Remaraweng Boarisch

Wortschatz

Sunda bis Moda

(Sonntag bis Montag)

Die Wochentage und Zeitangaben auf Bairisch

Inhaltsverzeichnis

     Tage der Woche (Herkunft und Etymologie)

     Tage der Woche (Verbreitung im bairischen Sprachraum)

     Jahreszeiten (Winter, Frühling, Sommer, Herbst)

     Zeitabgaben

 

 

 

Tage der Woche

Herkunft

d Wochâdåg

Sonntag

 

lateinisch dies solis (Sonnentag),
später (ab ca. 4 Jh.
dies dominica = Herrentag
(Auferstehung des Herrn = 1. Tag der Woche),
daraus ital.
domenica

germanisch (germ.) sunnu(n)dagr
althochdeutsch (ahd).
sunnûntag
italienisch
domenica  
sizilianisch
dumìnica, rumìnica (ruminicarìa), duminicarìa (duminicadìa)
französisch dimanche
 englisch
Sunday

Sunda

(Sundda, Sunnta)

Montag

ahd. mānatag,

mittelhochdeutsch (mhd.) māntag, mōntag

lat. dies (= Tag) Lunae,
 daraus
italienisch ludedì
sizilianisch lùnniri, lunidìa, luniddì, luni
franz.
lundì 
engl. Monday

Mooda


(Mâda Mahda Månda Maada Mouda, Mauta Mauhda Mooda Moda Monda)

Dienstag

ahd. zīostag  nach dem germanischen Gott Ziu
(im alemannischen
Ziestag noch vorhanden).

altenglisch tíwesdœg, engl. Tuesday

 

Dem römischen Kriegsgott Mars (dies Martis) gewidmet, daraus ital. martedì,
sizilianisch màrtiri, martidìa, marti

franz. mardi entsprach germ. Tiwaz
 

 Das bairische Kennwort für Dienstag -  Ertag oder Erchtag(mhd. er(ge)tac) kommt über die Goten vom griech. Kriegsgott Ares. (der Arestag = bair. Ertag oder Erchtag)

Erchtag
(Deansda, Deanschda, Échta, Erchta, Eritog, Ertag, Eeschda, Iada, Iarta, Irchta, Irta, Irdda, Irschda, Luschda, Morchda, Mörchda, Mörada, Éschtôg, Érchtôg, Luchda, Loschda, Örda oder Orchda)

Mittwoch

Der Mittwoch hieß zuerst Wodanstag (vgl. engl. Wednesday) nach dem höchsten heidnischen Gott.

Wodan wurde dann verdrängt durch späthd. mittawehha, aus lat. mediahebdomas (vorher lat. Mercuririi dies
daraus ital. mercoledì,
sizilianisch
mercuridìa, merculidìa, mèrcuri, mièrcuri
franz. mercredi
mhd.
mittewoche (= Mittel der Woche Mittwoch)

Migga
(Miggdn Migda Midicha Mirricha Mikkn Mikdn Midöcha Miröcha, Mitta)

Donnerstag

Genannt nach dem germanischen Gott, Donar, Donarstag,
(ahd.
donarestag)

 anord. thorsdag, engl. Thursday (abgeleitet vom germ. Gott Thor = Donar, daher "Thors-Day")
lat.
Jovis dies (Jupipter-Tag),
daraus ital.
giovedì
sizilianisch giòviri, jovidìa, juvirì / jovirìa, giuvidì / iuvidì,  juvidì / iuvirì,  jovi / iovi, juovi / iuovi
franz. jeudi

Der bairische Name hingegen -  Pfinztag bzw. Pfingsta
(
mhd. phintztac) -  kommt wieder durch gotische Vermittlung:
griechisch
pémptē hémeéra (Πέμπτη)
(= 5. Tag, gerechnet ab dem Sonntag).

Das Fest Pfingsten (mehr) ist auch griech.
pentecóste (heméra)
 (πεντηκοστή) = 50. Tag nach Ostern

Der „unsinnige Pfinzda“ oder „narrische Pfinzda“ ist der Faschingsdonnerstag.

Pfinzda
(Finsta Pfinsdda Pfinzda Pfinsda Pfinstôg Gfingsta, Pfingsta)

Freitag

lat. "Venustag" (Veneris dies)
 daraus ital.
venerdì
sizilianisch
vènniri, venniridìa, vènnari
franz.
vendredi
germ.
Freya
ahd.
friatag, frí(j)atag
altenglisch
frigdœg, engl. Friday

Pferintag aus dem griechischen (über die Goten im 5. Jahrhundert) Wort paraskeuein = das rüsten, vorbereiten
(hier: auf den Sabbat, als der Freitag der "Rüsttag" war, d.h. der Tag, an den Christus hingerichtet wurde)

Freida

(Freita)

 

Früher: Pferinatag

Samstag

ahd. sunnum aband = Abend bzw. Tag vor dem Sonntag. Samstag von
hebr.-grich.
Sabbat (vulgärgriech. sámbaton)
lat.
Saturni dies (sabbatum dies)
ital.
sabato
sizilianisch
sàbatu / sàbbatu, / sàbbutu / sàbutu / sàbbitu / sàbitu, sabatudìa / sabbatudìa / sabbaturìa / sabaturìa)
franz.
samedi
alteng.
sœterndœg, engl. Saturday

Såmsda
(Sansda Saamsda Såmstôg)

Tabelle 1       Tage der Woche – de Wochâdåg (Herkunft und Etymologie)
(Nomi dei giorni della settimana - giorna dâ simana)

 

 

Region

Aussprache

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

im unteren Bayerischen Wald

Måånda

Iada

Midicha

Pfinsta

Fraida

Samsda

Sunnda

Burgenland

Mada

Iada, Iati, Eirito, Earito, Eiada, Aida, Eta

Migga, Midicha

Pfinsda

Freida

Samsda

Sunda

Cham

Monda

Iada

Micha

Pfinsda

Fräta

Såmbsda

Sunnta

Dachau

Mahda

Irta

Migga

Pfindsda

Freida

Såmsda

Sunda

Kärnten

 

Ertåg, Irtåg, Irte

Mítåg, Míte

Pfinztag, Pfingståg , im Lesachtal jedoch Pfintsti

 

 

 

Mittenwald

Måunda

Morchda

Micktn

Pfintzta

Fraida

Såmbsda

Sunnta

Mostviertel

Mauhda

Ihrda

Mihdecha

Pfingsta

Freida

 Saumsda

Sunda

Bezirk Freistadt, Unteres Mühlviertel

 

Irchta

 

 

 

 

 

Niederösterreich

 

Iarido(ch), Iada

 

Bfindsda, Bfingsda

 

 

 

Oberbayrisches Oberland

Moda

Irda

Migga

Pfindsda

Freida

Såmsda

Sunda

Oberösterreich

Moda, Monda

Echta, Eritog, Irda, Örda

Midöcha, Miröcha

 

 

 

Sunnda

Pinzgau

Moo(n)tåog

Irchdog, Irchdoug, Irchtåog, Örchtåog

Midwoch

Pfinztåog

Fraitåog

Såmståog

Sunntåog

St. Johann, Tirol
(Sainihånser)

 

Éschtôg, Érchtôg

 

Pfinstôg

 

Såmstôgsunn

 

Steiermark

Mauta

Erchta, Erchtag, Irta, Irti, Erti

Mitta

Gfingsta, Pfingsta

Freita

Samsta

Sunnta

Straubing

Moonda

Iata

Migga

Pfinsta

Fraida

Samsda

Sunnta

Türkenfeld/Lechrain

Meeinta

Aftermeeinta

Mickta

Toounschta

Fraita

Samsda

Sunnta

Unterinntal

 

Erschhta

Mikkn

Pfinschda

 

 

 

Wasserburg am Inn

Mooda

Iata

Miiga

Pfinzta

Fraida

Såmsda

Sunnda

Werdenfelserland

Maada

Mörchda

Mikdn

Pfinzda

 

 

 

Wien

Måndoch

Dinsdoch

 

Pfinzda

 

 

Sundoch, Suntoch

Tabelle 2       Regionale Aussprache - Tage der Woche  (Verbreitung im bairischen Sprachraum)

SIEHE AUCH http://www.bwb.badw.de/karten.htm FÜR KARTE DER BAYERISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

 

 

 

Jahreszeiten

Bairischer Name

Frühling

Auswärts (gesamtbairisch) / Auswechts (gesamtbairisch)

 

Langs (standarddeutsch Lenz)
aus lateinischen longae dies = lange Tage

ahd. lenzo, langez, dieses wahrscheinlich zu einem nicht belegten
langa-tin(a)

(langa: lang; tin(a): Tag; d.h. "Zeit der länger werdenden Tage"

Långs (Tirol) / Lanzing (Salzkammergut, Flachgau),
Lassing  
(Pinzgau, Pongau),
Langsing, Längsing oder Lasseng
(Pinzgau, Lungau),

Langeß (Longgs) (Berchtesgadenland)

Langez (Südbaiern, Allgäu, Tirol)

Sommer

Suma / Summa / Summar (Gesamtbair.)

Herbst

 Einwärts oder Eiwärts (Gesamtbair.)

Hirbast, Hirbist, Hirpst (Kärnten) / Hirbest (Lungau) /
Hirgst / Hèrist
(Kopfing,OÖ, Tirol) /

 Höröst (Pinzgau) / Herrist / Hörist (Ausseerland), Hörwist, Hörwest, Hörwescht / Hiascht (Oststiermark)

[ahd. herbist, mhd. herbest - also zweisilbig
Wucherlaut zwischen r und b]

Winter

Winta, Windda  

Tabelle 3       Die Jahreszeiten (Winter, Frühling, Sommer, Herbst)
 

 

 

 

Zeitangaben

Bairischer Name

heute

 

ahd. hiutu und hiuto von hiu dagu, hiu tagu = 'an diesem Tag'; 
mhd. hiute

heint aus ahd. hiu nahtu = 'in dieser Nacht')

Vgl. ahd. hiu jârum, hiuro, hiure = heuer (in diesem Jahr)

heit [hẽĩd]

 heint [heind], heind [heind]

gestern

 

ahd. gest(e)re, gesteron, gesterēn; mhd. gester(n) = 'am Tag vor heute’

gesting, gestring


nacht (
Aussprache nàchdd mit ganz hellem à und tiroler ch)

siehe auch nachten

morgen adj.)

 

ahd. morgane, überliefert nur in ahd. ubarmorgane;
 
mhd. morgen(e) = 'am folgenden Tag’

Vgl. morgig Adj. = ‘den folgenden Tag betreffend’, verkürzt aus morgenig, morgenic

moing, morigen (mehr)

maring / moring (mehr)

morgens

am Morgen, heute Morgen (m.)

 

ahd. morgan;
 
mhd. morgen = 'Tageszeit um den Sonnenaufgang, Tagesbeginn’

 

frühmorgens

in der Früh

[in da Friàh] / [in da Fruàh] /  [in da Fräih]

[a da Friàh]

 

in aller (Herrgotts-) Früh

[in alla Heagoods-  friàh / fruàh / fräih]

Mittag, mittags

 

ahd.  mittitag, mittilatag;
 
mhd. mittetac = 'Zeit(punkt) des höchsten Sonnenstandes’

middåd

Nachmittag, nachmittags

nàmiddåd

abends

auf d Nåchdd

(auch åmds)

nachts

bei dà Nåchdd

gestern Abend

gestern Nacht

 

 
(
mhd. nechten oder nahten = dunkel werden;

vgl. Nacht: ahd. naht mhd. naht = 'Zeit zwischen Abend- und Morgendämmerung, Dunkelheit')

nåcht(en)

[nɔcht, nɔchtn]

nächt

Aus dem Grimmischen Wörterbuch:
NÄCHTE
, NÄCHT, NACHT, adv. wie nächten, erstarrter dativ sing. von nacht (s. nacht I), bair. nächt, nächte SCHMELLER 1, 1717a Fromm., tirol. nächt SCHÖPF 456 (aus einem glossar v. j. 1663), schwäb. nächt nächti SCHMID 398. BIRLINGER 348a, schweiz. nächt nächte STALDER 2, 228. SEILER 217b, henneb. nachte SPIESS 169, kurhess. nächt VILMAR 279: ich sagt nechte, ich wöll on ewer erlaubnusz nit dannen scheiden. Aimon T IIa; es sind erst necht etliche jung gesellen hin verruckt. WICKRAM rollw. 25, 26 Kurz;

 

NACHTEN, verb. ahd. nahtên; mhd. nahten noctescere
= nacht werden oder sein, unpersönlich

übermorgen

 

 ahd. ubarmorgane

üwamaring, iwamaring (mehr) 

letztes Jahr,

voriges Jahr

fert(en)

[feadd, feachd, fęascht, ferd, fead, fean, fearin, feartn, fartn, ferten, veascht]

voriges Jåhr, Vorjahr, Vorjährig

 

firn (letztjährig’) - [ahd. firni = ‘alt, hinfällig’; mhd. virne,  vern(e), vern(e)t =  ‘im vorigen Jahr’; gotisch faίrns = ‘vorjährig’

mhd. vërt, värt, vertic = im vorigen Jahr,]

vgl. Firnschnee, der Firn (der alte Schnee u. Ferner (Gletscher)],

Firner, Ferner (m.) ‘mit ewigem Schnee bedeckter Gipfel, Gletscher’,


ferten: voriges Jahr; vorferten vor zwei Jahren

 

dieses Jahr

 

ahd. hiu jârum, hiuro, hiure;
mhd.
hiure  = heuer ('in diesem Jahr')

 heuer

[heua / heier]

 

Vgl.  heurig (Adj.) = ‘diesjährig, aus dem laufenden Jahr’
(ein heuriger Wein, heurige Erdäpfel, das heurige Weihnachtsfest etc.)

ahd. hiurīg, mhd. hiurec

früher, vorzeitig, ehemalig

friaga
mhd. vruo, ahd. fruo, zu einer indogermanischer Wurzel in der Bedeutung
früh morgens

früher, eher, vorher

ehnder

[eah / eh, enta / ehnta  / eanta / enter / ehender / ehnder / ender]
[Komp. von ahd. ēr; mhd. ē, ē r= ehe

eigentlich erste Steigerungsstufe von Adverb 'ehe' = früher, einst, eher, vorher’)]
(
„Morgn muaßt enta keim/kemma, sonst kumst wiada zspåt”
= Morgen mußt du früher kommen, sonst kommst du zu spät)

(mehr)

 

eahrzeit / ehzeit

früher, vor der Zeit, sehr früh; bald, in kurzer Zeit

(„mia werdn eazeit keiman” = wir werden früher kommen)

 

friaha

vorhergehend, vergangen

ehrig

eherign Tags - gestern

eherig Wochn - vergangene Woche

dereinst, früher einmal

eahimma
„Mia werden eahzeit kemma = wir werden früher kommen”

früher, von der Zeit, sehr früh; bald, in kurzer Zeit

eahrzeit / ehzeit
„Mia werden eahzeit kemma = wir werden früher kommen”

„Kimmst ehzeit, kriagst no an Plotz.”

kurze Zeit

Eichterl, auf ein Eichterl = auf kurze Zeit, ein Weilchen, kurze Zeitspanne, Weile, bestimmter Zeitabschnitt

(auch "a Neichtl" oder "a Neichterl" = an Eichtel)

[mhd. ûhte / uohte (f.) =
Zeit der Dämmerung, auch Nachtweide des Viehs]

„Aber da hab i mi halt an Eichtl ausn Staub gemacht”
(habe ich mich eine kurze Zeit zurückgezogen)

„und hat überall an Eichtl geschaut”
(und hat überall eine Weile geschaut)

„Ja, sagt da Fridolin, wia s' nu an Eichtl gsessn hand, iatzt wird's aber kloaweis Zeit, dass i wieder geh.”
(aus "De Hygiene-Assistentin", Gustav Ganglmair)

 

A lustigö Eicht, Spruchgedicht von Franz Stelzhamer

A lustige Eicht

hat der Herrgott selm gweicht,

selm gweicht und selm gsegnt, /

ruck en Huat, wanns da gegnt.
 

(andere Version)

A lustigö Aicht
Hat da Herrgott selm gweicht,
Selm gweicht und selm gsegnt:
Ruck ön Huat, wanns da gögnt. 

 

an Boisei = einer kleinen Weile

„I vasprich da, i kimm noch an Boisei zuachiklopfen”
(ich verspreche dir, ich komme noch ein Weilchen dagegenklopft)

(aus "Sanduhr", Kurt Pikl)

 

 

Randl, Randel = Weilchen, kurze Zeit

 

stürmal / stürmerl = kurze Zeitspanne

 

auf einmal

af õst / auf einst

derweil,  derweile, derweilen,
unterdessen, während, währenddessen

dawei - (adv.) einstweilen, in der Zwischenzeit, indessen, inzwischen, mittlerweile, unterdessen, zwischendurch, zwischenzeitlich

mhd. der wîle

 

dawall ham = Zeit haben

dawall nehma = sich Zeit nehmen

 

viel früher

eapas Zeiten

später

spâta, spåta 

bald

halang, haleng, haling, hartling

hernach

aft / oft / oftat (mehr)

[von mhd. aft(en)]

unlängst,

(Gegenteil aus mhd. langes, lenges  = ‘vor langer Zeit, der Länge nach’)

 

vor kurzem, kürzlich

ahd. kurzlīh, mhd. kurzlich

 

neulich

(mhd. niuweliche = vor kurzem, vor gar nicht langer Zeit, neulich)

(unlängst)

danaxt, ugagst / ugaxt

 

(zunächst)

znaxt, znachsts, znagst (mehr)

(mit Frikativierung von /r/ durch /x/ oder /ch)
in der Stellung vor /t/)

 

(neulich)

nali, nahle, neiling, nahlich
[von mhd. nahste = Superlative von nahe;
ahd. nâhlîcho, mhd. næhelîchen = nahelich, nahlig, beinahe]

jetzt

(gerade jetzt, eben, gleich)

mhd. iezuo aus ie ‘immer’ und zuo ‘zu’

iatz (nordbairisch. äitz), etz, etza, iaz,

aspiriert (h vor r - mehr)  hiaz

 mit sekundärem /t/: iatzad (nordbairisch äitzad), etzad, etzadla, hiazad

Tabelle 4       Zeitangaben

 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am 23. Feber 2017

 

 

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