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14.03.2008 21:02

Meiseldinger sprechen ihre eigene Sprache

Peter Schöffmann (81), pensionierter Lehrer und Historiker aus Feldkirchen, erforschte mit seinem Sohn die Mundart seines Heimatortes.
Peter Schöffmann, der auch ein Buch über seine Kindheit in Meiselding verfasst hat, nahm jetzt die Mundart des Dorfes unter die Lupe
Peter Schöffmann, der auch ein Buch über seine Kindheit in Meiselding verfasst hat, nahm jetzt die Mundart des Dorfes unter die Lupe   Foto: Phino
Wer in Meiselding manches "tö:nggasch" (= verkehrt) versteht, muss nicht zwingend aus einem anderen Bundesland stammen. Denn die Meiseldinger haben ihren ganz eigenen Dialekt. Das hat der Historiker Peter Schöffmann (81), ein gebürtiger Meiseldinger der jetzt in Feldkirchen lebt, herausgefunden. Gemeinsam mit seinem Sohn Peter hat er die Meiseldinger Mundart erforscht und 2500 typische Meiseldinger Worte niedergeschrieben. Diese wurden in der Jahreszeitschrift des Geschichtsvereins Kärnten veröffentlicht. Schöffmann will damit die Meiseldinger Mundart vor dem drohenden Aussterben bewahren.

Unterschiedliche Entwicklung. "Zwar leitet sich die Kärntner Mundart zum großen Teil von der südbayrischen ab. Doch in Tälern und abgeschiedenen Ecken entwickelten sich Unterschiede", sagt Schöffmann. Der pensionierte Lehrer und Logopäde hat in der Pension sein Geschichtsstudium an der Universität Klagenfurt absolviert.

Klein angefangen. Schöffmann hat Meiselding, dem Heimatdorf seiner Kindheit, 1995 eine Chronik geschenkt. 1999 entstand das Buch "Kindheit und Jugend im Dorf", es erschien in einer Auflage von lediglich zehn Stück. "Mein Sohn Peter, er ist Jurist in Villach, war der Initiator, die Meiseldinger Mundart niederzuschreiben", sagt Schöffmann senior. Diese Niederschrift ist nun im 197. Band der "Carinthia I" des Geschichtsvereines Kärnten erschienen.

2500 Worte. Rund 2500 Worte hat Schöffmann aus der Erinnerung heraus niedergeschrieben und damit dem Vergessen entrissen. "Worte, wie sie meine Eltern und meine Großonkel verwendet haben. Worte, die drohen auszusterben", sagt Schöffmann.

Lob vom Sprachforscher. Ihm ist klar, dass die Umschrift der Wörter vom gesagten zum geschriebenen Wort Fehlerquellen beinhaltet, weil der Reiz der Mundart auch an der Lautfärbung liegt. "Uns ging es darum, Worte grundsätzlich zu erhalten, egal wie die Lautfärbung sich dabei verändern kann", sagt Schöffmann. Lob bekommt er für sein Engagement vom Kärntner Sprachforscher Heinz-Dieter Pohl. Dieser sagt: "Derartige Werke sind wesentliche Quellen für eine spätere Sprachforschung. Denn die Jugend vereinheitlicht und verwendet immer mehr englische Begriffe."

Wichtig. Pohl sieht es daher als besonders wichtig an, regional gewachsene Mundart festzuhalten: "Denn die Kärntner Mundart differenziert regional sehr stark. Es wurden ja sogar Oberkärntner Liedtexte in Mittelkärntner Mundart ,übersetzt'. Und gerade die Mittelkärntner Mundart wurde von den Textern und Komponisten Justinus Mulle und Gerhard Glawischnig niedergeschrieben."

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Schöffmann ist sich bewusst, dass Sprache nie vollständig schriftlich festgehalten werden kann: "Meine Aufzeichnung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit." Aber für die Jungen des Dorfes Meiselding dürften die niedergeschriebenen Begriffe dem Vokabular einer Fremdsprache gleichen. Und obwohl auf Grammatik und Ableitungen verzichtet wurde, ist somit das Werk von Vater und Sohn Schöffmann als historische Quelle von Bedeutung.

PHILIPP NOVAK
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Mundart-ABC
Meiseldinger Wörterbuch
Eine Meiseldinger Besonderheit ist die Kirchturmuhr, bei der der "Zo:agar fa:lt"    Foto: Phino
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