single

Der håt koa Weib, da Oarschichtigâ!

Ma siecht, daß eâ no oaspânni is, weil eâ as selbe Hemad wia gestern (gestring) ohåt. Der Bairische Nußknacker (Nr. 153)

ableamen / obleamen

spotten, bespötteln; anschwindeln

Du, von dir laß i mi no lang ned obleamen! Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

ohkeema / åbkimmt
åbkommen

abgekommen, verschwunden

Mei Hausschlüssel is adiam anouschd ohkeema – woaßt amend du, wo da is?

Der Kråpfn der verschwindt mit dem Brauch der åbkimmt.

ooschdriaggln

besudeln, bekleckern

Håst du scho wieda drezd und as neigwaschn Heemad oogschdriaggld!

oschledan

unabsichtlich ein Getränk ausschütten

Du paß amoi auf, du håst dei Milli auf d nei Dischdeck ogschledat!

anweigen / anweigeln / oweigeln

weigeln

[ooweing]

 

[ahd. weigôn,  mhd. weigen]

locken, gelüsten, auf etwas Appetit haben; anfechten; betreffen; anreizen 

 

von mhd. anwegen bzw. wegen = bewegen, jemanden zu etwas bewegen, veranlassen

Diminutiv zu weigen v. in den beiden Bedeutung 'in wackelnde Bewegung setzen' und 'anreizen'

(siehe auch Schmeller, Band II, S. 878)

 

vgl. anweigen [oweing], gelüsten [glischdn]

Da Apfeschdrudl weigad mi scho oo (daad mi scho ooweing)!

Da Kuacha daad mi oweign.


Beispiele laut Schmeller (Seite 878):

   D Spielleit tatn mi åweigln (zum Tanz).

   Des Teichl (Tuch) tat mi åweigln.

   Wer hat di denn ågweiglt dazou?

pakschierlich, [paggschierli]

 

bakschierlich, bagschierlich, backschierlich  [baggschierli];
badschierlich [baddschierli]

1. niedlich, anmutig, lieb

2.  patschert - ungeschickt

3. zart, zierlich, anschmiegsam

4. streitsüchtig

(herziges, graziöses) Mäderl

Pamperl, Bemperl, Bamberl

[Ital. bambola = Puppe,
bambino, bambo = Kind]

1. kleines Kind (Wertneutral bis positiv),
aus lat. pampini (vgl. Ital. bambini) = Triebe, Schößlinge des Weinstocks"

der Bambs

die Bambsen

das Bamberl

 

2. klein, minderwertig, verachtenswert, kläglich, ärmlich, mickrig

Pamperl/Bemperl erscheinen nur als abwertendes Präfixoid, wie z.B.

Pamperlred = kleine, unbedeutende Rede

Pamperlbetrieb, Pamperlgeschäft, Pamperlzirkus = klägliches Betrieb ("Saftladen"), auch Quetschn genannt

Bamperlwirtshaus = schlechtes, kleines Wirtshaus

Bamperlladen [bamperlloon] = minderwertiges Geschäft, Laden

Vgl. Bamperl / Bamperletsch = kleines Kind 

Jetzt blamiert er ganz Kraglfing und bringt nicht einmal die Pamperlred fertig. (Ludwig Thoma, Agricola)

 

Bemperlbauer, sakrischer, glaubst eppa, i pass auf di auf? (Emerenz Meier)

Pallawatsch

siehe Ballawatsch

 

Pfåchtl, Pfochtl, Pfåschtl  (das)

pfachtlig (Adj.)

 

[pfachten, pfächten, Verb,
mhd. phahten und phehten 'in Gesetzesform bringen, gesetzlich bestimmen; allgemeiner ermessen, ergründen',
nhd. 'eine Sache pfächten', überlegen, bedenken]

handwerkliches Geschick,
exakt und wohlüberlegend arbeiten, z.B. in der Werkstatt;
versuchen, prüfen, abmessen, eichen, visieren


 
(Das Wort pfachten war laut dem Grimmischen Wörterbuch im 16. und 17. Jahrhundert vor allem im in Baiern, Kärnten und Tirol im allgemeinen Sprachgebrauch verbreitet, jetzt beschränkt sich der Verwendungbereich vorwiegend auf Bad Goisern, im Ausseerland und Gosau im Salzkammergut)

 

Pfachtlige haben ein handwerklichtes Geschick - sei es kulinarisch, gesundheitlich oder künstlerisch und daher sehr gefragt in Werkstätten.

Ein Pfåchtl ist ein Gewisser Handgriff oder Technik zur Arbeitserleichterung.
„Da Pfåschtl treibt´s Håndwerk“ heißt so etwas wie
    „Der Vorteil treibt das Handwerk“ oder:
    „Gewusst wie“

Pfoad

 

[mhd. pfaid aus dem
Gotischen paida,
griechisch baíté
=  ursprünglich ein Rock oder Überkleid]

Hemd (Hemad)

 

Eigentlich "die Pfoad",
oft aber "das Pfoad"

 

Feiatågpfoad / Feischtågpfoad - Feiertagshemd

Weritågpfoad /

Werchtågpfoad - Werktagshemd
 

 

Ein historischer Beruf ist der Pfeidler (Hemdenmacher, Weißnäher)

De aufgehat Sunna Trifft Wiesen und Hoad Und Felda und Wälda In an seidana Pfoad. Es schimmat und flimmat, Kannst schaugn kaam hin, 's helliacht Tau, gell, rot, blau, Lauta Edelgstoa drin. (Madam Bäuerin, L. Christ)

Ja, awer auweh ums Gwand, wannst koan’n Flöck hast áf Sáckel zun dreinschoibn! Hosen und Joppen und Pfoad, und wanns noi wár vo nácht und draust Wintá, Ringeis (Neues Bayerisches Wörterbuch)

Zschnidn áf Fetzen und Stream und vorarbát áf Bándel und Söck wirds! (d’ Ahnl, Stelzhamer)

 

"Znaxt hun i mein Dinaö an Kittlzoig kafft,
dass s' nit oöwaö an Pfoadaö zan Fenster her lafft."
(Neulich hab ich für mein Mädchen einen Kleiderstoff gekauft, damit sie nicht immer im Hemdchen zum Fenster läuft)

Polster (m.),
 die Pölster
(Mehrzahl)

Polsterl (das - diminutiv)

 

[aus dem Gotischen bulstra
(Bairisches Wort seit 5. Jahrhundert)

ahd. bolstar, mhd. bolster, polster, spätmhd. auch balster, palster]

festes Kissen, Auflegematratze, elastische Auflage für Sitz- und Liegemöbel

z.B.

Duftpolster  (Duftkissen)

Kopfpolster (Kopfkissen)

Polsterbezug (Kissenbezug)

 Sitzpolster  (Sitzkissen)


Der Kopfpolster ist die stützende Unterlage für den Kopf, wenn man schläft. Auf einem Sitzpolster sitzt man und ein aus einem Duftpolster riecht es.
Und es heißt "der Polster", nicht "das Polster", als diminutiv "das Polsterl". 

potschat / patschert / påtschert

unbeholfen, schwerfällig, ungeschickt

von ungarisch "bocs" = Bärenjunge

wia i am Suntog mitn Hansi im Stadionbod war und wollt des letzte Mol rutschn und potschat wie i bin, hob i mit da Lippn af de Rutschn aufgschlogn!!

pracken [prackn / brackn]
Pracker [pracka]

1. boussen (mehr), klopfen, schlagen

2. aufschlagen, fallen, hinfallen, stürzen

3.  einüben, exerzieren,einpauken (jmdm. etw. durch Pauken beibringen = ihm Geschichtszahlen, z.B. Lehrsätze einpauken)

 

Der Pracker ist der Teppichklopfer, mit dem man einen Teppich o.ä. ausprackt oder ausboußt (mehr). Mit einem Fliegenpracker kann man ja Fliegen und andere kleine Mistviecher "daschlagen".

I prack da gleic oan auf dein Birn, wånnst so weiterduast" = "ich haue dir gleich eine runter auf deinen Kopf, wenn du so weitermachst."

Då hat's mi niederprackt und ich hab an Stern gerissen" = "da bin ich hingefallen".

pratzln [bratzln]

[event. aus dem Griech. prattein = handeln]

jemanden betrügen, hintergehen, übervorteilt, übers Ohr hauen, bescheißen, ausschmieren

Wenn einer den anderen übers Ohr haut oder ausschmiert, dann pratzlt er ihn.

die Ramassuri /  Ramasuri [ramasu:ri]
Remassuri
[remasu:ri]

[auf italienisch rammassare (sammeln, aufhäufen)]

großes Durcheinander, Chaos, Tumult, Trubel, Verrücktsein,  Wirbel

 

(Vgl. Charivari, Ballawatsch)

Nach dem Wetter (Gewitter) war es eine Ramasuri in der Stadt, Trümmer waren auf den Straßen - a mords Ballawatsch!

rass / raß

hrass 1

prickelnd, scharf gewürzt, beißend

Die Kathl ist ganz a raßes Luder!

Da Radi is ma zua raß - dea is a gånz a raßa Hund!

raunzn / raunzen

[ahd. runezon = murren]

weinerlich klagen, unzufrieden sein, nörgeln, ächzen, klagen

Zum Raunzn is ka Grund
Horst Chmela: Mir san a Weltpartie
 

Zum Raunzen is' ka Grund, na
d'e Hauptsach', mia san' g'sund
zum Raunzen is' ka Grund, na
d'e Hauptsach', mia san' g'sund

reahn / rern / rean / hrian

 

[mhd. u. ahd. reren = brüllen, blöken, laut weinen, einen längeren, hohlklingenden Laut von sich geben, schreien]

laut weinen

röhren (Hirsche)

„Reahra” = Aufschrei, Geplärr

Wann`s d lochst donn lochst wia frischgfollener Schnee, wann`s rerst donn rerst mit dein gonzn Hoamweh 

resch [reesch]

rēsch, raisch

 

mhd. rosch, rösch, rösche

Der neueren Schriftsprache fehlt das Adjektiv, dagegen ist es in den Mundarten lebendig erhalten, der form nach teilweise durch Dehnung und Färbung des Stammvokals oder im Auslaut verändert:
rēsch, raisch

laut Grimmschen Wörterbuch

 

1)  kräftig beweglich, schnell, behende, munter, frisch.

a)  der bedeutung von gesund sich nähernd, munter, frisch

b) schnell, behende, kräftig beweglich zur arbeit, zur that, zum kampf, muthig, herzhaft

c) auch von unpersönlichem

d) heftig, tollkühn

 

2)  jäh, steil, abhängig

 

3)  am verbreitetsten in der bedeutung spröde, harsch, unter dem druck nicht nachgebend, sondern zerspringend, prasselnd, knisternd. von gebackenem und gebratenem

4)  rauh, auch in milderem sinne, ernsthaft, strenge

5)  vom weine, schweiz. röösche wi, scharf, herb, prickelnd, perlend im gegensatz zu weich, lind, womit der kahnige schwere wein bezeichnet wird.

6)  bergmännisch: rösches erz, das nur grob gepocht ist.

1a sô sol man vor den lîp muogen ein wênic mit etlicher arbeit, wan daჳ machet den lîp rosch unde lîht. Meinauer naturl. 7; ein röster witwer, ein munterer, frischer witwer

 

1b rosche ze fernumiste, veloces ad intellectum

 

1c sein ganch der sey vil rösch und schlecht.

 

1d rösches feuer: decket den hafen zu und setzet ihn zu einem röschen feuer.

 

2 ein röspes dach

 

3. das brot ist rösch, mit harter kruste, etwas rösch braten. vgl. die oben angeführten idiotica; mache knötlein, bachs schön rösch im schmaltz.

 

4. vir ille non solum gravis et severus: er seye nicht allein rösch und ernsthafft.

 

6. ein sprödes ungarisches glaserz. ebenda.

 

reüssieren

1. Erfolg haben (z.B. beim Publikum), brillieren
2.  Erfolg bei einer Sache haben,  meistern, triumphieren, gelingen, sich gut ausgehen

3. gut ankommen (im Sinne von einen Geschmack treffen)

4. jemanden gut bekommen

[entlehnt aus dem Französischen:
réussir
und/oder italienischen riuscire, älter escire = 'gelingen, Erfolg haben';
Das Wort riuscire ist eine Komposition aus 'ri-' (Präfix mit Bedeutung 'wieder') und 'uscire' (= ausgehen), d.h. 'es geht sich wieder aus'), beides, d.h. réussir u., riuscire  aus lateinisch exīre, Komposition aus
ex
«fuori» (hinaus/heraus) und
ire
«andare» (gehen).

 

Vergleich auch Sizilianisch:
arriniscìri, arrinèsciri, rinisciri, rinèsciri
ebenfalls aus lateinisch in exire]

Biobauern reüssieren mit Handelskette MPreis. (Schlagzeile: Wirtschaftsblatt, 26.6.2012)

 

Die burgenländische Lumitech Produktion und Entwicklung GmbH will mit "biorhythmischem", in der Farbtemperatur veränderbarem Licht, das sich im Tagesablauf am natürlichen Licht orientiert, am europäischen Markt reüssieren.
(On-Line Artikel: relevant, 16.7.2012)

 

Die junge Generation von Bayern reüssiert nicht, die eigene Muttersprache zu beherrschen.

 

Offensichtlich hat man aber die Brisanz der Lage erkannt und spielt sogar den 'Bairisch-Spielern', die die pragmatischen 'Spielregeln aus dem Bauch' und ihrem Sprach-Gefühl heraus nicht mehr richtig anwenden können, mit fairem 'Zuspiel' die 'Pässe' so zu, dass sie im kleinen Rahmen auch zu reüssieren vermögen.
(Zitat aus SPRACH-KULTUR JENSEITS DER KULTUR-SPRACHE, Mundart-pflegerische Vereinigungen in Altbayern, Inaugural-Dissertation, Wolfgang Lindner, 2006)

 

Es gäbe in Österreich viele Marken, die das Potential hätten, auch international zu reüssieren.
(Interview mit Dietrich Mateschitz in den Salzburger Nachrichten, 9.11.2013)

 

Flexion (Beugung) von reüssieren:

ich 

reüssiere 

du 

reüssierst 

er/sie/es 

reüssiert 

wir 

reüssieren 

ihr 

reüssiert 

sie 

reüssieren 

   
ich habe reüssiert

 

Geriss, Griss (das)

Wetteifern, Andrang

 

von Verb Reißen

ahd. ʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. ʒen - ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’

m die Buschen herrscht immer ein besonderes Griss.

 

Das Griss ums beste Semmerl.

 

roglad, roglat

zappelig, nervös, leicht, sanft, vorsichtig;

wacklig, in Bewegung geraten, vom Einsturz bedroht

Ge heads auf mid dem Motschka, von dem Zeig wean jo nua de Schas roglad.

 

Safalade

Safaladenschmäh / Safaladischmäh

Die Safaladi (kein Pl.) - Zervelatwurst

[zu ital. cervelatta = Hirnwurst, dieses zu cervello = Gehirn, zu lat. cerebellum = Kleinhirn]

 

Safaladenschmäh - leicht durchschaubarer Trick, Bauerfängerei, geistreich sein wollender, ein Schmäh minderer Qualität

Im Wiener Dialektlexikon von Wolfgang Teuschl steht: "abgeschmackter Witz, matter Trick, plumper Charme, Lüge".

 

Safaladinger - ein unscheinbarer, ärmlicher Mensch; abwertend für einen versandelten Menschen

"Du steckst drin wie in aner Safalade."

 

"Bassz jo auf, das s denan Farisean ned einefliagz auf eana  Safalade, und in Herodes scho goa ned!"
("Gebt acht und hütet euch vor den Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes.")

(da Jesus & seine Hawara / Markus 8, 11-21)

 

.

sandeln

mhd. seinen; goth. sainjan  - verspäten, versäumen, aufschieben, etwas auf die lange Bank schieben; jemanden aufhalten, hindern

daraus das Adjektiv seinlich - langsam (auch mit Bezug auf langsame oder träge Personen).  

 

Laut Sedlaczek (Artikel in Wiener Zeitung, "Abgesandelt oder total an Sand" vom 4.9.2013) stammt die Umwandlung von 'seinen' auf 'sandeln' durch die Verwandlung von mittelbairischem <ei> ('altes ei') - welches sonst in Bairisch zum typischen oa-Diphthong verwandelt ist (mehr) auf <a>, wie der 'Stein' im Wienerischen zum 'Staa' geworden ist.

Dazu ist zur Intensivierung ein <l> eingefügt worden und schließlich, um die Aussprache zu vereinfachung, ein Sprossvokal (<d>), also
Seinler > Saanler > Sandler.
 

 

1a. untätig, träge sein

1b als Sandler, Obdachloser leben

2. in unangenehmer Weise voll Sand sein

1a. "Auf da Baustelle håben's an gånzen Nachmittåg gesandelt, koana håd a Werkzeig in d Hånd gnomma, die Tachninierer"

1b. "Da Hubert is aus demselben Grund auf Salzburg sandeln geganga".

Sandler

1a. Obdachloser, Verwahrloster, (Norddeutsch "Penner")

Vgl. Sandlerkönig - herausragende Persönlichkeit unter den Obdachlosen

Sandlermilieu

 

2. untüchtiger, träger Mensch

Laut Maritschnik eventuell über mundartliche Lautungen zu mhd. seine (langsam, träge)

 

3. Anständige Bewohner der Ortschaft Sandl im Mühlviertel (Oberösterreich)

Da Franz schagt in letzta Zeid aus wiara richtiga Sandla - schod, daß ea so obikemma is, des is vorher a feina Binkl gween.

 

Im Wirtshaus triff i immer an, der was Gott was erzählt, er is so reich, er is so guat, er kennt die ganze Welt. In Wirklichkeit is er a Sandler , hocknstad und dauern fett , des letzte Weh in meine Aug´n, na i pack eam net. (Zwickts mi, von Wolfgang Ambros)

 

(3) D’Sandler, der g’sunde Volksstamm, der existiert noch in tausend Jåhr! (aus dem Original Sandler Lied)

schbiaglhoada

"Spiegel heiter"

ganz klar

Heid is’s Weeda (Wetter) nimma hoada (heiter), gestring (gestern) is no schbiaglhoada (spiegelklar) gwen. A bisserl diasi (dunstig) is’s worn.

schelch

Mittel- und Südbairisch [schäl], [schäleg]

Nordbairisch [schöl], [schäich]

 

[ahd. skelah, mhd. schëlh, schieh = schief]

schief, krumm, scheel (niederdeutsch)

vgl. schäps, schepp

siehe auch schiach

 

windschelch, adj., 'windschief': zu bair. schelch 'schief' und winden, st. vb., s. Schmeller-Fr. 2, 949:

 

schälfotzert (schäichfotzert / schölfotzert) - schiefmündig (siehe Fotze)

schälgoschert (schäichgoschert / schölgoschert) - schiefmündig

schähaxertl (schäichhaxert / schölhaxert) - krummbeinig

schälaugert (schäichaugert / schölaugert) - schielend

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm

schel, scheel, adj. obliquus, limus, recurvus. vergl. schielen.
I. Das Adj. ist gemeingermanisch, nur im goth. nicht belegt, ahd. scelah, ags. sceolh, altnord. skjálgr; eine stammverwandte Bildung ist außerhalb des germanischen griech. σκολιός. Die Form mhd. schelwes neben schel oder schelch weist auf einen urgermanischen durch beweglichen Akzent hervorgerufenen Wechsel von hw zu w (Grundform skélhwaz).

'Ein alter windschelcher felber baum'
 (Nestroy):


'Wie sieht er so windschelch und grimm.'
(Hans Sachs)

Schellen [schɛin], [schoin]

 

(ahd. scella, schelle, scilla, schellen;
mlat. scella, scilla, ital. squilla)

Ohrfeige

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm

"der angenommenen grundbedeutung zunächst steht die verwendung im sinne von 'schallender schlag ins gesicht, ohrfeige', die aus alter zeit nicht belegt ist und daher eine jüngere wiederaufnahme einer älteren, im allgemeinen untergegangenen bedeutung sein mag. (Frommanns)"

 

Wenn ein Bürscherl zu vorlaut wird, bremst man es mit der Frage - fang di wieder Bürschei oder magst ebba a Schoin?

der Scherz /

das Scherzl / Scherzerl

 

[mhd. scherze] hängt mit 'scherten' zusammen, das "abschneiden" bedeutet, und sich z.B. auch im Neuhochdeutschen 'Scharte' wiederfindet

der Scherz [scheads]

1. Brotanschnitt, An-/Endstück des Brotlaibs oder Ober-/Endstück von Rindfleischteilen
2. sehr dickes Stück Brot

3. (Verb) 'si a Scherzl owareißen' (sich ein Scherzl herunterreißen) - jemandem Vorwürfe machen

4. (Verb) 'si a Scherzl ooschneidn kenan' (sich ein Scherzl abschneiden können) - sich ein Beispiel nehmen können, jdm. nicht das Wasser reichen können

5. (Verb, Fußballsprache) 'einen Fußball abscherzeln' - den Ball schlecht treffen, d.h. nicht mittig sondern nur 'am Scherzl' (am Anschnitt)


das Scherzl [scheadsal]
1. (wie oben, d.h. Verkleinerung von Scherz, z.B. Leberkässcherzl, Brotscherzl)
2. Fleischanteil beim Rind zwischen den Hinterbeinen u. den Hüften (meist "Scherzel") weißes Scherzel,, schwarzes Scherzel, Hiefer-/ Schulterscherzel)

 

(Vergleich: Ranftl, Ranggal, Reankn, Buckel)  

„Schatz, geh, bring das Arsen gschwind her
Das tut sich am besten bewährn
Streu's auf a Grahambrot kreuz über quer
Nimm's Scherzel, das fressen's so gern
Erst verjag'mer die Spatzen
Denn die tun'am alles verpatzen
So a Spatz ist zu gschwind, der frisst's Gift auf im Nu
Und das arme Tauberl schaut zu“
(Georg Kreisler:Tauben Vergiften)

 

„Drauf hod eana da Jesus s Scheazl owagrissn
(Wolfgang Teuschl: Da Jesus & seine Hawara)

Scher (da)

(mehr)

Maulwurf

(Talpa europaea)

„D Scher san hoid guat fiarn Gardn, d dan d Erden umgråm“

schiach (Mittelbairisch)

schäich (Nordbairisch)

 

[mhd. schiech, schieh =
1. scheu,
2. abschreckend, abstoßend, böse,
3. schief]

 

Siehe auch Zehetner
(Baßt scho! Band 1-3)

 

hässlich; garstig; scheu, verzagt; Abscheu habend; wütend, zornig; beleidigt sein

jemanden schiech tun - jemanden (seelisch) weh tun

 

siehe auch schelch

 

(mehr)

D Marie hat a schiachs Kleid o. (hat ein hässliches Klein an)

Dös Weda is ma zu schiach, daß ma an Ausflug machn. ('Das Wetter ist mir zu grauslich dafür, daß wir einen Ausflug machen könnten')

Mach ma fei ned schiach!" (in etwa 'mach mir keine angst')

Do werds oam glei ganz schiach! ('da bekommt man richtig angst')

Tua ned so schiach! ('sei nicht so wehleidig')

scheiben  [scheim]
(Verb), hat
(stark gebeugt: 'hat geschieben';
schwach gebeugt: 'hat gescheibt')

 

[ahd. skîban

mhd. schîben (mit langen >i<)= rollend fortbewegen, rollen lassen, wälzen, drehen, wenden]

Scheibe  [scheim] (f.)

[ahd. skîba

mhd. schîbe]

 

Laut Sedlaczek (Das Österreichische Deutsch)

ist das Neuhochdeutschen (nhd.) Wort scheiben durch Lautverschiebung vom mhd. entstanden:

schîben (mhd.) → scheiben (nhd.)

analog

blîben (mhd.) → bleiben (nhd.)

mhd. schieben (aus ahd. skioban) blieb jedoch unverändert.

Beim Wort >schîben< ist jedoch diese Lautverschiebung in Nord- u. Mitteldeutschland unterdrückt worden, dadurch sind die beiden Wörter in der Form 'schieben' zusammengefallen.

zu scheiben

1. rollen, schieben

2. kegeln (z.B. Kegelscheiben)

3. Kurzpaßspiel auf engem Raum (Fußballsprache) - 'Scheiberlspiel'

 

Andere Formen:

herausscheiben [aussi-/aussascheim] - 1. 'etwas herausscheiben'
2. z.B. einen Witz, eine lustige Bemerkung machen, "in humorvoller Weise den Nagel auf den Kopf treffen"

 

sich scheiben - 'es scheibt sich etwas' oder   'es scheibt sich etwas' ' heißt 'es tut sich was' resp. 'es tut sich nichts'

umscheiben - mit z.B. dem Auto umstoßen, überfahren

 

die Scheibe

Scheibband - Tragriemen, Brustriemen zum Karrenziehen, Tragegurt

Scheiberl (das) - ein verunglückter Schuß, bei dem der Ball nur leicht ins Rollen kommt (Sport)

Scheibtruhe [scheibtruach] (Truhe mit 2 Griffen und 1 Rad zum Transport von z.B. Laub, Erde, Materialien, Sand) - Schubkarren, Schiebkarren (Norddeutsch: -karre), Radltragen, Radltruhe [radltruach]

 

Beilagscheibe, U-Scheibe, Unterlegscheibe

 

Die Scheibe [d scheim] heißt u.a. auch Reim (Kurve).

Er scheibt eine ruhige Kugel.
('Er hat nicht viel zu tun.')

 

Die schneeigen Kelche zerstieben,
da blank durchs Gewölk es sich scheibt;
ich hab dir gelernt, es zu lieben,
wie der Nachtfrost die Blüten zerreibt.
(Heike Kellermann, Wolfgang Rieck
Zur Baumblüte Lyrics)

 

Wenn ich das (hinter sich getriebene) recht wider für sich scheibt.

 

der (Schlag-)Rahm

Sahne

(Schlag-)Obers

Meng’S a weng Schlagrahm auf Eahnan Topfenstrudel?

schleini / schleinig / schleunig

 

[mhd. sliunec = eilig
ahd. sliumo = sofort]

rasch, flink, geschickt: schleunig, unverzüglich, sofort, schnellstmöglich

 

(mehr)

Dua schleinig! Beeil di a weng!

Irgendwie is diesesmoi de Schui voi schleinig vergonga!

schoppen [schobbm] - Verb

(Intensivbildung zu schieben, gebildet vom Präteritumstamm, d.h. der 1. Vergangenheitsform schob)

 

Schoppung [schobbuŋ] -  Substantiv (f.)

schoppen

1. stopfen, pferchen, hineinzwängen, hineinstopfen, hineinstecken, verstopfen, vollpfropfen;

 2. bauschen, einen Wulst bilden; z.B. eine Bluse, die 'geschoppte' Ärmel hat, d.h. gebauscht

3. (bei Geflügel) stopfend mästen, zur raschen Mast mit Futter vollpfropfen, nudeln, wie man es mit Gänsen macht;

4. gierig essen, schlingen (vgl. urassen)

5. sich schoppen - sich stauen, ins stocken geraten, eine Verklausung verursachen

Vgl. ausschoppen - ausstopfen

sich verschoppen - wegen einer Engstelle zur Verstauung, Blockade kommen, z.B. ein Bach nach einem Sturm, der durch Äste, Laubwerk etc. 'verschoppt' wird

 

Schoppung

Stau, Verstopfung, Verklausung

„Da mei Stiefel so nåß vom Reng waren, hab i de mit an oidan Lumpan ausgeschoppt bis die si wieder trickert haben."

 

mit Heu ausgeschoppt kann z.B. ein Kopfpolster oder sogar eine Decke sein.

Wenn man zu viele Topfennockerl in sich hineingeschoppt, kriegt man eine Wampn.

 

Wenn z.B. nach einem Storm [weeda] Äste und Laubwerk in einen Bach hineinfallen, so kann dieser sich „verschoppen“.

schupfen

[mhd. schupfen]

 

(2. Partizip - hat geschupft)

1. (intransitive Verwendung, d.h. ohne direktes Objekt)

a) tanzende, hüpfende Bewegung

b) galoppieren (wie bei Pferden)

c)  schwappen, von einer hin und her wogenden Bewegung flüssiger oder luftförmiger Massen), hin und her wälzen

d) "aufschupfen", auftauchen

e) in die Höhe steigen, sich lichten, z.B. der Nebel schupft sich

f) brühen, wie z.B. "frische Würschte schupfen (auch 'schüpfen')
 

2. (transitive Verwendung, d.h. mit direktem Objekt)

a) etwas oder jmdm. einen Stoß geben, ihn durch einen Stoß von der Stelle bewegen,

b) "in die Höhe schupfen", d.h. werfen u. ähnlich

 c) einen Verbrecher (als Strafe) in einem Korbe in die Höhe ziehen und dann ins Wasser schleudern

d) schaukeln, wälzen (z.B. Schupfnudeln)

e) abwerfen, einen Stoß geben, anstoßen, leicht oder kleine Distanz werfen "etw. einen Schupfer geben"

"In dem Sprichwort: ein Pferd, das zu viel Futter hat, schupft seinen Herrn."

f) zucken, z.B. die Achsel schupfen

 

siehe auch Wörterbuch der Gebrüder Grimm mit etlichen Hinweisen auf Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch

 

geschupft [gschupft] - 2. Part. von schupfen:
überspannt, exaltiert, mit unzulänglichen Mitteln z.B. einer Mode-Erscheinung folgen


1a
"Als er an den heißen Strand angekommen ist, hat er plötzlich angefangen zu schupfen, da er keine Sandalen angehabt hat."

1b
"Die Rösser schupfen übers Feld."

1c
"Etwas schupft hin und her im Glas."

2a
"Jemanden aus dem Sattel schupfen" (im Streit) oder "Jemandem aus dem Weg, ins Wasser schupfen".

2b
"Die haben den Bursch an den Füssen ergriffen und mit Wasser geschupft, oft bei den Haaren herausgezogen."

2c
Vorher wurden z.B. betrügerische Bäcker, aber auch für Matrosen, Meineidige, zänkische Weiber "geschupft", d.h. ins Wasser geschleudert.

2d
"Af da Hutschn kann man schee hin- und herschupfen

2e
"Er hat dem Ball einen Schupser gegeben und ins Eck gekeit."
"Auf der Baustelle können die Mauerer sich die Ziegeln zuschupfen."
 

2f
"I hob die Irxn gschupft."
"Die Eheleut müssen gute Achseln haben, denn sie müssen dieselben oft über ein Sach schupfen" (Schöpf)

 

Schupfen (m.),

[da schupfn]

Schupfe (f.)

[d schupfa]

 

[ahd. scoph, scof;
 mhd. schübel, schubel; schopf, schopfe  = Schuppen, Scheune, Stadel)
 

Schuppen, d.h.

Einfacher Holzbau (Bretterhaus ) zum Unterstellen von z.B. landwirtschaftlichen Geräten und Wagen, Speicher (auch für Getreide);
Wetterdach, Vordach, offener Raum mit Überdach

Aussa schaun duad ea wia d Goaß aus da Schupfa

(jemanden, der blöd, deppert und teilnahmslos heraus schaut).

sekkieren

[lat. sĭccare = trocknen, siccus = trocken;
Ital. seccare = 1. trocknen:
2. austrocknen;
3. dörren (asciutto, z.B. Obst,);  4. infastidire "jmdn. auf die nerven gehen" ]

ärgern, belästigen, genieren, plagen, stören, quälen

 

Sekkiererei - ständige Belästigung

Sekkatur - Plage, Belästigung

sekkant (ital. seccante = lästig) - peinigend, quälend

Oma
pfüdigott
mach's drüben besser
mach keine Knödeln für die Engerln
sei so gut!
Tu nicht die Heiligen sekkiern
tu nicht den Opa
denunziern;
und gehst zum Herrgott auf Besuch - ein guter Tip:
Omama
nimm's Mutterkreuz net mit!
(Ludwig Hirsch, Die Omama)

sempern, Semperer

meckern, jammern, brummeln, nörgeln,
stänkern, maulen

 

 „Semper“ war eine frühere Bezeichnung für den Krampus oder Knecht Rupprecht.

Ein „Semperer“ ist ein Mensch, der fortwährend kritisiert oder auf lästig penetrante Art seinen Willen durchzusetzen versucht, ein Suderant halt.

I mecht ned oiwei sempern, awa wås bringt da Postbot aussa lauta Werbung!

 

Da Franz is a echta Sempara - ea sudat dahi an gånzn Tåg, låßt sei Goschn obihängn und benzt von in da Friah bin af da Nåcht..

serfen [seafen],
serfezen
[seafeddsn]

beim Gehen die Füße nicht heben

Vgl. schlaiffen [schloaffa], schlaiffezen [schloaffeddsn], schlaipfen [schloabbfa], schlaipfezen [schloabbfeddsn],
hätschen
[haadschn]

Sog amoi - heb dei Fiaß, wannst gehst, des serfezen dreibt mi schõ zon Wahnsinn!

spekulieren

[lat. speculum = Spiegel

speculārī ‘(umher)spähen, sich umsehen, auskundschaften, beobachten’
 zu lat. specere ‘sehen’

mhd. speculieren ‘sich in religiöse Betrachtung versenken, (Gott) zu erforschen suchen, sinnen’]

über etwas nachdenken, sinnieren

 

spreißln, spreißln,

spreisseln (neben spreiszen)

[spreiszeln: ahd. sprîʒalôn ,

spreiszen: ahd. sprîʒan;  sprîʒen]

 in Splittern gehen, absplittern,  zersplittert werden: spreiszelen


z.B. Holz spreißeln

Vgl. kletzen, klieben

Späne, z.B. aus Fichtenscheiter, die mit Axthieben gekloben werden, heißen 'spreißln kliaba'.

spenzln

[lat. sperare = hoffen]

flirten, einem Mädchen Hoffnung machen

Sog da Zenzi, sie sol nüchd mit den Rosknächt spenzeln!

staad, stad [schtaad] (adj.)

[verwandt mit stet, stets, stetig aus ahd. stāti, state  ‘‘fest, dauerhaft, beständig, 'stehend, zum stehen geeignet’,
mhd. stæt(e), stat, ‘fest stehend, andauernd, ohne Ende’,
gebildet zur Wurzel stehen]

1. ruhig, still, leise
2. langsam, lange Zeit brauchend, träge

 

Ein staadlistiger Mensch ist einer, der still vergnügt, pfiffig, gewitzt oder verschmitzt ist, kann aber auch 'hinterfotzig' oder auch 'langweilig' oder 'leicht introvertiert' heißen.

 

 

Sei staad und gib endlich a rua!

(= Bii staad und gib endlich a rua!)

Sei staad und gib endlich a rua!

 

Steige (f.) [schteiŋ],
Steigl (das) [schteigal]

[ahd. stīga ‘Viehstall’,
mhd. stīge, stīc ‘Verschlag, Stall für Kleinvieh’]

1. Lattenkiste
für Obst und Gemüse), z.B.

Apfelsteig, Hühnersteige, Obststeige, Paradeisersteige, Kerstnsteige

 

2. Lattenverschlag, Käfig, Stall
(z.B. zum Transport von Kleintieren, Geflügel etc.)

Der gibt ån wiar a Steign volla Affn!

Stiege (f.),

[Stiagn], [Stiang]

 

Stiegenhaus

[Stiagnhaus], [Stianghaus]

 

Stiegengeänder

[Stiagnglanda], [Stiangglanda]

 

ahd. stiega; mhd. stiege

zu Verb steigen

Treppen (-haus)

(-geländer)

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm "stiege ist ein obd (oberdeutsch). wort, im ahd. und mhd. neben grêde die herrschende sachbezeichnung, vgl. mhd. wb. 2, 2, 633, Lexer 2, 1189. hierzu stimmt die heutige mundartliche verbreitung, s. die obd. wbb. im ostmd. tritt stiege bereits hinter treppe zurück",

Man geht die Stiegen hinauf oder die Treppen aufi, nicht die „Treppen hoch“!

stieren [schdian],
 herumstieren 
[herumschdian]

 

ahd. stôran,
im Ablaut zu stören

1. stochern, stüren,

2. (herum-) stöbern, nach etwas suchen, durchwühlen, durchsuchen, durchstöbern

3. jemanden stiert etwas - jemandem ist etwas unangenehm; etwas bereitet jmdm. Kopfzerbrechen

Einen feinfühligen Menschen stiert so was, aber weißt, was ich in solchen Fällen denk? (K. Kraus, Menschheit 153).

Im Mist nach etwas Brauchbarem stierln.

stierln  [schdialn]

Iterativbildung zu stieren

1. längere Zeit und mit kleinen (schnellen) Bewegungen stochern

2. (einer Sache) genauer nachgehen, genauer überprüfen und auf Einzelheiten eingehen

3. sticheln, boshafte Bemerkungen machen

Stierlt einer in Mistkübeln oder Containern und findet brauchbare Sachen, so daß er sie ungestraft behalten.

Wenn man das Finanzamt stützig macht, fangen die Steuerbeamter an  nachzustierln.

Gegen mich fangen die schon an zu stierln, die gescherten Rammi!

Stuckera , Stückera

[sschdugg-a-ra]

 

Endung entspricht den lat. Genetiv Plural-Formen -orum/arum/erum  

"ein Stück"

etwa, ungefähr gefunden, circa
(unbestimmte Mengenangabe)

 

Stuckera vier Maß hod a jeda ghabt = Jeder hat vier Maß gehabt.

 

So ungefähr a Stuckera zehn = etwa 10 Stück.

 

Bei mir sind das auch so stuckera 60 Jahre = das ist etwa 60 Jahre her.

Surm

[suam]  

lästiger Redner, fade Rederei;

unnachgiebiger Bittsteller;

betrunkenes Gehabe

(Quelle: 1000 Worte Tirolerisch, Hans Mayr)

 

Schauer, langsam arbeitender Mensch

(Quelle: Pinzgauer Mundart Lexikon)

 

Idiot, tollpatschiger Kerl, Besserwisser; Dummkopf, Depp; ein verwirrter Mensch

(Quelle: ostarrichi.org)

 

ein einfaltiger Mensch

(Quelle: Mundart Burgenland)

Obm a Turm, unt a Turm
Und in da Mittn lauter Surm.

(Zweizeiler von Franz von Piesenham)

Tachinierern / Tachinieren

[tachinieran]

 

Herkunft unklar, laut Sedlaczek (Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs) besteht eventuell ein Zusammenhang mit rotwelsch Tarchener = Bettelbetrüger

tachinierern, tachinieren, tachninieren - den Müßiggang pflegen, müßiggehen, faulenzen, sich von der Arbeit drücken

 

Die Tachinose ist die Faulheit. Tachinitis, Tachinose haben: faul sein

 
Vorgeschützte Krankheiten hießen früher "Tachinose" oder "Tachinitis".

 

Der Tachinierer ist ein arbeitsscheuer Mensch, ein Müßiggänger: Drückeberger, Faulenzer, ein "Obizahrer"

Wieviele Tachninierer waren beim Bundeheer?

 

Für ihn wäre ich ein Hypochonder, ein Tachninierer, ein Simulant, ein Sozialschmarotzer.

Natürlich ist es auch realitätsfremd, auf die Bedürfnisse einzugehen, anreize zu schaffen. Lehrer sind tachninierer und Faulenzer auf kosten der Gesellschaft und das hat Fayman völlig richtig erkannt (Zitat aus Der Standard, Leserbrief zu "Es soll so bleiben wie es ist", 24.8.2010

der Topfen

Quark

Da Topfenstrudel (Topfenbrot etc.); Speisetopfen, Topfennockerl (nicht Quarkbällchen!)

Quark – polnische/schlawische (Käsestoff; umgspr. für Wertloses)

trenzen, trenzn
[drenzn]

 

[ahd. trinson, treni;
 
mhd.  drâsen, dræsen, drasen, dräsen, trâsen, trasen

=

schnauben, heftig atmen, stöhnen, auch in den formen 'trenzen, transen, tre(n)sgen';
 

Vielleicht aus mlat. trinsare = brummen

1. tropfenweise fallen lassen (Norddeutsch: „kleckern“)

2. in kleinen Portionen verteilen;

3. übermäßiger Speichelfluss

Vgl. geifern (Bairisch: salfern [soifan]) oder schäumen

4. weinen, schluchzen

5. dahertrenzn, forttrenzn, [furtdrenzn], (he)rumtrenzn: zu langsam und ineffektiv arbeiten, trödeln

5. Ein Trenzer ist eine Person, die trentzt mit den diversen Bedeutungen:

a. Trenzbeutel (auch: Pflenbeutel oder Flenfbeutel von flennen) Feigling oder weinerliches Kind (wer zu Tränen neigt)

b. wer unachtsam ißt und trinkt (und dabei sich antrenzt [odrentzt]

c. wer sich kleinlich und geizig verhält

d. wer bei der Arbeit trödelt

 

Wanns dei Suppn oda Soß ausm Mund dretzt, nachha host di odrenzt (otrenzt) oda dadrenzt (datrenzt).

Ein Trenzbarterl kriegt a Kind, wenn es hintrentzt.

Gib eahm hoid glei an Hunderta uf oamoi, statt dassd marklweis (he)rumdrenzt!

 

 

 

 

treafeln, dreafeln [dreafln]

triefeln, driefeln [dreafln]

trifin [drifin]

drefeln, trefeln [drefeln]

1. triefeln, vb., geifernd reden, stottern, schwätzen, geifern, närrisch sprechen, faseln   (vgl. plaudern)

'ins Trifin kommen' = ins Plaudern kommen, ins Brachten, ins Balawan

 

Tritschler [dridschla]

tritscheln [dridschln]

1. umständlich und wenig zielstrebig arbeiten (vgl. trenzn)

2. ‚Blähungen abgehen lassen, (p)furzen‘

Ein „Tritschler“ ist (a) ein Furz, „a Schoaß“; (b) ein Mensch, der furzt, „schoasslt, scheasslt“

 

3. im übertragenen Sinne ‚ausplaudern‘

Ein „Tritschler“ ist daher auch (c) jemand, der ihm Anvertrautes weitererzählt, Geheimnisse verrät (neudeutsch „Petze“);
(d) ein träger Arbeiter und Umstandskramer, ein „Driaderer, Drederer“, jemand, der „driadert, dredert.“

(„driadern", „dredern“ meint auch: ‚Flüssigkeiten verschütten‘ - mehr)

 

 

Trüfler (m.)

Trüfülant (m.)

Trüföweib (n.)

trüfön (Verb)

Ein Trüfler [drifla] kommt vom Verb trüfön (unterhalten, ausrichten) und ist ein gepflegter Tratsch (Vergleich  Prachter). Man trifft sich z.B. mit Freunden untern am See "auf einen gschmohen Trüfler".

Ein "Trüfülant" ist eine gesprächige, mitteilungsbedürfige weibliche Person, ähnlich wie ein Trüföweib (schwatzhafte Dame).

(vgl. plaudern)

Zöpfe, wie schmale Weidenstämme
Hände, wie große Tschinellen
Brüste, wie seltene Zwillingsschwämme
Achselhöhlen, wie Antoniuskapellen.
(André Heller)

Tschinelle (f.)

(ital. bacinella (sing.) Dim. von bacino, cinelli (Pl.) = (kleines) Becken)

1. Handzimbeln, Paarbecken (Schlaginstrument aus zwei tellerförmigen Messingscheiben), Becken

2 Ohrfeige

Zöpfe, wie schmale Weidenstämme
Hände, wie große Tschinellen
Brüste, wie seltene Zwillingsschwämme
Achselhöhlen, wie Antoniuskapellen.
(André Heller)

übernosern / übanosan / iwanosan / ibanosan

„übernasern“, d.h. über die Nase schnell, rechtzeitig begreifen und richtig einschätzen, erkennen, kapieren, verstehen, überrissen haben

 

nosan = lauern

(Vgl. gneißen, übareißan)

 

Hiaz hon i's übernosert!

Da Fuaßboispiela iwanosert de Lage und schiaßt an zwoatan von seina drei Treffa.

 

übareißan / iwareißan / iwareissen / überreißen

merken, draufkommen, kapieren, verstehen, bemerken, mitkriegen, etwas mitbekommen

(„gneißen“)

Iaz hab i's übarißn!

Du überreißt aba goa nix!

überluxn / überluxeln / iwaluxn

[mhd. und ahd. list = ursp. Wissen, hinterlistig, ausgeklügelter Plan und entsprechendes Vorgehen]

durch List sich jemandem gegenüber Vorteil verschaffen, übervorteilen, überlisten, betrügen

 

 ugfumt

[vielleicht aus 'ungeformt'; entlehnt aus lateinisch forma ‘Gestalt, Figur, Äußeres’
(wozu lat. formāre ‘formen, gestalten’) und anfangs nur auf die menschliche Gestalt bezogen war]

 ungezogen, unerzogen, ungeschliffen, ungehobelt, Benehmen ohne Anstand, grob, übertrieben

Wenn ein Besuch da ist, holen die Kinder oft ein ugfumtes Toan.

„Ein ugfumter Hut”

ugfumt viel Zeug und Sachen”

Gsanglan, Liada und Gasslreim,
wias in Goessl da Brau sand,
akrat a sou aufgeschriem,
wiar is solm hon,
dos Thoal husig und feyn,
das Thoal upoasch und ugfumt,
olls durianona (Gasslreim, Conrad Mautner)
 

umihebm

("umhinheben")

betrügen, hineinlegen, bescheißen

 

upoasch / uboasch /

 ubascht / ubaxt / ubåascht / obascht

unbändig, übertrieben, arg, viel, woiddan. unglaublich, ungeheuer, intensiv, ungebärdig, unartig

 

abgeleitet von
"(sich) gebärden":

ahd. gibāren, mhd. gebæren = ‘sich betragen, verhalten’
reflexiv (sich gebärden) = ‘sich außergewöhnlich benehmen, verhalten, aufführen
 

 

Für die irreführende Wortform ist der regelhafte Ersatz von /r/ durch /x/ [ch] in der Stellung vor /t/ verantwortlich:
vgl. fertig =
[fia(ch)te], [feate], [fechtet]

Quelle: O-Radl, Salzkammergut Dialektvarianten

 

Dieses u-bascht oder o-bascht sind typische, alte bairische "U-Ausdrücke", wie auch

U-furm (Unfurm) = üble Gewohnheit, Unart‘,oder eine Person, die damit auffällt, etwa ein Lausbub, ein Rotzlöffel, der häufig etwas anstellt

 

U-gsund (Ungesund)“ = Z.B.  „Dem treibt’s an U-gsund ausser“ meint wenn jemandem „Wimmerl“ (Pusteln, Ausschlag) auffahren oder er unter „Oassn“ (Geschwüren, Furunkeln) leidet.

 

u-danks (undanks) = ‚gedankenlos, unabsichtlich, unverhofft‘ z.B. „Es is u-danks gscheng“ heißt so viel wie: ‚Es geschah unabsichtlich, ohne dass ich es wollte, nicht zu Fleiß‘
 

 

 vgl. woiddan

upoasch gschmoh = ganz lieb (mehr);

upoasch viel Obst = besonders viel Obst;

ein ubaschtes Toan (Benehmen) haben;

I gfrei mi scho ganz uboasch auf insre Roas = Ich freue mich ganz besonders auf unsere Reise.

Unbärdiges Holz weist auf klobiges, krummwüchsiges Holz hin, welches mit Auswüchsen behaftet ist.

urassen, urassn

Urass, urassig

urasz,  uraszen

[ahd. urazi = zu viel zum Essen]

 

(mehr)

verschwenden, vergeuden, verschwenden, verschleudern, verschwenderisch leben oder mit einer Sache umgehen

laut Grimmschen Wörterbuch

URASZ, n., m., verschmähte überbleibsel von speise und futter, reste und geringwerthiges überhaupt

urasz, m., der vielfrasz

uräsz,-äszig, adj. adv., auch ohne umlaut, überdrüssig, wählerisch, mäklich, kiesätig (vgl. kiesig th. 5, 698, unäszig 2) u. dgl.; objectiv was überdrusz, ekel erregt (vgl. ekel, eklig). mhd. ureჳ

uraszen,-äszen, n., 'sehr heikel sein im essen, gute sachen nicht essen, dieselben wegwerfen oder verschenken; verwüsten, verwirtschaften, verschwenderisch oder wegwerfend umgehen mit sachen';

Als Urass bezeichnet, auch die "übriggelassenen oder verschmähten Speisen selbst".

 

Wer urasst, geht mit den Eßwaren verwüstend um", er macht "das Essen eher unbrauchbar, als daß er wirklich ißt, wählt ohne Hunger nur das Beste aus.

Das Adjektiv urassig bedeutet übersatt und durch gutes Essen verwöhnt".

 

Wos urassd n de a so mid den guadn Bafäu?
(Da Jesus & seine Hawara von Wolfgang Teuschl)
(Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen - Markus 14, 3-9) 

vagachn / vergachn ("vergachen")

[mhd. vergahen = übereilen]

vgl.

[mhd. gahen = eilen] siehe gach

in der Eile etwas falsch machen, verwechseln

(etwas zu gach durchführen und dadurch etwas verjankern, verschustern,  vermurxen etc.)

 

Vgl. ruaschn = hektisch übereilt bewegen und handeln

i hob mi vagaht = ich haben einen Fehler gemacht, weil ich gruascht (gehetzt) habe.

vakuzn / verkutzen

[mhd. kotzen = verschlucken, sich übergeben, erbrechen’,

aus frühnhd. koptzen, einer Intensivbildung zum lautmalenden Verb frühnhd. koppen ‘aus dem Magen aufstoßen, rülpsen’]

 sich beim Essen oder Trinken verschlucken

Du hast das trockene Brot zu schnell geschluckt und hast di vakutzt!

 

Loss da Zeit und drink dein Wei nid zu drawig, sist vakutzt du di!

vaschaukln / vaschaukeln ("verschaukeln")

 jemanden täuschen und betrügen;
mit etwas Erwartungen wecken und sie nicht erfüllen (z.B. Werbung), betrügen

Der Gauner håt mi vaschaukelt und iwan Tisch zogn - i loss mi awa nid wieda a so prazeln von eam, des sog i da!

(Adjektiv)

verwordagelt [va woa da gelt], verwordakelt [va woa da kelt]

(Verb)

verwordackeln,
'
[va woa da ckeln]

verwordageln
'
[va woa da geln]

 

Etymologie

laut Sedlaczek (Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs)

zu verhonäckeln,

1.) zu Hohn (ahd. hōna, mhd. hōn); oder
2) zu mhd. verwohrt = schlecht gemacht, Partizip 2 von
ahd. verwurken, mhd. verwürken = verwirken, kombiniert mit teigeln (mundartlich dageln), auf misslungenes Gebäck bezogen = verunstaltet, windschief, aus der Form gebracht

Adj. - verunstaltet, windschief, aus der Form gebracht, verhunzt, missglückt 

 

Verb - zum schlechten verändern, verunstalten

 

 

 

Vgl. hoanegln, ('hohneckeln' = verschandeln, entstellen)

adj verhonackelt, verhonackelt

[vahoanegelt]

vb. verhohnackeln, verhonackeln [vahoanegeln]

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm

verhoneckeln: , verb. höhnend necken, verhöhnen, Deminutivform zu (dem nicht nachgewiesenen) verhonecken

Leute gehen das Wagnis ein, eine Font über die ganze Seite hinweg zu nutzen und verwordackeln sich nicht in dutzenden von Fonts.

 

ein verwordageltes Kipferl

 

Das letzte Reservat des Bayerischen wird die Unterschicht sein, die von minimal wage jobs lebt. Dort werden die Verlierer beieinander hocken und ihr Slang wird nicht US sein sondern bayerisch, und zwar so verhonackelt, daß es keiner versteht außerhalb.
(Oberbayern: Rückzugsgefecht - Liebeserklärung, Geschrieben für den Merian von Georg Ringsgwandl)

 

Ledersessel sind ein beliebtes Kratzobjekt. meine sehen auch schon ziemlich verhonackelt aus.

 

Ich bin auf der Suche nach einer guten Medizinischen Fußpflege in München, weil meine Zehennägel leider ziemlich "verhonackelt" sind.

 

Bei der Gelegenheit stellt sich mir die Frage, ob ich nicht was für die alten, verhonackelten Felgen tun sollte.

wacheln, wachteln (Verb)

 

wächteln,

Nebenform zu wächeln

1. kräftig wehen, stürmen (Intensivbildung von wehen), tüchtig ausschelten, einem Streich versetzen

2. wedeln, wackeln

3. (mit einer Fahne) winken; fächeln; wehen, flattern, hin- und herschwingen, mit der Hhand, mit einem Tuch

4. in Falten fassen (z.B. Stiefel wachteln)

Durchwacheln mit einem Tuch heißt auch ausbeuteln.

Ein Hemad kann auf der Leine im Wind wacheln.

Wenn der Wind gescheit weht, wachelt der Schnee und kann zu einer Wächte führen.

Wächte [wachdn]

 

Gewäden [gwaadn] / [gwaan]

Schneeverwehungen, Überhängende Schneemasse

(Norddeutsch "Wehe")

Überhängende Schneemassen, wie sie durch Verwehungen im Gelände zustande kommen, nennt man auf Bairisch und Alemannisch  nicht „Wehe“, sondern „Wächte [waachtn]“ (zu „wàhn“ [waan], bairisch für ‚wehen‘; mhd. „wæjen“, „wæn“, ahd. „wâhen“;

Vgl. Intensivbildung „wacheln“).

Eine Schneewächte [schneewächtn] kann zu einer Lahn führen.

Wappler, Tschapperl

 

(aus wabben, wabbeln, wabeln, wappeln, ahd. wamba wamme und wambeln, wampeln = schwanken)

unentschlossener, unsicherer, untüchtiger, meistens tollpatschiger, zugleich durchtriebener Mensch

Warmduscher, Weichei, Schlappschwanz, Waschel, Sitzendpinkler (mehr)

Wenn sich jemand ungeschickt anstellt, dann wird er/sie schon einmal „Tschapperl“ genannt. Der „Wappler“ ist eine schärfere, gröbere, männliche Form dazu.

Das Wort Wappler kommt (nach HORNUNG) von 'wappeln' (="sich schwankend bewegen"), davon Wappler "Schmetterling", übertragen auch "unbedeutender Mensch, der nicht ernst zu nehmen ist".

 

Auf die Frage von Rainer Pariasek, warum er denn im ersten Durchgang so schnell gewesen sei, antwortet Felix Neureuther mit einem Lächeln. “Also so a Wappler bin i jetzt a ned.”"

 .

der Wasen (m.)

[wɔsn]

 

(ahd. waso, mhd. wase)

grasbewachsene Erdfläche, Rasen

 

Laut Wörterbuch der Gebrüder Grimm Rasen - "Der hochdeutsche Ausdruck ist ahd. waso, mhd. wase, was sich in unserm wasen fortsetzt; Der niederdeutsche wrase, der auf ein altsächs. unbezeugtes wraso weist. Es wird angenommen, daß die beiden lautlich sich so nahe stehenden, Begrifflich übereinstimmenden Worte im Grunde eins seien, derart, daß im Hochdeutschen das r ausfiel . Seit nachweislich dem 14. Jahrh. hat sich die niederdeutsche Form wrase nach Mitteldeutschland verbreitet, unter Vereinfachung der für den nicht niederdeutschen mund unbequemen Anlautverbindung zu r..."

 

Vgl.

Wasenabhang

Wasenbank

Wasenbosch, Wasenbösch - Grasbüschel, Rasenstück

Wasenerde,- der Torf oder die gegraben Wasenerde, welche man in Braband anstatt Holz braucht 

Wasenerdreich,

Wasenfeld - ein Feld, aus dem Rasen geschnitten werden

Wasenfleck, - Rasenfleck

u.v.m.

Ei Wasener håmand fei an Beruf ghåbt, wo koa Neid aufkimmt!

die Watsche(n)

[wadschn]

 

(entweder zu mhd. ōrwetzelīn oder ein einfaches Schallwort)

Ohrfeige (mehr)

 

Watschenaffe, Watschenåff [wadschnɔff] - Bezeichnung für den früheren Watschenmann im Wiener Prater
 

watscheneinfach - leicht zu durchschauen

Watschengesicht - 1. durch Watschn verschwollenes Gesicht, 2.freches, dummes Gesicht, blödes Gfries, depperte Fotzen, Goschen, Bappm (mehr)

Watschenmann - 1. Prügelknabe, Prügelknecht Sündenbock
2. Kraftmesser in Form einer zu ohrfeigenden Figur im Wiener Prater (Attraktion des Wurstelpraters - eine Gestalt aus Leder, oder Kautschuk).

dem Dreck eine Watsche(n) geben - etwas Unangenehmes noch unlösbarer, schlimmer machen

abwatschen - kräftig ohrfeigen

Retourwatsche(n) - Wenn einer nicht die andere Wange hinhält, sondern Gleiches mit Gleichem vergelten will, dann gibt er eine Retourwatschen

Du rütteltest am Watschenbaum!

Bald fällt der Watschenbaum! - jemand benimmt sich so schlecht, dass es zu Ohrfeigen kommen könnte, d.h. bald duscht's. Hiaz kriagst glei a Watschn!

 

 

Auf die erste Ohrfeige folgt die Retourwatschen - bereits heftiger. Bald eskaliert der Streit zu einer wüsten Schlägerei.

wax / wass / waß / wachs

[mhd. wahs = schneidig, scharf, Gotisch hwaß = spitzig, stechend]

rauh, spitzig, stechend, grob, wacher, mutig

vgl. rass / raß

Des Woileibl (Woll-Leibl) kannst fei ned auf da nacketen Haut drong – as iss z wax ! Der Bairische Nußknacker (Nr. 273)

weangln

 

wiegeln -  (sich) schwankend bewegen

ahd. wëgan, mhd. wëgen

locken, hin und her bewegen

vgl. ficken
(mhd. ficken: hin- und herbewegen oder naggln)

 

Da kloane Bua hat an Zahnn [zdsond] so long gweanglt, bis ea endli aussakemma is. Hiaz is ea gonz zahnluckat.
 

Wetter

[wɛɛda], [weeda]

 

[germ. wedra; ahd. wetar = Sturm, Wetter,  Gewitter, gutes Wetter;
mhd. wëter = Wetter, Witterung, Ungewitter, freie Luft, bewegte Luft, Lufthauch, Wind’]

1. das Wetter

2. Gewitter, Unwetter, heftiger Sturm


(Vg. (Verb) wettern (mdartl.  [wɛɛdan] [weedan]): ‘gewittern, blitzen, wetterleuchten (siehe unten), ein bestimmtes Wetter sein’, heute fast nur noch übertragen ‘schimpfen, fluchen’
vgl. mhd. wëteren ‘in der freien Luft trocknen’)

 

Siehe auch Wetterleuchten [weedalaichdn] (mehr)

 

Regen (mehr)

Hagel (mehr)

Gestern håt's arg geweedat - donnat, bliitzt und da Wind håt's an Gårtnzaun umaghaut.
 

Wauns stårk weedat, oft brauchst a Regenschirm, den ma ehnter a 'Regendach' [(h)rɛŋdɔɔ(ch)] ghoaßn håt.

wiafli, wiaflad

schwindlig, fahrig, konfus, wirr

„Da wirst wiaflad.“

gaunz schlimma müdigkeitsanfall...und der streifenteppich mocht mi wiaflad".

 

Wenn eine alte Landbewohnerin zu einem Arzt kommt und sagt sie sei wiafli, verstehen sie die meisten Ärzte leider nimmer, dabei meint sie nur, daß sie schwindlig sei.
 

winni, winnig

[mhd. winnec = rasend, toll, zu winne = Schmerz vgl. winseln]

aufgeregt, nervös, tollwütig, rasend, wütend

„gonz winni is a gwen - bis roglad is.“

 

„geh fei dona von dem winnigen Hund, ea hat tollwüt"

woiddan, woata, woitan, woitla, wolta, wolter

 

[ahd. giwaltīg;
 mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic = gewaltig, mächtig]

ziemlich, etliche

Nach da harten Arwad bin i woiddan daloawed (erschöpft).

Da neia Vorstand håts fei woiddan weit bracht in seinâ Karriere. Iaz hot ea si an Ferrari kauft und moant, ea is iatz wea.
Woata hoaß oda koit“

D Årwat is oft woitan vü gwen.

Wonn nit muara woitan owochtpassn hoia van Somstog bis in Montog das nid an Brena tuat.

Da Hias is woitan hintaschattig. (ist ziemlich unaufgeschlossen bzw. seltsam, hinterlistig, rückständig)

zahnig / zahni

feucht kalt

Heit in da Friah is' fei zahnig koit gwen!

Von haftig zahnig bis upoasch hoaß.

zeam

mhd. gezæme

lustig, zünftig

 

Zeam und zünftig stammen aus derselben Wurzel :

zünftig“ ist von Zunft abgeleitet, und dieses ist das Abstraktum zu „ziemen“, vergleichbar mit „(An)kunft“ zu
„(an)kommen“.

Heit is' zeam! (heute ist aber lustig!)

Zeitlang

Heimweh

Nach drei Wochâ Urlaub kriegi wiedâ Zeitlang nach dahoam. Mi duats echt hoamalantn.

 zlexelt, z’lexnd (Adj.)

 

(daläxld, derlext, dalext)

 

zerlechseln (zlexeln, daläxeln) (Verb)

leck, undicht

aus lateinisch laxus = schlaf, lose, locker, schlottrig

 

zlexelt ist z.B. ein Holzfaß, das undicht geworden ist. Die eingetrockneten Faßbretter (Holzdauben) haben sich zusammengezogen, wodurch Spalte oder Fugen in der Faßwand entstanden sind. Das Wort zerlechseln hängt mit dem ahd. Wort lechen „austrocknen, vor Trockenheit rissig werden und Flüssigkeit durchlassen“ zusammen, das sich heute noch in lechzen „gierig nach etwas verlangen, dürsten“ erhalten hat

 

(mehr)

As Fassl (Fässlein) is zlexelt, es gheard wieda eidelsld (dechtln: dicht gemacht durch Wässern).

zünftig

zimfti, zinfti, zinftig

bodenständig, urwüchsig, waschecht, zeam

 

Eigentlich "zunftmäßig, einer Zunft angehörig" daher im übertragenen Sinne: ordentlich, tüchtig

 

Zeam und zünftig stammen aus derselben Wurzel :

zünftig“ ist von Zunft abgeleitet, und dieses ist das Abstraktum zu „ziemen“, vergleichbar mit „(An)kunft“ zu „(an)kommen“.

Die Buschenschank bietet kulinarische Genüsse, denn wer arbeitet muss auch gut und zünftig essen!

Heid geit's a rare Musik - husig und zünftig spielen die Musikanten!

     

Tabelle  2 - Alternative Wörter und Wendungen (Bairisch à Hoch-/Norddeutsch)  es muss nicht immer „sehr“ heißen!

 

 1 - Zur Aussprache und verwendeten Lautverschriftung wird das Lautsystem von Drent und herent - Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet - Der sprechende Dialektatlas auf CD-Rom von Hannes Scheutz unter Mitarbeit von Sandra Aitzetmüller und Peter Mauser größtenteils verwendet:

 

Das Schema des "Vokalvierecks" bildet die Artikulation der Vokale im Mundraum ab:

 

Zungenposition

vorne

hinten

 

Lippenstellung

gespreizt

rund

rund

Zungenhöhe
(Kieferwinkel)

hoch (geschlossen)

i

ü

u

mittel

e

ε

ö

epsilon

o

o

tief (offen)

a

a

 

Monophthonge (Einlaute)

Vokal

kurz

lang

i

fischsch ‚Fische’

fiisch ‚Fisch’

u

bruggn ‚Brücke’

dsuug ‚Zug’

o

hoffm ‚hoffen’

oofm ‚Ofen’

 

Vokal

kurz

lang

e

bessa ‚besser’

beed ‚Bett’
 

leesn ‚lesen’

ε

schdεgga ‚Stecken’

klεε ‚Klee’
 

schbεεkch ‚Speck’

 

Vokal

kurz

lang

a

rachn ‚rauchen’

 

schaadn ‚Schatten’

 

o

bocha ‚backen’
 

schdross ‚Straße’

schoodn ‚Schatten’
 

boo ‚Bach’

a

schdrass ‚Straße’
 

bart ‚Bart’

baadd ‚Bart’

 

Besonders große Probleme bereitet die Darstellung der tiefen Vokale. Im Mittelbairischen unterscheiden wir zwischen hellem, vorderem [a] (Käse > [kaas]) und verdumpftem, hinterem [ɔ] (Hase > [hɔɔs]). Das hintere [ɔ] stellt die reguläre bairische Entsprechung für mhd. <a> (und zumeist auch für standardsprachliches <a>) dar.

Auf bayerischer Seite tritt noch ein weiterer tiefer hinterer Vokal auf – das typisch „freistaat-bayerische“ [ɒ], das sich besonders häufig als Kurzvokal wie in [kɒdds] ‚Katze’ findet.

 

Nasalvokale
Im Wortauslaut verschmilzt häufig die Lautfolge von Vokal und darauffolgendem Nasalkonsonanten [n] zu einem Nasalvokal; Nasalvokale werden mit einer Tilde über dem Vokal transkribiert:

Vokal

 

e

schee ‚schön’

e

schee ‚schön’

u

suu ‚Sohn’

õ

schõõ ‚schon’

o

schoo ‚schon’

ai

wai ‚Wein’

oa

oa‚ein’

 

 

 

Siehe auch „on-line“ Bairische Wörterbücher
zu empfohlenen Fachbüchern
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Siehe auch den nächsten Lehrgang „Tabuworte“ 

 

Seite zuletzt aktualisiert am 18. Âpril 2016

 

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